Warnstreik

Flughafen Hamburg: Jeder dritte Eurowings-Flug ausgefallen

Bei einem erneuten Streik drohen massive Flugausfälle in Hamburg wie hier im Januar (Archivbild).

Bei einem erneuten Streik drohen massive Flugausfälle in Hamburg wie hier im Januar (Archivbild).

Foto: Andreas Laible / HA

Warnstreik der Flugbegleiter trifft Lufthansa-Tochter hart. Ein Ehepaar aus dem Norden soll erst mit 32 Stunden Verspätung landen.

Hamburg. 13 Tage in der Sonne Andalusiens hatte das Ehepaar Gerkens* verbracht. Am Sonntag um 6.55 Uhr wurde es wie geplant von seinem Hotel im Badeort Conil abgeholt und mit dem Bus zum Flughafen nach Jerez de la Frontera gebracht. Dort war plötzlich nichts wie erwartet. „Es ging ein bisschen sehr wild zu“, sagt Herbert Gerkens. Eine Mitarbeiterin ihres Reiseveranstalters habe den Schleswig-Holsteinern Zettel in die Hand gedrückt, dass ihr Rückflug am Vormittag gen Hamburg Airport ausfalle und sie sich selbst um Ersatz kümmern müssen.

Das Ehepaar sollte mit Eurowings aus Spanien zurückkehren. Doch die Billigtochter der Lufthansa strich kurzerhand die Verbindung von Jerez nach Fuhlsbüttel – laut Aussage der Gerkens, ohne sie zu informieren. Die Flugbegleitergewerkschaft UFO hatte das Kabinenpersonal von Eurowings am Sonntag zunächst von 5 bis 11 Uhr zum Warnstreik aufgerufen. Um 5.53 Uhr verkündete UFO dann, die Arbeitskampfmaßnahmen um 13 Stunden bis 24 Uhr auszudehnen.

Haben Sie Verständnis für die Streiks der Flugbegleiter?

Hatten sich die betroffenen Airlines – neben Eurowings wurden auch die Lufthansa-Töchter Germanwings, Lufthansa Cityline und Sunexpress Deutschland bestreikt, aber nicht die Lufthansa selbst – am Sonnabend noch optimistisch gezeigt, alle Flüge wie geplant durchführen zu können, ergab sich am Sonntag ein anderes Bild.

Bei UFO trat der Vorstand zurück

„Aufgrund der heute Morgen extrem kurzfristig erfolgten, massiven Streikverlängerung der UFO waren vereinzelte Flugstreichungen und Verspätungen nicht zu vermeiden“, sagte ein Unternehmenssprecher auf Abendblatt-Anfrage. Das lässt die Vermutung zu, dass die Fluglinie den Mobilisierungsgrad der angeschlagenen Gewerkschaft etwas unterschätzte. Bei UFO war im Frühjahr nach internen Querelen der gesamte Vorstand zurückgetreten. Inzwischen wurde ein neuen Vorstand eingesetzt und ins Vereinsregister eingetragen. Der Lufthansa-Konzern moniert, die UFO-Führung sei nicht satzungsgemäß gewählt worden und weigert sich, Kündigungen von Tarifverträgen zu akzeptieren und mit UFO zu verhandeln.

„Die vollmundigen Ankündigungen der Lufthansa, alle Flüge stattfinden zu lassen, sind einfach nicht eingetreten“, sagte der stellvertretende UFO-Vorsitzende Daniel Flohr. Die Kranich-Linie selbst hatte am Freitag für die Flugbegleiter die Löhne überraschend um zwei Prozent erhöht und damit die Forderung von 1,8 Prozent übertroffen. Daraufhin hatte UFO den angekündigten Streik für Sonntag bei der Lufthansa gestrichen. Am Sonnabend kündigte sie allerdings an, dass nun auch dort wieder Streiks möglich seien, weil der Konzern weiterhin nicht mit ihr verhandeln wolle.

Wurden Streikbrecher geködert?

Flohr beschuldigte das Management zudem, Streikbrecher mit bis zu 200 Euro Extra-Prämien geködert zu haben. Ein Eurowings-Sprecher erklärte, dass nur tarifvertraglich fest vereinbarte Zuschläge gezahlt würden. Diese würden immer fällig, wenn Flugbegleiter sich an freien Tagen freiwillig meldeten. Die Auswirkungen der aus Sicht des Konzerns rechtswidrigen Warnstreiks hielten sich in Grenzen, hieß es bei Eurowings: „Mehr als 90 Prozent der Crews sind pünktlich zum Dienst erschienen.“

Am Hamburger Flughafen sah die Situation jedoch deutlich anders aus. Insgesamt strich Eurowings von jeweils geplanten 55 Ankünfte und Abflügen jeweils 18. Abgesagt wurde also etwa jede dritte Verbindung, darunter in ausländische Städte wie Jerez, Neapel, Salzburg, Amsterdam und Zürich, aber vor allem innerhalb Deutschlands nach Köln/Bonn, Düsseldorf, Stuttgart, Nürnberg und München. Auf diesen (verhältnismäßig kurzen) Strecken können betroffene Fluggäste noch am besten alternativ zu ihrem Ziel kommen – nämlich auf der Schiene. „Für betroffene Passagiere besteht generell die Möglichkeit, das Flugticket in einen Zugfahrschein der Deutschen Bahn umzuwandeln“, sagte der Eurowings-Sprecher. Die Sunexpress-Routen gen und von der Türkei wurden in Fuhlsbüttel planmäßig bedient. Generell laufe alles normal und ruhig, sagte eine Sprecherin von Hamburg Airport. Am Montag sollte sich der Flugplan weitgehend reguliert haben.

100 Starts in Deutschland gestrichen

Wie viele Flüge insgesamt ausfielen, teilten weder Eurowings noch Lufthansa mit. Zu den Gesamtauswirkungen könne man erst „nach Ablauf des Streikfensters Auskunft geben“, hieß es. Laut einer Auswertung der Nachrichtenagentur dpa sollen es rund 100 Starts in Deutschland gewesen sein.

Das in Jerez gestrandete Ehepaar Gerkens organisierte unterdessen auf eigene Faust den Rückflug. Am Nachmittag saßen die beiden Anfang 60-Jährigen zusammen mit einem anderen Ehepaar im Taxi auf dem knapp 300 Kilometer langen Weg nach Faro in Portugal. Der Reiseveranstalter habe dort bereits ein Hotelzimmer für sie gebucht haben, hieß es. Am heutigen Montag sollen sie um 15.30 Uhr mit Lufthansa über Frankfurt nach Hamburg fliegen. Avisierte Ankunft in Fuhlsbüttel: 21.35 Uhr – 32 Stunden nach der geplanten Rückkehr. Die Zusatzkosten für das Ehepaar: 1000 Euro für die Flüge, 214 Euro für die Taxifahrt. Herbert Gerkens nahm es mit Humor: „Wir haben uns generell gut erholt, sind gesund. Wenn jetzt noch die Erstattung funktioniert, ist alles gut.“ (mit dpa, rtr)

* Name von der Redaktion geändert