Harvestehude

Kirche geht auf Pfadfinder zu – Stamm kann wohl bleiben

Kinder und Jugendlichen der Pfadfindergruppe St. Andreas. demonstrierten am Dienstag gegen den Rauswurf.

Kinder und Jugendlichen der Pfadfindergruppe St. Andreas. demonstrierten am Dienstag gegen den Rauswurf.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Dem Stamm St. Andreas drohte nach 70 Jahren das Aus. Ein Treffen mit Propst und Pastor macht Kindern und Jugendlichen nun Hoffnung.

Hamburg. Die Pfadfinder in Harvestehude müssen offenbar vorerst nicht mehr um ihre Zukunft bangen: Pastor Kord Schoeler habe im Gespräch mit den Eltern der 200 betroffenen Kinder und Jugendlichen am Donnerstag versichert, den Stamm St. Andreas nicht aus den Gemeinderäumen zu werfen. Das sagten Stammesführer Artus Tietgens und Pfadfinder-Mitglied Helmut Lindner dem Abendblatt nach dem Treffen. Die Kirchengemeinde habe dabei versichert, weiter mit dem Stamm zusammenarbeiten zu wollen.

Zu dem Informationsabend hatte Propst Martin Vetter vom Kirchenkreis-Ost geladen und war damit auf die Pfadfinder zugegangen, denen nach 70 Jahren das Aus drohte. „Ich bin froh, dass dieser Abend stattgefunden hat. Ein Abend, der den Kindern und Jugendlichen eine große Sorge genommen hat, nämlich dass sie ihre Räume zum 31. Dezember verlassen müssen. Das ist vom Tisch", sagte Vetter dem Abendblatt.

Pfadfinder-Vater entschuldigt sich für aggressive Stimmung

Pfadfinder Lindner ist erleichtert darüber, dass die Jugendarbeit im ältesten Stamm Hamburgs zunächst weiter stattfinden kann. "Propst Vetter hat uns die Hand gereicht, jetzt geht es voran", sagte er. Man gehe nun in Gespräche, um eine langfristige Lösung zu finden, ergänzte Tietgens. "Die Zusage hat uns natürlich sehr gefreut. Darauf bauen wir jetzt."

Bei dem Infoabend am Donnerstag hatte sich zunächst ein Pfadfinder-Vater bei Propst Vetter dafür entschuldigt, dass die Stimmung unter den 300 Demonstranten am Dienstagabend sehr laut und aggressiv gewesen sei. Propst Vetter hat die Entschuldigung sehr beeindruckt: „Das war ein wichtiges Zeichen.“ Die Diskussion am Abend sei kontrovers, aber friedlich gewesen.

Pfadfinder-Stamm St. Andreas gehört keinem Verband an

Nachdem bekannt wurde, dass der Stamm vor dem Rauswurf steht, haben Pfadfinder und Unterstützer am Dienstag bei Lagerfeuer und Gesang vor der Kirche an der Bogenstraße protestiert und den Propst direkt angesprochen. Der wollte am liebsten schnell in die Sitzung, zeigte sich dann aber gesprächsbereit. „Die Pfadfinder gehören zur Gemeinde“, hatte Propst Vetter den jungen Pfadfindern gesagt. "Die Pfadfinderarbeit wird geschätzt, das ist kein Thema."

Das Problem, das sich auf einen möglichen Rauswurf aus den Kirchenräumen zuspitzte, war ein anderes: "Der Stamm St. Andreas gehört keinem Verband an, seitdem er 2015 aus dem Verband Christlicher Pfadfinder ausgestiegen ist. Er kann der Gemeinde angebunden werden, dann müssen aber auch Regeln eingehalten werden."

Momentan gehört der Stamm St. Andreas weder einem Verband noch einer Kirchengemeinde an, und das möchte die Kirchengemeinde ändern. So sollen Qualitätsstandards eingehalten werden und so soll alles auf rechtlich einwandfreier Basis stehen. "Der Schutz der Kinder und Jugendlichen, die der Kirche anvertraut sind, ist für den Kirchengemeinderat das oberste Gebot", so der Propst.

Pfadfinder-Verantwortliche zeigten sich wenig kooperativ

Bereits im August habe es mit zwei Vertretern der Pfadfinder und des Kirchengemeinderates dazu Gespräche gegeben. Anschließend hätten Pfadfinder-Vertreter das offizielle Protokoll zu der Sitzung in Frage gestellt. Das Problem: Teile der Pfadfinder zeigten sich wenig kooperativ. Im 15-köpfigen Kirchengemeinderat sind sechs Pfadfindervertreter. "Die Kommunikation in den Sitzungen ist teilweise sehr schwierig. Es wird seitens der Vertreter der Pfadfinder immer gleich mit Klagen gedroht, die Stimmung ist aggressiv", so Propst Vetter.

Er setzte auf das Gespräch am Donnerstagabend. "Vielleicht könnten wir eine Art Runden Tisch initiieren. Dem Kirchengemeinderat geht es nicht um die Qualität der Pfadfinderarbeit, die ist beeindruckend." Aber einige Verantwortliche würden immer wieder Regeln verletzen.

Auch die Politik macht sich für die Zukunft der Pfadfinder stark

Stammesführer Tietgens hatte immer wieder das direkte Gespräch gefordert. „Wir fordern eine Bestandsgarantie für die Pfadfinderarbeit als Gemeindejugend in unseren Räumen und die Wiederaufnahme der Gespräche unter Leitung von Bischöfen Fehrs.“


Auch die Politik hat sich für die Zukunft der Pfadfinder stark gemacht. Danial Ilkhanipour, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter, war bei der Demonstration am Dienstag vor Ort und hatte bereits Ersatzräume für die Adventsfeier der Pfadfinder an der Jugendmusikschule besorgt. Eine langfristige Lösung sei das aber nicht. „Das wird schwer, neue Räume zu finden. Ich hoffe auf ein Umdenken von Seiten der Kirche“, so Ilkhanipour. Dazu ist es nun offenbar gekommen. Am Montag, 25. November, tagt der Kirchgemeinderat erneut um 18.30 Uhr.