Hamburg

Daniel Wischer geht in Hamburg an die Börse

In die Wertpapierbörse am Rathaus zieht Daniel Wischer ein.

In die Wertpapierbörse am Rathaus zieht Daniel Wischer ein.

Foto: Roland Magunia

Viele Flächen in den Stadthöfen und am Alten Wall sind noch nicht vermietet: Wischer aber zieht in die "Hanseatische Wertpapierbörse".

Hamburg.  Es ist ein Standort im Herzen der Innenstadt, direkt am Rathausmarkt. „Die altehrwürdige Hanseatische Wertpapierbörse Hamburg“ – so ist es auch auf goldenen Lettern an der Fassade des Altbaus zu lesen – hat hier ihren Sitz und ist Eigentümerin des Gebäudes. An der Kleinen Johannisstraße 4 wird zurzeit die ehemalige Haspa-Filiale umgebaut. Die Fläche war auch einmal als Standort für eine Tourismusinformation im Gespräch. Doch das hat sich zerschlagen. Einzelhandel zieht hier nicht ein, sondern Gastronomie. Nach Abendblatt-Informationen wird dort 2020 Daniel Wischer ein Restaurant auf rund 560 Quadratmetern eröffnen.

Daniel Wischer ist ein Traditionsunternehmen: Bereits 1924 wurde die erste Fischbratküche eröffnet. Heute gibt es ein Bistro im Hauptbahnhof und zwei Restaurants, die vor allem für ihren Backfisch berühmt sind, in der Hansestadt. Eines liegt an der Steinstraße, das andere an der Großen Johannisstraße, nur wenige Meter von dem neuen Standort entfernt. Ob dieses Restaurant schließt, wenn die ehemalige Bankfiliale bezogen wird, ist nicht bekannt.

In der Hamburger Innenstadt ist einiges in Bewegung

Auf eine Abendblatt-Anfrage reagierte Daniel-Wischer-Inhaber Dieter Kasischke nicht. Vermittelt hat den Deal der Immobiliendienstleister Grossmann &­ Berger. Dort wollte eine Sprecherin auf Anfrage keine Stellung nehmen; es wurde offensichtlich Stillschweigen vereinbart. Die Eröffnung soll für November 2020 geplant sein.

In der Hamburger Innenstadt ist einiges in Bewegung; manche Standorte funktionieren allerdings deutlich besser als andere. Vor Kurzem hat die Porzellan-Manufaktur Meissen ihren Shop in den Alsterarkaden geschlossen. Wenige Meter weiter in der Mellin-Passage gibt der Arka-Teepavillon auf. Auf der Nobeleinkaufsmeile Neuer Wall stehen Läden leer. Aber es gibt eine positive Nachricht: Die 850 Quadratmeter große frühere Fläche des Wäschehauses Möhring im Eckgebäude an der Schleusenbrücke wurde an die Modekette Benetton vermietet.

Geheimnis um Alten Wall

Ein Geheimnis machte der Projektentwickler Art-Invest Real Estate bislang um die Mieter der Einzelhandels- und Gastronomieflächen im revitalisierten Gebäudekomplex der Vereins- und Westbank am Alten Wall. Nun wurde mit Ladage & Oelke der erste Mieter bekannt gegeben. Der Herrenausstatter, der vor Kurzem vom Neuen Wall an die Großen Bleichen umgezogen war, feiert im kommenden Jahr 175. Jubiläum, und dann soll auch die neue rund 780 Quadratmeter große Fläche bezogen werden.

„Weitere tolle Einzelhandelsmieter werden wir in den nächsten Wochen kommunizieren“, kündigte Art-Invest-Niederlassungsleiter Johannes Lichten­thaler an. Innerhalb des Objekts war auch das Bucerius Kunst Forum umgezogen. Die ersten Läden sollen Mitte 2020 eröffnen. Insgesamt sind dort 15 Shops und Gastronomie auf insgesamt mehr als 10.000 Quadratmetern geplant. Während die Büroflächen mit Rathaus- und Fleetblick bereits voll vermietet und weitgehend bezogen sind, werden dem Vernehmen nach für Einzelhandel und Gastronomie noch Mieter gesucht.

Fitness, Uhren, Burger und Pizza in den Stadthöfen

Das gilt auch für die Stadthöfe, die nur wenige Hundert Meter entfernt liegen und ein Mix aus Hotel, Einkaufsquartier, Büros (die alle vermietet sind) und Gas­tronomie bieten sollen. So steht die größte Fläche leer, und es soll noch keine Entscheidung über das „finale Konzept“ geben. Das ist die ehemalige Wagenhalle der Stadtentwicklungsbehörde, die rund 850 Quadratmeter groß ist.

Aber einige Flächen sind bereits belegt: Das Modelabel Anine Bing aus New York hat eröffnet, auch der Uhrenladen QlockTwo und das Edel-Fitnessstudio Elbgym. Ein neuer gastronomischer Hotspot der Stadt wird der Bleichenhof, der auch zu dem Gebäudeensemble gehört. Noch in diesem Jahr sollen dort das Burgerlokal Peter Pane und das Weinbistro La Tavola Calda eröffnen. Weitere Mieter sind die „Extrawurst“ und Dean & David. Gastronom Dirk Block baut die Fläche am Fleet mit großer Terrasse zu einer L’Osteria – die Kette ist auf Pizza spezialisiert – um und wird kommendes Jahr an den Markt gehen.

Zukunft der Hamburger City

Aber wie steht es um die Zukunft der Hamburger City? „Wir haben in der Innenstadt aktuell keinen Bedarf mehr an neuen Einzelhandelsflächen. Deshalb ist es sicherlich auch eine Herausforderung, für den Alten Wall Mieter zu finden. Das wird nur dann funktionieren, wenn man den Interessenten mit der Miete entgegenkommt“, sagte Peter Maßmann, Geschäftsführer von Maßmann & Co. Handelsimmobilien. Der Branchenexperte ist der Ansicht: „Die Stadthöfe sind kein Standort für den klassischen Einzelhandel und es fehlt auch einfach die Laufkundschaft.

Deshalb wird es hier eher temporäre Pop-up-Stores geben oder die Flächen werden für Ausstellungen genutzt. Nur: Damit sind natürlich auch keine hohen Mieten zu erzielen.“ Der Projektentwickler sagte weiter: „Im Kern der Innenstadt in den 1-A-Lagen wie der Mönckebergstraße wird es auch in zehn Jahren, trotz immer mehr Onlinehandel, keine nennenswerten Leerstände geben. Aber der Einzelhandel wird sich gesund schrumpfen. Das heißt: Im Erdgeschoss wird es weiterhin Geschäfte geben, aber die Ladenflächen im ersten oder zweiten Stock werden zu Büros umgewandelt und vielleicht sogar zu Wohnraum.“