Hamburg

Überfüllte Fähren: Finkenwerder kämpfen für neue "Linie 62d"

Hamburger Hafen: Eine Hadag-Fähre auf der Elbe. Immer häufiger sind die Schiffe überfüllt.

Hamburger Hafen: Eine Hadag-Fähre auf der Elbe. Immer häufiger sind die Schiffe überfüllt.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Initiative schlägt Direktlinie zu den Landungsbrücken vor. Alle Passagiere sollen auf Finkenwerder aussteigen.

Hamburg. Nach dem Abendblatt-Bericht über immer mehr überfüllte Fähren im Hamburger Hafen wächst der Druck auf die Hadag: Im besonders stark von den Problemen betroffenen Stadtteil Finkenwerder hat sich eine Initiative gegründet, die für eine Verbesserung der Verbindung für Pendler, insbesondere auf der Linie 62, kämpft.

Das Fährangebot habe sich im Laufe des Sommers immer weiter verschlechtert, sagte Christina Röder von der Initiative Forum Fähre Finkenwerder dem Abendblatt. Auf den großen Andrang durch die Touristen und die langen Zeiten für die Ein- und Ausstiege habe die Hadag nicht etwa mit zusätzlichen Kapazitäten, sondern zwischen Finkenwerder und den Landungsbrücken mit einer Verlängerung der Fahrzeit um acht Minuten reagiert. "Das ist für Touristen zumutbar, für uns Pendler aber nicht", so Röder. Darüber hinaus seien "aus betriebsbedingten Gründen" außerordentlich viele Fähren ersatzlos ausgefallen.

Fast 2000-mal Fahrgäste stehen gelassen

Laut der eigenen Statistik der Hadag mussten in diesem Jahr bereits in 1962 Fällen Fahrgäste von den Kapitänen der Hadag-Fähren an Land zurückgelassen werden, weil die maximale Kapazität von in der Regel 250 Passagieren erreicht war. Im Jahr 2017 hingegen lag die Zahl der sogenannten Besetztmeldungen lediglich bei 757 bis Mitte Oktober. In 2018 schnellte sie bereits auf 1509 in die Höhe – fast eine Verdopplung.

Die Initiative Forum Fähre Finkenwerder hat eine Reihe von Vorschlägen erarbeitet, die nach den Angaben von Christina Röder auch schon mit Hadag-Vorstand Tobias Haack diskutiert wurden.

  • Neben der "normalen" Linie 62 schlägt die Initiative eine neue Direktlinie für Berufspendler namens 62d vor, die ebenfalls zwischen Finkenwerder und den Landungsbrücken verkehrt, aber nur noch einmal zusätzlich in Neumühlen hält. Dadurch soll sich die Fahrzeit auf maximal 20 Minuten verkürzen. Die bisherige Linie 62 hält auch noch an den Stationen Bubendey-Ufer, Dockland und Altona (Fischmarkt). Die Fahrzeit liegt bei knapp 30 Minuten.
  • Der Spätverkehr nach Finkenwerder soll ausgebaut werden. Insbesondere wünschen sich die Pendler aus dem Stadtteil, dass die Linie 62 ganzjährig auch nach 22.45 Uhr halbstündlich verkehrt und der Viertelstundentakt bis 22.15 Uhr auf das ganze Jahr ausgedehnt wird.
  • Ein durchaus umstrittener Vorschlag dürfte eine Veränderung der Ein- und Ausstiege am Anleger Finkenwerder sein. So fordert die Initiative, dass alle Fahrgäste der Linie 62 in Finkenwerder zunächst aussteigen müssen. Damit soll sichergestellt werden, dass am Startpunkt auch alle Passagiere mitkommen, die gerade am Anleger auf die Fähre warten. Im Augenblick nutzen viele Ausflügler die Linie als eine Art günstige Hafenrundfahrt und bleiben in Finkenwerder einfach an Bord. Wer dann an Land wartet, hat das Nachsehen.
  • Neue Zugangsgitter und Schranken im Einstiegsbereich sollen Radfahrer und Fußgänger besser beim Einstieg auf die Fähren trennen und so für klare Regeln auf dem Ponton und mehr Sicherheit sorgen. Es soll auch einen bevorzugten Zugang für Mütter oder Väter mit Kleinkindern geben.
  • Ausfälle oder Verspätungen von Fähren sollen direkt auf den Anzeigetafeln am Anleger zu sehen sein.
  • Auf der Linie 62 sollen nach Wunsch des Forums ausschließlich die großen Hadag-Fähren verkehren, die unter den Pendlern aufgrund ihrer Form auch "Bügeleisen"-Modelle genannt werden. Sie haben eine größere Kapazität als die kleineren Schiffe.
  • Verbesserung der Buslinien
  • Optimierung der Fährverbindung zwischen Cranz und Blankenese

Die Initiative hatte sich bereits im Februar nach einer Bürgersprechstunde mit Hadag-Chef Tobias Haack gegründet. "Wir waren danach sehr unzufrieden", sagte Melanie Sandrock von der Initiative Forum Fähre Finkenwerder dem Abendblatt. Zwölf Personen, alle Pendler und überwiegend aus Finkenwerder, hätten sich daraufhin zusammengeschlossen, um die Problemfelder der Fährverbindungen zu erörtern und publik zu machen. "Wir leiden täglich darunter", so Sandrock.

Hadag-Chef Haack äußert sich zu Forderungen

„Wir stehen mit der Initiative und den Finkenwerdern in stetem Austausch und sind gewillt Feedback aufzunehmen", sagte Hadag-Chef Tobias Haack auf Abendblatt-Anfrage. „Wir sind bereits in Gesprächen mit den zuständigen Behörden und der Politik und überlegen, welche Maßnahmen die sinnvollsten sind.“

Der Unternehmenschef hält eine Taktverdichtung für eine bessere Lösung als eine Direktverbindung, da diese ebenfalls überfüllt sein würde und somit das Problem nicht beseitige. Zu der Forderung der Initiative, in Finkenwerder einen Zwangsausstieg einzurichten, äußerte sich Haack positiv: "Wir bemühen uns darum." Dafür müsste jedoch die Infrastruktur in Finkenwerder verbessert und eine zweite Zugangsbrücke gebaut werden.

Um eine Taktverdichtung zu erreichen würden zudem mehr Schiffe benötigt, so der Hadag-Chef. "Eine Konzeptstudie läuft bereits. Wir sind sehr an neuen Schiffen interessiert, brauchen aber das Geld vom Senat.“ Beim nächsten Fahrplanwechsel im Dezember soll es sonnabends um 23.15 Uhr eine zusätzliche Fahrt nach Finkenwerder geben. Unter der Woche sei das aus betrieblichen Gründen nicht möglich.