Denkmalschutz

Schilleroper: Behörde will Sanierung weiter erzwingen

Denkmalgeschützt und halb verfallen: die Schilleroper auf St. Pauli.

Denkmalgeschützt und halb verfallen: die Schilleroper auf St. Pauli.

Foto: Roland Magunia

Das historische Gebäude unweit der Stresemannstraße ist der letzte feste Zirkusbau des 19. Jahrhunderts in Hamburg.

Hamburg.  Der Streit um die unter Denkmalschutz stehende Stahlkonstruktion der Schilleroper geht weiter. Die Kulturbehörde will die Eigentümerin des maroden Gebäudes dazu zwingen, das Dach so auszubessern, dass es den Regen abhält. Die Eigentümerin will dies offenbar nicht tun. Am morgigen Mittwoch läuft nun eine Frist der Behörde ab. Doch es besteht wenig Hoffnung, dass die Eigentümerin der Forderung des Denkmalschutzamtes nachkommt. Tut sie es nicht, würde die Behörde wohl eine formelle Sicherungsverfügung verhängen, die dann mit neuen Fristen verbunden wäre. Am Ende könnte eine „Ersatzvornahme“ stehen: Der Staat sichert das Dach auf Kosten der Eigentümerin.

Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde, sagte: „Wir wären in diesem Verfahren sehr gerne schon einen Schritt weiter, müssen aber selbstverständlich hier rechtlich sehr sauber handeln, um keinen Verzug durch Verfahrensfehler zu riskieren.“

Schilleroper ist ein besonderes Gebäude

Die Schilleroper unweit der Stresemannstraße steht seit 2012 unter Denkmalschutz. Die erhaltene historische Stahlkonstruktion des Gebäudes, ein Rundbau, gilt als Dokument der Freizeitarchitektur des 19. Jahrhunderts, es ist außerdem der letzte feste Zirkusbau des 19. Jahrhunderts in Hamburg. 1891 fertiggestellt, wurde er zunächst vom Circus Busch genutzt. Später wurde es zum Theater umgebaut, seit 1932 hieß es „Schiller-Oper“. Nach dem Krieg diente das Gebäude mal als Lagerhalle, mal als Unterkunft für Werftarbeiter oder für Flüchtlinge. Das Gebäude verkam immer mehr. Verschiedene Nutzungsideen ließen sich nicht verwirklichen. auch über einen Abriss wurde diskutiert. Ein Musikclub zog schließlich ein. Seit 2006 steht das Gebäude leer.

Die jetzige Besitzerin erwarb das Gebäude 2014 – damals wohl zu einem Preis, in dem sich die Tatsache widerspiegelte, dass Teile des Gebäudes unter Denkmalschutz stehen. Die Käuferin will den charakteristischen Rundbau nicht erhalten, allerdings in einer neuen Architektur nachempfinden. Hinzu sollen ein neungeschossiges und ein sechsgeschossiges Wohnhaus kommen, ebenso eine Tiefgarage.