Hamburg

Tag des offenen Denkmals: Hamburgs Schätze öffnen sich

Wohl kaum ein Laie würde bei diesen Gebäude auf ein Alter von 90 Jahren tippen: das frühere „Haus der Jugend“ in Ottensen.

Wohl kaum ein Laie würde bei diesen Gebäude auf ein Alter von 90 Jahren tippen: das frühere „Haus der Jugend“ in Ottensen.

Foto: Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Vom 6. bis 8. September sind von den rund 12.300 Denkmälern der Stadt an die 140 Objekte zu besichtigen – hier eine Auswahl.

Hamburg. Denkmal. Eigentlich müsste man ein neues Wort erfinden. Denn ein Denkmal ist eben nicht nur ein „erhaltenes Werk, das für eine frühere Kultur Zeugnis ablegt“ (Duden), sondern auch eine „zum Gedächtnis an eine Person oder ein Ereignis errichtete, größere plastische Darstellung; ein Monument“ (wieder Duden). Und beides klingt verstaubt.

Worum es beim „Tag des offenen Denkmals“ geht, ist doch eigentlich etwas anderes. Es soll ja ein „Schau-mal-Tag“ oder ein „Neugier-Tag“ sein. Und zu sehen und zu lernen gibt es wirklich reichlich. Wobei ja auch die jüngere Vergangenheit diesmal im Zentrum steht, wie schon an dem Motto „Moderne, Spätmoderne, Postmoderne“ deutlich wird.

Da geht es natürlich um den modernen Wohnungsbau, der untrennbar mit dem Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher und seinem Altonaer Kollegen Gustav Oelsner verbunden ist. Beide trieb es an, die ärmeren Schichten statt der dunklen, engen unwürdigen Behausungen moderne lebens- und liebenswürdige Wohnungen zu bieten. Stadtteile wie Dulsberg oder die Jarrrestadt zeigen dies eindrucksvoll.

Erstmal kann das Axel-Springer-Haus besichtigt werden

Dabei war Schumacher ein „gedämpfter Architektur-Revolutionär“. „Der pragmatische Reformer erspürte und verstärkte den Genuis loci. Das einheitliche Stadtbild sollte die gehetzten Großstädter beruhigen, denn Chaplins ,Modern Times‘ hätte auch in Hamburg spielen können“, sagt Kultursenator Carsten Brosda dazu.

Andreas Kellner, Leiter des Denkmalschutzamts, macht auf die Hamburger Besonderheiten aufmerksam. „Während andernorts die ,Weiße Moderne‘ das Licht der Welt erblickte, begann damals Hamburg sich zu der Backsteinstadt zu entwickeln, als die sie heute bekannt ist.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg habe sich dann auch in Hamburg die Weiterentwicklung der Moderne zum Internationalen Stil niedergeschlagen. „All dies und vieles mehr gilt es dieses Jahr zu erkunden“, so Kellner.

Erstmals dabei ist etwa das Axel-Springer-Haus, das zurzeit saniert wird. Als typischer „Wirtschaftswunder-Bau“ gibt er spannende Einblicke – vermittelt direkt von den Restauratoren. Auch die Grindelhochhäuser, die Bauten in Planten un Blomen, das Christianeum und gleich mehrere Kirchenbauten der 60er- und 70er-Jahre vermitteln diesen Zeitgeist.

Im vergangenen Jahr kamen 30.000 Besucher

Zu den rund 140 Objekten, die während des kommenden Wochenendes zu besichtigen sind, gehören natürlich auch Klassiker jenseits der Moderne wie das Gartenhaus Fontenay, die Kapelle am Schröderstift, die Windmühle Johanna in Wilhelmsburg oder das Hufnerhaus in Moorfleet. Wie Brosda es formulierte: „Jede Epoche ist Erneuerung und jedes Denkmal damit Zeitzeuge mindestens eines Umbruchs.“

In den vergangenen Jahren nutzten rund 30.000 Hamburger die Gelegenheit, seltene Einblicke beim Denkmaltag zu bekommen. „Unser Dank gilt allen Eigentümern, Vereinen, Stiftungen, Initiativen und Ehrenamtlichen für ihr Engagement beim Tag des offenen Denkmals“, betont Irina von Jagow von der Stiftung Denkmalpflege Hamburg, die auf mindestens genauso viele Besucher in diesem Jahr hofft. Dem bleibt wenig hinzuzufügen. Außer: Viel Spaß!