Prozess

Polizist im Dienst schwer verletzt – Absicht oder Versehen?

Justitia über dem Eingang zum Strafjustizgebäude Hamburg (Symbolbild).

Justitia über dem Eingang zum Strafjustizgebäude Hamburg (Symbolbild).

Foto: Michael Rauhe / HA

Der Angeklagte hatte einen Beamten mit seinem Fahrzeug eingeklemmt, als er einer Verkehrskontrolle entgehen wollte.

Hamburg. Unmittelbar vor dem Crash, so kam es jedenfalls dem Polizisten vor, habe der Fahrer noch „gegrinst“. Im nächsten Augenblick spürte der Beamte einen heftigen Schmerz in seinem Fuß – dort, wo er zwischen zwei Autos eingeklemmt worden war. Acht Monate ist es mittlerweile her, dass der 44-Jährige in Altona-Nord schwer verletzt worden ist. Und bis heute ist der Polizist arbeitsunfähig. Ist es die Folge eines mutwillig herbeigeführten, äußerst rücksichtslosen Fahrmanövers? Oder war es vielmehr ein Versehen?

Angeklagter: bedauerliches, unbeabsichtigtes Fehlverhalten

Als bedauerliches, unbeabsichtigtes Fehlverhalten will Alexander S. verstanden wissen, was am 14. Februar in der schweren Verletzung des Polizeibeamten gipfelte und was ihn jetzt als Angeklagten vor das Landgericht gebracht hat. Die Staatsanwaltschaft wirft dem vielfach vorbestraften 44-Jährigen unter anderem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und gefährliche Körperverletzung vor.

Der Hamburger habe, um einer Verkehrskontrolle zu entgehen, mit Vollgas zurückgesetzt und dann versucht, sich gewaltsam eine Lücke zwischen Autos zu verschaffen. Als der Polizeibeamte den Fahrer aufhalten wollte, so die Vorwürfe weiter, steuerte dieser auf den Polizisten zu und erfasste ihn.

Unfallflucht begangen und eine Verkehrsinsel gerammt

Ursprünglich war gegen Alexanders S. deshalb sogar wegen eines versuchten Tötungsdelikts ermittelt worden. Schließlich soll er Unfallflucht begangen und eine Verkehrsinsel gerammt haben. Und all dies, als er in einem gestohlenen Auto unterwegs war, ohne Führerschein und auch noch unter dem Einfluss von Kokain und Heroin stand.

Erst vier Wochen zuvor war der 44-Jährige aus der Strafhaft entlassen worden. Dort hatte er wegen Autodiebstahls gesessen – und weil er ähnlich wie im aktuellen Fall rücksichtslos im Straßenverkehr unterwegs war.

Angeklagter: In Panik den Wagen zurückgesetzt

Dass der Wagen, den er bei dem jüngsten Vorfall fuhr, gestohlen war, habe er gewusst, erzählt der Angeklagte jetzt. Außerdem habe er Drogen konsumiert. Als er später zusammen mit einem Bekannten unterwegs war, sei sein Auto plötzlich von Fahrzeugen eingekeilt gewesen. „Einer stand frontal vor mir, einer neben mir, einer hinter mir. Ich wusste gar nicht, was los ist.“

Sein Beifahrer habe gewarnt: „Die wollen dich bestimmt abziehen.“ Da habe er Panik bekommen, rückwärts gesetzt und „zugesehen, dass ich da wegkomme“. Dabei habe er wohl auch den Wagen hinter sich gerammt, um den Weg freizubekommen. „Den Polizisten habe ich nicht gesehen. Es tut mir leid, dass ich ihn angefahren habe.“

Bei dem Polizeieinsatz mit Zivilfahrzeugen habe dem Angeklagten ein Zivilwagen den Weg nach vorne versperrt, erzählt der Polizeibeamte als Zeuge. Alexander S. habe zunächst „ein erschrockenes Gesicht gemacht“, dann sein Auto zurückgesetzt. „Ich stellte mich davor, er versuchte, nach vorne zu flüchten. Er hat mich dann zwischen seinem Fahrzeug und Taxi einklemmt. Ich sah beim ihm ein Grinsen.“ Der Prozess wird fortgesetzt.