Listerien

Skandal um Wilke-Wurst: Auch eine Hamburger Kita beliefert

Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren musste der Hersteller die Produktion stoppen. foodwatch kritisiert das Krisenmanagement von Behörden und Firma.

Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren musste der Hersteller die Produktion stoppen. foodwatch kritisiert das Krisenmanagement von Behörden und Firma.

Foto: dpa

In Wurstwaren des Herstellers Wilke wurden Bakterien nachgewiesen, die für mindestens zwei Todesfälle verantwortlich sein sollen.

Hamburg. Der Skandal um mit Listerien verseuchte Wurst der Firma Wilke zieht immer weitere Kreise. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung ist auch eine Kita im Hamburger Stadtteil Neustadt mit Wilke-Produkten beliefert worden. Danach sind die Eltern in einem Schreiben informiert worden, dass die Kita über einen Zwischenhändler mit Geflügel-Fleischwurst beliefert worden sei. Ob die Wurst mit Keinem belastet sei, sei aber noch unklar. Die Kita will bis zur Klärung der Situation auf Aufschnitt zum Frühstück verzichten.

Listerieninfektionen in Niedersachsen

In Niedersachsen haben die mit Keinem belasteten Wurstwaren möglicherweise schon Erkrankungen verursacht. Ein Sprecher des Landesgesundheitsamtes sagte am Dienstag, insgesamt seien drei Fälle bekannt, in denen ein Listerientyp nachgewiesen wurde, der mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem hessischen Wurstbetrieb steht. Die Keime seien genetisch eng mit den Listerien verwandt, die in den Waren der Firma Wilke nachgewiesen wurden. Zuvor hatte der Norddeutsche Rundfunk über die Listerienfälle in Niedersachsen berichtet.

Die drei erkrankten Menschen sind laut Landesgesundheitsamt zwischen 50 und 90 Jahre alt. Zwei von ihnen sind gestorben – einer von ihnen starb an einer anderen Erkrankung, bei der zweiten Person habe nicht ermittelt werden können, ob die Listeriose-Erkrankung die Todesursache war. Zwei der Fälle sind im Frühjahr 2019 ermittelt worden, der andere Fall stammt aus dem vergangenen Jahr.

Warnungen in Hamburg und Landkreis Harburg

Die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz hatte bereits vor einigen Tagen einen Rückruf von Wurstwaren der Firma Wilke in Hamburg eingeleitet und Verbraucherinnen und Verbrauchern vom Verzehr dieser Produkte abgeraten.

Der Landkreis Harburg hatte am Sonntag über eine Warn-App bekannt gegeben, dass auch 150 Betriebe im Landkreis mit Fleisch- und Wurstwaren der Firma Wilke beliefert worden waren. Der Veterinärdienst nahm mit allen Betrieben Kontakt auf und forderte sie auf, die Produkte nicht mehr in Verkehr zu bringen, Informationen für Ihre Kunden zur Verfügung zu stellen und die Produkte aus dem Handel zu nehmen. Dabei stellte sich auch heraus, dass nicht alle betroffenen Betriebe vom Zwischenhändler über den Rückruf informiert worden waren.

In der Wurst des nordhessischen Herstellers waren Listerien-Keime gefunden worden. Zwei Menschen in Südhessen sind bereits an den lebensgefährlichen Bakterien gestorben, auch in den Niederlanden soll es Todesfälle im Zusammenhang mit dem Verzehr von Wilke-Wurst gegeben haben. Zudem wurden mehrere Krankheitsfälle bekannt.

Die Waren wurden bundesweit vertrieben, unter anderem wurden auch sieben Hamburger Großhändler mit Erzeugnissen der Firma Wilke beliefert. Laut Behörde haben die Verbraucherschutzämter der betroffenen Bezirke Altona und Mitte mittlerweile einen möglichen Weiterverkauf in den Einzelhandel gestoppt. Aus vorbeugendem Gesundheits- und Verbraucherschutz wird die Ware aus dem Verkehr genommen.

Wilke-Wurst: Gefährlich besonders für Senioren und Schwangere

Die gefährlichen Bakterien können Durchfall und Fieber auslösen. Eine Erkrankung äußert sich meist innerhalb von 14 Tagen nach der Infektion. Insbesondere bei Schwangeren, Senioren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann die Krankheit lebensbedrohlich werden.

Die Behörde rät Personen, welche die genannten Symptome entwickeln, einen Arzt aufzusuchen und auf eine mögliche Listerien-Infektion hinzuweisen. Schwangere, die Wurstwaren der Firma Wilke gegessen haben, sollten sich auch ohne Symptome in ärztliche Behandlung geben, rät die Gesundheitsbehörde.

Die Firma Wilke ist von der zuständigen Behörde vorläufig geschlossen worden. Das Unternehmen hat mittlerweile Insolvenz beantragt.