Hamburg

Schulausflug mit der Bahn ist plötzlich 700 Euro teurer

Deutsche Bahn: Für ein Gruppenticket sollte eine Hamburgerin 700 Euro mehr zahlen als bei einer Kleingruppenbuchung – für die gleiche Leistung.

Deutsche Bahn: Für ein Gruppenticket sollte eine Hamburgerin 700 Euro mehr zahlen als bei einer Kleingruppenbuchung – für die gleiche Leistung.

Foto: picture alliance / Geisler-Fotop

Hamburger Sonderschüler wollten in den Schwarzwald fahren – auf einmal sollten sie fast das Doppelte des üblichen Preises zahlen.

Hamburg. Einmal im Jahr fährt Birgit Iwe mit einer Gruppe von Kindern der Sonderschule Elfenwiese in den Schwarzwald. Die Reise bucht die Hamburgerin für gewöhnlich telefonisch über das Servicecenter der Deutschen Bahn. So auch in diesem Oktober. Als die 56-Jährige am Dienstag telefonisch die Gruppenreise von Hamburg nach Freiburg buchen wollte, erlebte sie jedoch eine große Überraschung: Für ein Gruppenticket sollte sie 700 Euro mehr zahlen als bei einer Kleingruppenbuchung – für die gleiche Leistung.

Beim speziell für die Buchung von Gruppenreisen eingerichteten Telefonservice der Bahn wurde der Physiotherapeutin für die Hin- und Rückfahrt von im Februar 2020 für eine Gruppe von 18 zahlenden Personen (sieben Kinder und elf Betreuer) ein Ticket-Gesamtpreis von rund 1560 Euro genannt. Birgit Iwe zahlte, wunderte sich jedoch über die enorme Preissteigerung, denn im Jahr zuvor habe sie für dasselbe Ticket 1200 Euro, im Jahr 2017 sogar nur 600 Euro gezahlt.

Private Buchung günstiger als Telefonservice

Als sie daraufhin den Buchungsvorgang am heimischen PC ausprobierte, war sie geschockt: Bei einer Buchung der Reise in Kleingruppen á fünf Personen waren die Tickets nach Freiburg für einen Gesamtbetrag von rund 850 Euro zu haben – rund 700 Euro weniger als bei der telefonischen Buchung.

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Am nächsten Tag erkundigte sich Iwe bei einem Mitarbeiter am Schalter, was das Ticket dort kostet. Wieder wurde ihr der ursprüngliche Preis von 1560 Euro genannt. „Ich habe dann explizit nach der Buchung in Gruppen von fünf Personen gefragt“, so die Hamburgerin. Eine halbe Stunde später habe ihr der Mitarbeiter schließlich den von ihr recherchierten Betrag von 850 Euro für die Fahrt genannt. „Ich habe das günstige Ticket dann gekauft und das teure zurückgegeben“, erzählt die 56-Jährige. Die günstigen Tickets seien lediglich nicht stornierbar.

Bahn nicht an großen Gruppenreisen interessiert

Zu der Frage, ob die Bahn nicht mehr an großen Gruppenreisen interessiert sei, wie ein Mitarbeiter am Schalter gegenüber Birgit Iwe geäußert habe, sagte eine Sprecherin des Unternehmens auf Abendblatt-Anfrage: „Die Buchung von Gruppenreisen für mehr als 60 Personen wurde nicht so stark nachgefragt. Daher bieten wir jetzt kleineren Gruppen mit den Super Sparpreisen ein noch günstigeres Angebot an.“

Doch warum die Kundin nicht auf die günstigeren Einzelbuchungen hingewiesen wurde, bleibt in der Aussage der Bahn-Sprecherin unklar: „Bei den gebuchten Einzelfahrkarten bis fünf Personen kann es sich um günstige Angebote handeln, die zur Auslastung der Züge bereitgestellt wurden.“

Kunde müsse auf Vorteile verzichten

Bei Kleingruppentickets müsste der Kunde im Vergleich zur Buchung einer Gruppenreise auf einige Vorteile verzichten, begründet die Sprecherin die niedrigeren Kosten. Das seien unter anderem inkludierte Sitzplatzreservierungen, die Möglichkeit einer Anzahlung und je nach Tarif auch einer Stornierung. Für Iwe rechtfertigt das den Preisunterschied nicht. „Die Vorteile habe ich bis auf die Stornierungsbedingungen auch so“, sagt sie und fügt hinzu: „Unsere Sitzplätze sind jetzt sogar besser als sie es auf dem Gruppenticket waren.“