Asklepios

Darum machen wir eine Ausbildung zum Krankenpfleger!

Wir pflegen! Iwona Dorn, Moises Inacio, Theresa Skourup, Cassandra Korschke, Justine Valesca Junge.

Wir pflegen! Iwona Dorn, Moises Inacio, Theresa Skourup, Cassandra Korschke, Justine Valesca Junge.

Foto: Michaela Kuhn

140 Frauen und Männer starten bei Asklepios – vom Clown über die Fußspezialistin bis zur Abiturientin.

Hamburg. Ein letztes „Cheese“, dann war das obligatorische Gruppenbild zum Start der Ausbildung erledigt. 140 angehende Pflegekräfte versammelten sich im Atrium des AK Barmbek zum Fototermin. Und schon jetzt wissen sie: Wer bei der Stange bleibt, die Prüfung nach der dreijährigen Ausbildung besteht, wird sich seine Arbeitsstelle aussuchen können. Kaum ein Berufsstand ist so begehrt wie Krankenpfleger.

„Wir brauchen dringend weiteren qualifizierten Nachwuchs, um die Patienten auch künftig bestmöglich zu versorgen“, sagt Holger Graber, Betriebsleiter des Asklepios Bildungszentrums für Gesundheitsberufe. 1400 Menschen werden hier ausgebildet, vom Gesundheits- und Krankenpfleger über den Operationstechnischen Assistenten (OTA) bis zum Anästhesietechnischen Assistenten (ATA). Das Zentrum an der Eiffestraße in Hamm ist das größte seiner Art in Deutschland.

Viele Wege führen in den Pflegeberuf

Manche Auszubildenden sind deutlich älter als viele Lehrkräfte. Etwa der Brasilianer Moises Inacio. Mit Basecap und jungenhaftem Lächeln könnte er zwar auch als Anfang Dreißiger durchgehen, er ist aber bereits 51 Jahre alt. Sein Lebensweg zeigt, dass viele Wege in den Pflegeberuf führen. Der drahtige Mann brach die Ausbildung zum Clown im berühmten Cirque du Soleil nach sechs Monaten ab, zu sehr vermisste er im kanadischen Montreal die deutsche Sprache.

„Ich habe zuvor viel Geld und Zeit investiert, um Deutsch zu lernen“, sagt Inacio. In die Krankenpflege startet er mit zwei abgeschlossenen Berufsausbildungen – als Masseur und als Pflegeassistent. Doch gerade die Clownerie sieht er als besonders wichtig für seinen neuen Job: „Die Patienten lieben es, wenn jemand mit ihnen lacht.“

Junges Berufsbild Podologie

Auch Iwona Dorn zählt als gebürtige Polin zu den Auszubildenden mit internationalen Wurzeln, die angehenden Pflegekräfte kommen aus 27 Nationen. Sie lebte mit ihrem Mann zuletzt in England, als studierte Podologin kümmerte sie sich dort um die Pflege und Gesunderhaltung des Fußes. Jetzt zog das Paar zurück nach Hamburg, um wieder näher bei der Familie zu sein. Ihr Problem: Podologie ist in Deutschland noch ein junges Berufsbild, Iwona Dorn hätte hier zum Beispiel keine Wunden behandeln dürfen. Daher entschied sie sich für den Neustart in der Krankenpflege.

Justine Valesca Junge ist dagegen mit 17 Jahren noch so jung, dass sie die Erlaubnis ihrer Eltern brauchte, damit ihr Foto und ihr Name in der Zeitung stehen darf. Schon als kleines Kind begleitete sie in Berlin ihre Eltern bei Einsätzen in der ambulanten Altenpflege. Seit drei Jahren arbeitet sie in den Ferien ehrenamtlich in Camps für schwer erziehbare Jugendliche. „Ich möchte Menschen helfen“, sagt sie über ihre Motivation. Später möchte sie gern in die Kinderkrankenpflege.

Große Vielfalt

Auch Theresa Skourup (20) verbindet sehr persönliche Erfahrungen mit der Pflege. Im Alter von zwölf Jahren erfuhr sie beim Urlaub auf einem Ponyhof, dass ihre Mutter mit einer Herzkrankheit ins UKE eingeliefert worden war. „Ich wollte sofort den Urlaub abbrechen, um sie besuchen zu können.“ Eine Krankenschwester beruhigte sie: „Ich verspreche dir, wir bringen deine Mutter sicher und gesund nach Hause. Du kannst auf dem Ponyhof bleiben.“ An diesem Tag beschloss Theresa, dass sie auch Krankenschwester werden möchte. Mit dem Abitur in der Tasche realisiert sie jetzt diesen Berufswunsch.

Cassandra Korschke (18) könnte niemand verdenken, wenn sie einen großen Bogen um jedes Krankenhaus machen würde. Als Jugendliche war sie sehr krank, lag wochenlang in Kliniken. „Zwischen den Therapien kam ich mit Pflegekräften ins Gespräch. Die haben mir erzählt, was alles zu diesem Beruf dazugehört. Vom Kümmern um die Patienten über die Medikation bis zum Papierkram. Diese Vielfalt hat mich neugierig gemacht“, sagt die Abiturientin.

Fünf Absolventen mit Bestnoten

In den kommenden sieben Wochen steht vor allem Theorie auf dem Stundenplan, dann folgen die Einsätze auf den Stationen in den Asklepios-Häusern. Verdienen werden sie im ersten Ausbildungsjahr 1140,69 Euro im Monat, im zweiten Jahr 1202,07 Euro, im dritten Jahr 1303,38 Euro. Nicht alle werden es schaffen, gerade der theoretische Teil der Ausbildung gilt als anspruchsvoll. Graber hofft auf eine niedrige Abbrecher-Quote und ist stolz, dass aus dem Jahrgang, der im Oktober seine Prüfung abgelegt hat, fünf Absolventen für ihre Bestnoten ausgezeichnet wurden.

In gewisser Weise verdient der gesamte Jahrgang das Prädikat historisch. Er ist der letzte, der nach der klassischen Krankenpflege-Ausbildung den Beruf lernt. Das nächste Team absolviert die sogenannte generalistische Ausbildung, die künftig Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege vereint.