Hamburg-Stellingen

Zebrastreifen entfernt: Empörte Eltern bangen um ihre Kinder

Kämpfen für die Wiederherstellung des Zebrastreifens an der Vogt-Kölln-Straße: Tatjana Kluvetasch von der Eltern-Inititaive „Aktion Zebra“ und Herbert Kessler vom SV West Eimsbüttel .

Kämpfen für die Wiederherstellung des Zebrastreifens an der Vogt-Kölln-Straße: Tatjana Kluvetasch von der Eltern-Inititaive „Aktion Zebra“ und Herbert Kessler vom SV West Eimsbüttel .

Foto: HA/Philipp Rantzau

"Eine Frage der Zeit, bis etwas Schlimmes passiert": Anwohner der Vogt-Kölln-Straße planen Demo. So reagieren Behörde und Polizei.

Hamburg. Bis vor vier Monaten war die Welt in der Vogt-Kölln-Straße in Hamburg-Stellingen noch in Ordnung. Kinder und Jugendliche, die zu den 2017 eröffneten Sportanlagen der Vereine SV West-Eimsbüttel und TSV Stellingen wollten, konnten die viel befahrene Straße Dank eines Zebrastreifens verhältnismäßig sicher überqueren. Zudem galt für Autofahrer an dieser Stelle Tempo 30.

Doch seit vier Monaten sind die Eltern und Fußballvereine vor Ort in großer Sorge um den Nachwuchs. Der Grund: Als Anfang Mai neben dem Fußballplatz ein neuer Spielplatz für das Viertel eröffnet wurde, ließ die Polizei den direkt vor der Zufahrt angelegten Zebrastreifen entfernen. Auch die Tempo-30-Schilder verschwanden. Neue Verkehrs- oder Hinweisschilder wurden nicht installiert.

Eltern planen Demo für Zebrastreifen

Seitdem herrscht Unruhe in der Vogt-Kölln-Straße. Anwohner und Fußballvereine sind in Sorge um die Kinder und Jugendlichen, die täglich die nicht ungefährliche Straße queren müssen. Denn die Zufahrt zum Spielplatz und Sportplatz liegt direkt hinter einer Kurve, die Straße ist somit schlecht einsehbar und einen Bürgersteig auf der anderen Straßenseite gibt es nicht. "Wenn die Verkehrssituation so bleibt wie sie ist, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis etwas Schlimmes passiert", sagt Tatjana Kluvetasch von der Eltern-Inititaive „Aktion Zebra“ dem Abendblatt. Im August sei sogar beinahe ein Kind von einem Bus überfahren worden.

Gemeinsam mit anderen empörten Eltern aus der Nachbarschaft kämpft Kluvetasch, die selbst drei Kinder hat, nun für einen sicheren Übergang am Sport- und Spielplatz an der Vogt-Kölln-Straße. Unter dem Titel "Wir wollen den Zebrastreifen zurück!" rufen die Anwohner am 14. September von 10 bis 12 Uhr zu einer Demonstration auf. Auch eine Unterschriftensammlung für den Zebrastreifen sei geplant. "Seit Mai warten wir auf einen Lösungsvorschlag vonseiten der Behörde", sagt Kluvetasch. Doch passiert sei bisher nichts.

Bezirksamt will kurzfristige Lösung finden

Das Bezirksamt Eimsbüttel versucht, zu beschwichtigen. "Wir setzen uns weiterhin für die Interessen des Vereins, der Anwohner und der Kinder ein und befürworten eine schnellstmögliche Lösung", sagt Kay Becker, Sprecher des Bezirksamtes, dem Abendblatt. "Klar ist, dass die derzeitige Situation so nicht bleiben kann, soll und auch nicht bleiben wird."

Das Bezirksamt stehe weiterhin im Austausch mit dem zuständigen Polizeikommissariat 27, um zunächst eine kurzfristige Lösung für die Situation zu finden. "Für die Einrichtung eines Fußgängerüberwegs und einer Tempo-30-Zone als gewünschte kurzfristige Lösung besteht seitens des Bezirksamtes jedoch keinerlei Weisungsbefugnis gegenüber der Polizei", stellte Kay Becker klar. "Die beantragte Wiedereinführung des provisorischen Zebrastreifens in Verbindung mit Tempo 30 wurde von der Polizei bislang nicht genehmigt."

Polizei will erst Passanten an der Stelle zählen

Jedoch sei bei einem Ortstermin mit der Polizei zumindest vereinbart worden, dass diese eine Verkehrszählung durchführe – so will man feststellen, ob anhand der Querungszahlen ein Fußgängerüberweg angeordnet werden kann. Das Bezirksamt Eimsbüttel hat darüber hinaus das langfristige Ziel, dass es auf beiden Seiten der Vogt-Kölln.Straße einen Gehweg geben wird und die Straße an gut einsehbarer Stelle oder per Querungshilfe passiert werden kann. Becker: "Dazu arbeiten wir bereits an einer entsprechenden Planung."

Doch so schnell wird dieses Projekt sicher nicht umgesetzt werden. "Bedingt durch den noch nicht kompletten Abriss der Uni-Gebäude gibt es noch keine Flächenverfügbarkeit, um einen Gehweg auf der Ostseite der Vogt-Kölln-Straße komplett durchzubauen", gibt der Bezirksamtssprecher zu Bedenken. Dies betreffe den Bereich südlich der jetzigen Überfahrt bis zum bestehenden Gehweg. Aber der Bau eines durchgängigen Gehweges sei nach Abschluss der Baumaßnahmen "selbstverständlich geplant".

Dass eine sichere Querung der Vogt-Kölln-Straße auf jeden Fall notwendig und an der Stelle des provisorischen Zebrastreifens am sinnvollsten wäre, da sind sich Behörde und Eltern einig. Doch bis die Welt in der Vogt-Kölln-Straße wieder in Ordnung und sicherer für Kinder und Jugendliche ist, wird es wohl noch etwas dauern.