Zwischenruf

Die SPD kann von Hamburgs Schülern lernen

Bloß keine Floskeln mit vom Dach pfeifenden Spatzen oder von Leuten, die in die Hände spucken. Und, so ein weiterer Lehrsatz für den Deutschunterricht, bitte keine putzigen Reime oder Wortspiele mit Namen. Ausnahmen sind lediglich gestattet, wenn sie einsame Spitzenklasse sind und Niveau haben.

So wie die nicht mehr ganz taufrischen Werbeplakate der Altonaer SPD. Nahe der „Fabrik“ in Ottensen erregen sie aktuell Aufmerksamkeit. Darauf steht: „Mit Karamba in den Bundestag.“ Abgebildet sind der Lokalpolitiker Matthias Bartke, ein Hamburger mit Geburtsort Bremen, sowie sein Parlamentskollege Diaby. Ein Politiker mit schwarzer Hautfarbe – und dem für deutsche Ohren genialen Vornamen Karamba. Eben! In seinem Bestseller beschreibt der promovierte Chemiker seinen spannenden Weg vom Senegal in den Deutschen Bundestag. Die nächste Abstimmung naht alsbald, werden sich die cleveren Genoss*innen gedacht haben.

Szenenwechsel. An der Uni Hamburg fielen jüngst für den Fachschaftsrat kandidierende Studenten mit der Parole auf: „Freibier für das Volk!“ Mitstreitende Kommilitoninnen machten mit selbst gebackenen Eierpunschtorten Punkte. Wenn’s der Emanzipation dient. Vielleicht jedoch war es auch nur ein Spaß, um bürgerlichem Spießertum den Spiegel vorzuhalten.

Szenenwechsel zwei. Wahlkampf in einem Gymnasium in den Elbvororten. Kurz nach Start des neuen Schuljahrs geht es um die künftige Besetzung der Schüler*innenvertretung. Die sonst gemeinhin nur bedingt strebsamen Nachwuchsakademiker legen sich kreativ ins Zeug. Wer mitzieht, so das Versprechen, erhält ein kleines Werbegeschenk. Dabei handelt es sich um einen Fingerring aus Aluminium. Neben einem bestechenden Design gefällt das Teil durch praktischen Nutzen: Es ist ein Kapselheber inte­griert, ein Flaschenöffner also.

Die passende Bierbuddel gibt’s nach der Wahl. Vielleicht. Davon kann nicht nur die SPD eine Menge lernen.