Hamburg

Eppendorf: Fashion Pool schließt – neues Hotel kommt

Sie betrieben fast 30 Jahre lang den Fashion Pool an der Osterfeldstraße: Rainer Clasen (v. l.), Uwe Kolloss und Manfred Dill.

Sie betrieben fast 30 Jahre lang den Fashion Pool an der Osterfeldstraße: Rainer Clasen (v. l.), Uwe Kolloss und Manfred Dill.

Foto: Fashion Pool)

Das 25.000 Quadratmeter große Areal ist für viele Investoren attraktiv. Ausverkauf im Fashion Pool vom 23. bis 26. Oktober.

Hamburg. Es ist das Ende einer großen Mode-Ära: Nach fast 30 Jahren schließt der Fashion Pool in Hamburg-Eppendorf. Für etwa drei Jahrzehnte war die Osterfeldstraße 16 die erste Adresse für Boutiquenbesitzer aus ganz Norddeutschland, für Einkäufer von Flensburg bis Hannover, die dort ihre Ware bezogen.

Aber nicht nur für sie: Auch modeinteressierte Hamburgerinnen pilgerten viermal im Jahr zu den öffentlichen Kollektionsverkäufen, um Kleidung hochwertiger Marken wie Comma, Iris von Arnim oder Riani zu Outletpreisen zu ergattern.

Vom 23. bis 26. Oktober gibt es dazu nun zum allerletzten Mal Gelegenheit. Auch die Einrichtung der einzelnen Showrooms, in denen sich auf einer Gesamtfläche von 3000 Quadratmetern bis zu 50 Hersteller präsentierten, steht zum Verkauf. „Wir bedauern das Ende sehr, wir hätten gern weitergemacht“, sagt Manfred Dill, der die Plattform für Modeagenturen mit Uwe Kolloss und Rainer Clasen Anfang der 1990er-Jahre gegründet hat.

Pachtvertrag zuletzt immer nur um ein Jahr verlängert

Seit 2015, als der Bezirk auf der Höhe der Flüchtlingswelle darüber nachdachte, auf dem großflächigen Areal zwischen Lokstedt und Eppendorf Migranten unterzubringen, habe es immer eine gewisse Ungewissheit über den Fortbestand gegeben, sagt Manfred Dill. Der Pachtvertrag sei danach immer nur noch um jeweils ein Jahr verlängert worden. Nun ist Ende Oktober Schluss, einen Grund für das endgültige Aus kennt das Betreiber-Trio nicht.

Der Eigentümer, Erbe eines bekannten Möbelhauses, halte sich ebenso zurück wie der Verwalter des Grundstücks. Bei diesem heißt es auf Abendblatt-Nachfrage nur, dass die Planungen, „ob, wie und wann“ das 25.000 Quadratmeter große Gelände bebaut werde, noch am Anfang stünden. Auch dem Bezirksamt Nord liegen noch keine konkreten Informationen vor. Allerdings hat man dort nach Angaben eines Sprechers „ein ausgeprägtes Interesse“ daran, dass das Areal gemäß dem geltenden Bebauungsplan gewerblich genutzt wird, also „beispielsweise ein Unternehmen angesiedelt wird“.

Areal zwischen Eppendorf und Lokstedt gilt als "Filetgrundstück"

Fest steht, dass es sich bei dem Areal um das handelt, was Immobilienentwickler ein „Filetgrundstück“ nennen. Das Gelände liegt zwischen den beiden beliebten Stadtteilen Lokstedt und Eppendorf. Zudem wird die Osterfeldstraße, als Parallele zur Automeile Nedderfeld bisher in großen Teilen noch indus­triell geprägt, zunehmend aufgewertet.

So entsteht derzeit gegenüber dem Fashion Pool am Christoph-Probst-Weg 33 auf zehn Etagen das Drei-Sterne-Hotel niu Bricks mit insgesamt 192 Zimmern, die Eröffnung ist für Ende 2020 geplant. Die Novum Hospitality Group, die bereits ein niu-Hotel in Wandsbek führt und jeweils eines in Horn, Hammerbrook und Harburg plant, will mit dem Haus in Eppendorf wegen der zen­tralen Lage zwischen Flughafen und Innenstadt Geschäftsreisende und Touristen, aber auch auf Besucher des nahe gelegenen Universitätsklinikums Eppendorf anziehen.

Outlet-Verkauf statt Fashion Pool?

Fashion-Pool-Gründer Manfred Dill will noch nicht ganz aufgeben. Gemeinsam mit Rainer Clasen überlegt er, zumindest den Outlet-Verkauf weiterzuführen – doch ein Standort fehlt noch. „Was wir hier hatten, bekommen wir natürlich nie wieder“, sagt der 71-Jährige. „Das war ja kein ödes Gewerbegebiet in der Vorstadt, sondern ein urbaner Standort mit vielen Parkplätzen.“ Zudem gab es ausreichend Fläche - ein wichtiger Punkt bei der Gründung 1992. Zuvor waren die drei Freunde nämlich allesamt Mieter im Mode Centrum Hamburg in Schnelsen gewesen, einer der wichtigsten Adresse der Branche in Hamburg. „Aber das Centrum war überbelegt und sehr unübersichtlich“, erinnert sich Manfred Dill.

Der eine habe quasi in Haus A in der dritten Etage gesessen, der andere in Haus B im neunten Stock. Deshalb habe man eine Fläche gesucht und schließlich gefunden, auf der die einzelnen Marken durch Synergien voneinander profitiert hätten. „Wir sind sehr traurig, dass es mit dieser Institution, die wir ja über drei Jahrzehnte aufgebaut haben, nun vorbei ist.“