Pressefreiheit

Warum 1000 Journalisten aus 130 Ländern nach Hamburg kommen

Kultursenator Carsten Brosda (SPD, v.r.n.l.), Werner Eggert, Geschäftsführer Interlink Academy, Matthias Berg, Vorstand Hamburg School of Ideas e.V., Julia Stein, Erste Vorsitzende Netzwerk Recherche e.V., und dpa-Pressesprecher Jens Petersen halten ein Motiv der Plakatkampagne zur Pressefreiheit.

Kultursenator Carsten Brosda (SPD, v.r.n.l.), Werner Eggert, Geschäftsführer Interlink Academy, Matthias Berg, Vorstand Hamburg School of Ideas e.V., Julia Stein, Erste Vorsitzende Netzwerk Recherche e.V., und dpa-Pressesprecher Jens Petersen halten ein Motiv der Plakatkampagne zur Pressefreiheit.

Foto: Christian Charisius/dpa

Im September wird Hamburg zur Weltmedienhauptstadt. Grund sind drei besondere Kongresse. Was dahinter steckt.

Hamburg. In der letzten Septemberwoche wird Hamburg zu einer Art Weltmedienhauptstadt – mit gleich drei internationalen Konferenzen für innovativen Journalismus: der Global Investigative Journalism Conference (GIJC), dem Scoopcamp und dem Kongress der International News Media Association (INMA). Zu den drei großen Medienkongressen werden mehr als 1500 Teilnehmer aus aller Welt in der Stadt erwartet. Die GIJC findet erstmals in Deutschland statt, in den Räumen des „Spiegel“ und der HafenCity Universität (HCU).

Hamburg begrüßt die Gäste mit einer stadtweit sichtbaren Plakatkampagne zur Pressefreiheit. Diese soll laut Kulturbehörde auch bei jungen Hamburgern ein deutliches Zeichen für die Zukunft unabhängiger Medien setzen. „Mir konnte noch niemand erklären, wie eine Demokratie ohne freien Journalismus funktionieren soll“, sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD) bei der Vorstellung der Kampagne am Freitag in der HCU. Mit der Kampagne solle auch jungen Menschen klargemacht werden, dass Nachrichten und Journalismus nicht einfach so da seien, sondern „Journalismus etwas wert ist und wir ihn auch bepreisen müssen“. Die wirtschaftliche Situation privatwirtschaftlicher Presseangebote habe sich „dramatisch verschärft“, so Brosda. „Mit unserer Begleitkampagne wollen wir das Bewusstsein für den Wert der freien Presse fördern. Demokratische Politik ist ohne kritischen, unabhängigen Journalismus nicht vorstellbar.“

„Gute Recherche ist teuer, Pressefreiheit unbezahlbar“

Die Plakate, die ab kommender Woche an 450 Orten in der Stadt gezeigt werden sollen, wurden von Schülerinnen und Schülern der Hamburg School of Ideas, der früheren Texterschmiede, entworfen. „Manche bezahlen Pressefreiheit mit ihrem Leben, Du nur mit Kleingeld“, heißt es auf einem der Plakate, auf anderen „Gute Recherche ist teuer, Pressefreiheit unbezahlbar“ oder „Ein Algorithmus interessiert sich nicht für die Wahrheit“.

Kultursenator Brosda zeigte sich erfreut, dass Hamburg für eine Woche zu einer Art internationalen Ideenschmiede für den Journalismus der Zukunft wird. „In der Medienstadt Hamburg wird die Zukunft des Journalismus gedacht und gestaltet“, sagte Brosda. „Wir können nicht nur auf eine lange Tradition großer Medienhäuser zurückblicken, sondern sind auch immer schon der Ort gewesen, an dem neue Geschäftsmodelle entwickelt wurden, die die Zukunft der Medien langfristig sichern.“

Mehr als 1000 Journalisten aus 130 Ländern erwratet

Julia Stein, NDR-Journalistin und Erste Vorsitzende des Netzwerks Recherche betonte, dass Hamburg „vielen kritischen und internationalen Journalisten einen sicheren Hafen“ biete. „Denn in der Geburtsstadt der freien Presse und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks weht nicht nur ein freier Geist, hier ist die Bereitschaft, Journalismus in seiner Unabhängigkeit anzuerkennen und handfest zu fördern, groß“, so Stein. Das Netzwerk Recherche bedanke sich bei „der Stadt und allen Partnern, die #GIJC19 zu einem Highlight für Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt zu machen“.

Insgesamt werden sich zur GIJC vom 26. bis 29. September in der HCU und beim „Spiegel“ mehr als 1000 Journalistinnen und Journalisten aus 130 Ländern in mehr als 150 Workshops und Paneldiskussionen über Themen wie investigative Recherche, Datenjournalismus, grenzüberschreitende Kooperationen und Pressefreiheit austauschen. Als Rednerin wird unter anderem Maria Ressa erwartet, eine couragierte Enthüllungsjournalistin von den Philippinen und „TIME-Person of the Year 2018“.

Ex-„Guardian“-Chef verglich Journalisten mit Bienen

In derselben Woche finden auch das Scoopcamp (25. September) und die Media Innovation Week der INMA (23.-27.9.) statt. Das Scoopcamp ist die Innovationskonferenz für Medien von nextMedia.Hamburg und der Deutschen Presseagentur dpa. Als Redner werden dort die frühere Digitalchefin des Stern, Anita Zielina (City University of New York), Shazna Nessa („Wall Street Journal“) und der langjährige Chefredakteur des „Guardian“, Alan Rusbridger, erwartet.

Rusbridger baute den Guardian nicht nur zu einer globalen Medienorganisation aus, er steht auch für die Verteidigung der Freiheitsrechte und der Pressefreiheit – etwa durch die Veröffentlichung der von Edward Snowden stammenden Belege für die weltweite Massen­überwachung durch den US-Auslands­geheimdienst NSA. Journalisten verglich Rusbridger einmal mit Bienen: auch sie seien enorm wichtig für das Ökosystem – quasi als „Arbeitsbienen“ des Informationszeitalters.

Philipp Westermeyer, Gründer des OMR-Festivals, ist dabei

Auch auf der INMA tauschen sich führende Medienverantwortliche aus aller Welt aus. Im Zentrum stehen neue Geschäftsmodelle für klassische Nachrichtenmedien. Sprechen werden unter anderem Philipp Westermeyer, Gründer des Online Marketing Rockstars Festival, Christian Röpke, CEO Zeit Online, und Peter Kropsch, Geschäftsführer der dpa.

Die Kulturbehörde lädt Gäste der Konferenzen und alle Interessierten am 27. September von 17 bis 18.30 Uhr zu einer eigenen Diskussionsveranstaltung in die Patriotische Gesellschaft ein. Unter dem Titel „Investigativer Journalismus – Lebenselixier der Demokratie“ hält Senator Brosda dort einen Vortrag. Im Anschluss diskutiert er mit Journalisten über die Bedeutung freier Medien für demokratische Gesellschaften.