Modernisierung

Erste Eindrücke der neuen S-Bahn-Station Landungsbrücken

Noch ist der City-Tunnel gesperrt: Arbeiter montieren am S-Bahnhof Landungsbrücken eine Videowand.

Noch ist der City-Tunnel gesperrt: Arbeiter montieren am S-Bahnhof Landungsbrücken eine Videowand.

Foto: Daniel Bockwoldt / picture alliance/dpa

Sperrung des City-Tunnels wird aufgehoben. Bahnhöfe in der Innenstadt sind von kommender Woche an wieder erreichbar.

Hamburg. Noch sieht es im Tunnel der S-Bahnstation Landungsbrücken schwer nach Arbeit aus. Bauarbeiter schleppen Holz-Bretter durch die Gegend und passen Kacheln in den Treppenaufgängen ein. Überall liegen Gerüste, Holz-Pfähle und Werkzeug herum, es wird gehämmert und gesägt. Auf den Bahnsteigen stapeln sich die Paneele für die neue Wandbekleidung in dem Tunnel. Passend zur Lage der Station direkt an der Elbe ist sie in einem angenehmen maritimem Blauton gehalten.

Wer den zähen Fortschritt auf manchen oberirdischen Straßenbaustellen sieht, stellt sich unweigerlich nur eine Frage: Wird die Bahn ihr Versprechen, die Bauarbeiten bis kommenden Sonntag abzuschließen, wirklich einhalten können? Zurzeit bringt das Unternehmen nicht nur seine Anlage an den Landungsbrücken auf Vordermann, seit Anfang der Herbstferien hübscht es parallel vier weitere unterirdische Stationen im sogenannten City-Tunnel auf.

City-Tunnel: Modernisierung der S-Bahnstationen

Klappt das bis Sonntag? „Das klappt“, sagt Andreas Nowatzky. Er verantwortet die Modernisierung der S-Bahn-Tunnelbahnhöfe in Hamburg. „Pünktlich um vier Uhr am Montagmorgen werden alle von der Sperrung betroffenen Stationen wieder bedient.“ Nowatzky klingt nicht so, als hege er auch nur den leisesten Zweifel, dass es anders kommen könnte.

Seit dem 3. Oktober modernisiert die Deutsche Bahn fünf ihrer zehn unterirdischen Hamburger S-Bahn-Stationen: Landungsbrücken, Königstraße, Hauptbahnhof (Gleis 1 und 2), Jungfernstieg und Stadthausbrücke. Der City-Tunnel zwischen Altona und Hauptbahnhof musste deshalb komplett gesperrt werden. Um die Auswirkungen zu begrenzen, hat die Bahn die Sanierung zwar in die fahrgastschwächeren Herbstferien verlegt. Unannehmlichkeiten brachte und bringt das ambitionierte Großprojekt dennoch mit sich – so verlängern sich die Fahrtzeiten im Ersatzverkehr aktuell noch um bis zu 20 Minuten.

Nachts rollen die Materialien in die Station Landungsbrücken

Gestern hat die Bahn den Fortgang der Bauarbeiten an den Landungsbrücken vorgestellt. Um den Zeitplan einzuhalten, werde hier in zwei Schichten gearbeitet, sagt Projektleiter Nowatzky. Nachts rollen die Bauzüge mit den benötigten Materialien in die Station ein, abends wird der Bauschutt mit den Zügen fortgekarrt.

Allein an den Landungsbrücken sind rund 100 Bauarbeiter im Einsatz, viele von ihnen kommen aus Süddeutschland. Bei der Auswahl der Bau- und Handwerksbetriebe habe die Bahn ihr Augenmerk auf spezialisierte Kräfte gelegt. „Mit großen Kolonnen können wir hier nicht arbeiten, da teilweise hochwertige Materialien verarbeitet werden“, sagt Nowatzky. Er betont: „Hier muss jeder Handgriff sitzen.“

Schönheitskur im City-Tunnel: Wellenmotiv zieht sich durch Station

Als markantes Element der unterirdischen Schönheitskur sticht im Landungsbrücken-Tunnel künftig die neue Wandbekleidung hervor, nur noch wenige Teile fehlen, dann ist sie fertig. Vom kommenden Montag an zieren auf 1300 Quadratmetern blaue Paneele mit schwarzen und blauen Wellen-Motiven die Hintergleis-Wände der Station.

Gestaltet hat sie Florian Balze, ein freischaffender Künstler, der auch schon das Design der orangefarbigen Wandbekleidung im S-Bahnhof Altona entworfen hat. An den Landungsbrücken schmücken zusätzlich rote Fliesen die Treppenaufgänge. In einem weiteren Schritt sollen bis Ende des Jahres die Stützpfeiler in dem Tunnel mit Emaille-Paneelen verkleidet und 2020 mit Lichtstreifen optisch noch weiter aufgewertet werden.

Sanierungsprojekt startete Ende 2016

Seit Ende 2016 treibt die Deutsche Bahn die Sanierung ihrer zehn Tunnelstationen voran, den Anfang machte im März 2017 der Jungfernstieg. Das Großprojekt dient vor allem einen Zweck: die bestehenden Anlagen zu verschönern und damit für die Kundschaft attraktiver zu gestalten. Allein in den Bahnhöfen Jungfernstieg und Stadthausbrücke hat das Unternehmen vor zwei Jahren den Bodenbelag auf einer Fläche von 5500 Quadratmetern ausgetauscht.

In der aktuellen Bauphase ersetzt die Bahn am Jungfernstieg einen DB-ServiceStore durch einen Neubau. Die Stadthausbrücke auf der Zwischenebene und der Hauptbahnhof im Bereich Gleis 1 und 2 erhalten eine neue Wandgestaltung. An der Station Königstraße wird der Bodenbelag auf den Bahnsteigen und an den Zu- und Abgängen erneuert. 48 Millionen Euro kostet die Modernisierung der zehn Tunnelstationen im Hamburger S-Bahn-Netz insgesamt.

Keine Sperrpausen im kommenden Jahr

Bis Ende 2021 will die Deutsche Bahn das komplette Programm abschließen. Durch das Projekt bedingte Sperrpausen soll es zumindest im kommenden Jahr nicht geben, bisher sind unter anderem Restarbeiten an den Landungsbrücken geplant. Voraussichtlich im Frühjahr 2021 folgen allerdings umfangreichere Bauarbeiten in den Tunnelstationen Königstraße und Reeperbahn.

Zwar soll die S-Bahn-Station Landungsbrücken am kommenden Montag wieder freigegeben werden – die oberirdischen, von der Hochbahn geleiteten Bauarbeiten zur Modernisierung der in die Jahre gekommenen Station dauern jedoch voraussichtlich noch bis Mitte Dezember an. Richtig dicke kommt es für Fahrgäste der U3-Ringbahnlinie aber im September 2020: Dann wird die U3 zwischen Baumwall und Hauptbahnhof für die Rekorddauer von 14 Monaten gesperrt, weil Tunnel und Viadukte aufwendig saniert werden müssen.