Neuer Stadtteil in Hamburg

Auf dem Grasbrook sollen 3000 neue Wohnungen entstehen

Visualisierung des Bauvorhabens auf dem Kleinen Grasbrook.

Visualisierung des Bauvorhabens auf dem Kleinen Grasbrook.

Foto: Hosoya Schaefer Architects

Auf der 50 Hektar großen Fläche mitten im Hamburger Hafen soll künftig gewohnt, gearbeitet und gelebt werden. Großer Park in Planung.

Hamburg. Es geht voran: Der Senat hat am Dienstag die rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Voraussetzungen für die Planung und Entwicklung des neuen Stadtteils Grasbrook in Hamburg geschaffen. Auf einer 50 Hektar großen Fläche mitten im Hafen soll künftig gewohnt, gearbeitet und gelebt werden. In dem neuen Stadtteil sollen 3000 neue Wohnungen und mittelfristig bis zu 16.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Die Hafenwirtschaft muss sich verkleinern, erhält zum Umzug und zur Umstrukturierung ihrer Betriebe aber 120 Millionen Euro.

Der neue Stadtteil soll einen großen Park am Ufer der Norderelbe mit Promenaden und Plätzen erhalten, Kitas, Supermärkte, eine fünfzügige Grundschule und eine eigene U-Bahnanbindung. Dazu ist geplant, die Linie U4 von den Elbbrücken weiter Richtung Süden zu verlängern.

Grasbrook als "Trittstein" für den Sprung über die Elbe

"Der neue Stadtteil Grasbrook wird die Erneuerung von Hamburgs Elbufer fortführen und die HafenCity mit der Veddel verbinden", sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nach der Senatssitzung. "Gleichzeitig haben wir für die ansässigen Hafenunternehmen eine langfristige Perspektive für ihre Investitionen auf dem Grasbrook eröffnet."

Der Grasbrook werde ein weiterer "Trittstein" für den Sprung über die Elbe sagte Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD). An den Planungen seien sechs internationale Architekturbüros und sechs Landschaftsplanungsbüros beteiligt. Noch vor der Wahlen im Frühjahr 2020 soll die Bürgerschaft die notwendigen Drucksachen beschließen. Bereits 2024 könnte Baubeginn sein. Bis zur Fertigstellung wird aber einige Zeit vergehen: "Für so ein großes Projekt rechnet man 20 Jahre", sagte Stapelfeldt.

Edeka muss vom Nordufer des Grasbrooks nach Süden umziehen

Zuvor muss aber die Hafenwirtschaft Platz machen: Die Supermarktkette Edeka, die derzeit ein Lager auf dem Grasbrook hat, das sie zu einem Fruchtzentrum ausbauen will, muss vom Nordufer des Grasbrooks nach Süden umziehen. Die Autoverladung bei Unikai erhält anstatt der riesigen Stellflächen zur Lagerung der Fahrzeuge ein sechsgeschössiges Parkhaus. Auch zur Gefahrgutlagerung werden neue Flächen geschaffen.

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Um einen Konflikt zwischen Wohnen und Hafennutzung zu vermeiden, wird ein großer Riegel aus Gewerblichen Flächen zwischen den Hafenfirmen und den Wohnhäusern entstehen. Insgesamt wird der neue Stadtteil drei Quartiere erhalten: Das Moldauhafenquartier wird vorrangig zum Wohnen sein, das Freihafenelbquartier erhält teils Wohn- und teils Gewerbebgebäude. Das Hafentorquartier, das insbesondere als Emissionsschutz dient, wird rein zur Gewerbeansiedelung vorbereitet.

Glauben Sie, dass der Kleine Grasbrook ein attraktives Wohnquartier wird?

"Hamburg erhält einen neuen Stadtteil, der auch für Unternehmensansiedelungen mehr als attraktiv ist", sagte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos). "Wir sichern zudem den Hafenunternehmen ihren Standort. Sie erhalten eine langfristige Zukunftsperspektive."

FDP und Linke skeptisch

Die FDP-Bürgerschaftsfraktion begrüßt es zwar, dass der Senat "nun endlich für Klarheit auf dem Grasbrook" sorgt. "Unklar bleibt dabei, wie der Senat die Entwicklungskosten in dreistelliger Millionenhöhe stemmen möchte", sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Kruse. Denn im Haushalt sei das Geld nicht vorgesehen. "Ob diese Planung wirtschaftlich fundiert ist, werden wir in den parlamentarischen Beratungen genau überprüfen."

Auch die Linken-Bürgerschaftsfraktion zeigt sich kritisch. „Es ist gut zu sehen, dass der Hafen ungefährdet auch auf weniger Fläche existieren kann", sagte Heike Sudmann, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion. "Die spannende Frage ist, wofür genau der Senat nun 120 Millionen Euro ausgeben will." Auffällig an der heutigen Präsentation sei zudem das Fehlen eines positiven Bezugs auf den Stadtteil Veddel. Sudmann monierte, dass die HafenCity wie die Vorzeigetochter präsentiert werde, die Veddel hingegen wie ein ungeliebtes Stiefkind behandelt werde.