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Frauenanteil – so weiblich ist Hamburgs Verwaltung

Der Frauenanteil in der Verwaltung – hier Nachwuchskräfte bei der Vereidigung im Rathaus – steigt.

Der Frauenanteil in der Verwaltung – hier Nachwuchskräfte bei der Vereidigung im Rathaus – steigt.

Foto: Klaus Bodig / HA

Der neue Personalbericht zeigt: 55,9 Prozent der städtischen Mitarbeiter sind Frauen. Die Tendenz ist steigend.

Hamburg.  Es gab Jahre, da hatte jeder Personalbericht des Senats politische Sprengkraft. Nachdem Olaf Scholz (SPD) 2011 als Bürgermeister mit der Ansage angetreten war, in der Kernverwaltung 250 Stellen pro Jahr abzubauen, um so die teuren Versprechen wie kostenlose Kinderbetreuung und gebührenfreie Unis zu finanzieren, wachte vor allem die Opposition mit Argusaugen über die Einhaltung dieser Ziele. Jede neue Zahl löste einen Kampf um die Deutungshoheit aus.

Vor einigen Jahren wurde das Konzept dann schleichend fallen gelassen – der starke Zuzug nach Hamburg, der große Bedarf an Lehrern infolge der Verkleinerung der Klassen, an Betreuerinnen in Kitas und an Mitarbeitern in der Flüchtlingshilfe war einfach zu groß, um personell dagegen ansparen zu können. Als Staatsrat Jan Pörksen, Chef der Senatskanzlei, am Dienstag im Rathaus den Personalbericht 2019 vorstellte, war die Spannung daher nicht ganz so groß wie in früheren Jahren. Dennoch berichtete er über interessante Entwicklungen.


Mehr Mitarbeiter:
Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse ist von Ende 2017 bis Ende 2018 um 1256 auf 84.059 angestiegen. Zieht man davon die Azubis, befristet Beschäftigte und solche ab, die zum Beispiel gerade ein Sabbatjahr nehmen, bleiben gut 71.000 Beschäftigungsverhältnisse (der sogenannte statistische Personalbestand). In Vollzeitkräfte umgerechnet sind das 62.304, ein Zuwachs um 842 Vollkräfte gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: 2011, als Scholz angetreten war, hatte die Stadt gut 58.000 Vollzeitkräfte. Pörksen verwies allerdings auf eine andere Statistik, die auch das Wachstum der Stadt mit einbezieht: Demnach gab es 2011 genau 34,1 Mitarbeiter pro 1000 Einwohner, während es heute nur 33,8 sind. Zwischenzeitlich war dieser Wert auf 33,5 gesunken.


Wo die neuen Mitarbeiter arbeiten: Der Aufwuchs geht vor allem auf drei Bereiche zurück. Die Schulbehörde hat 428 Vollkräfte mehr (330 Lehrer und 60 Sozialpädagogen), die Bezirke 145 und die Justizbehörde 130 für Gerichte, Staatsanwaltschaft und Justizvollzug. Auch die Innenbehörde (Polizei) mit 65 zusätzlichen Stellen sowie die Hochschulen (plus 50) sind gewachsen. Aufgrund der rückläufigen Flüchtlingszahlen seien im Gegenzug Personal beim Einwohnerzentralamt und im Landesbetrieb Erziehung und Beratung abgebaut worden, so der Senat – nähere Zahlen nennt er dazu aber nicht.


Hoher Frauenanteil: Bezogen auf die 71.000 Beschäftigten ist der Frauenanteil in der Verwaltung von 55,7 auf 55,9 Prozent gestiegen. In den Führungspositionen sind sie zwar immer noch unterrepräsentiert, aber ihr Anteil steigt stark. 2017 sei bei den Führungspositionen der Frauenanteil erstmals über 40 Prozent geklettert, heißt es im Personalbericht. Und in den hohen Besoldungsgruppen B2 bis B6 ist der Frauenanteil, der 2013 noch bei 17,2 Prozent lag, mittlerweile auf 29,3 Prozent angestiegen. Pörksen: „Wir können noch weitermachen, aber wir sind schon gut vorangekommen.“


Jeder Dritte arbeitet in Teilzeit: Während 50,3 Prozent der Frauen in Teilzeit arbeiten (Vorjahr: 50,1), sind es bei den Männern nur 15,2 Prozent (2017: 14,2). Insgesamt hat mehr als jeder dritte Beschäftigte (34,8 Prozent, 0,3 Punkte mehr als im Vorjahr) einen Teilzeit-Job.


Mehr Migranten: Als der Senat 2006 damit begann, Migranten für die Verwaltung zu begeistern, hatten nur gut fünf Prozent der neu eingestellten Mitarbeiter einen Migrationshintergrund – 2018 waren es schon knapp 20 Prozent. Auf alle Beschäftigten bezogen, haben 13,9 Prozent einen Migrationshintergrund.


Verjüngung:
Das Durchschnittsalter der Beschäftigten in der Verwaltung liegt zwar unverändert bei knapp 46 Jahren. Aber der Anteil der Mitarbeiter unter 30 Jahren ist bereits von 8,7 auf 8,9 Prozent gestiegen. Das wird sich fortsetzen, denn bis 2026 wird gut ein Viertel der Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden – im Gesundheitsbereich, bei technischen Berufen sowie im Justiz- und Polizeidienst sogar mehr als 30 Prozent – und durch jüngere Mitarbeiter ersetzt.


Ausbildung: Der Senat hat auf die erwartbaren Abgänge schon lange mit einer Vergrößerung der Ausbildungs­kapazitäten reagiert. Wurden 2011 nur rund 650 Azubis eingestellt, waren es 2018 schon fast 1500. Insgesamt beschäftigte die Stadt 4829 Auszubildende (Vorjahr: 4297). Vor allem Polizei, Justiz und Feuerwehr bilden derzeit massiv aus.


Gesuchte Berufe: Von 3600 ausgeschriebenen Stellen konnte die Stadt 2018 nur 80 Prozent besetzen. Gesucht würden vor allem IT-Spezialisten, Sozialpädagogen, Architekten und Bauingenieure sowie Fachkräfte in Gesundheitsberufen, sagte Pörksen.


Kosten: Die Ausgaben für die Kernverwaltung – das ist nur der größte Teilbereich des Personalbestands – lagen 2018 bei gut 5,3 Milliarden Euro – 300 Millionen mehr als 2016. Für 2019 wird mit 5,6 Milliarden Euro kalkuliert – ein gutes Drittel der Gesamtausgaben der Stadt.


Kritik: Einzig die FDP äußerte sich am Dienstag zu dem Bericht und kritisierte, dass der Personalbestand seit 2007 um 15 Prozent gestiegen sei und damit stärker als die Einwohnerzahl. „Personalkosten sind langfristige Kosten, die sich in wirtschaftlich schlechteren Zeiten nicht einfach einsparen lassen“, sagte die Haushaltsexpertin der Fraktion, Jennyfer Dutschke. Der rot-grüne Senat müsse dafür sorgen, dass die Bürger von dem Mehr an Personal auch in Form von besserer Qualität profitieren.