Hamburg

Zu wenig Personal: Chef der Verkehrsdirektion wirft hin

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Ein Polizist bei einer Verkehrskontrolle (Symbolfoto).

Ein Polizist bei einer Verkehrskontrolle (Symbolfoto).

Foto: dpa Picture-Alliance / Christoph Hardt/Geisler-Fotopres / picture alliance / Geisler-Fotop

Carsten Winter, Chef der Verkehrsdirektion 2, hat um Versetzung gebeten. Jede vierte Stelle nicht besetzt. CDU: "Bankrotterklärung".

Hamburg. Eklat um die dünne Personaldecke bei der Hamburger Polizei: Der bisherige Leiter Verkehrsdirektion 2, Carsten Winter, hat um eine neue Verwendung gebeten. In einem Brief an seine Mitarbeiter machte der Polizeioberrat dafür unter anderem die Personalsituation verantwortlich. Das Abendblatt hatte bereits Ende Juli über die Probleme bei der Verkehrsdirektion berichtet.

Die Verkehrsdirektion 2 ist zuständig für die Verkehrsüberwachung im Westen und der Mitte Hamburgs. Zu ihren Kernaufgaben gehören Radarmessungen, Alkohol-, Drogen- oder Schwerlastkontrollen, die Ahndung von schweren Verkehrsverstößen und die Bearbeitung von schweren Verkehrsunfällen. Die „VD2“ ist dabei die größte Einheit ihrer Art. Sie wird als einzige von einem Beamten des höheren Dienstes geleitet. Dort, so heißt es aus der Polizei, ist die Situation besonders angespannt. Etwa jede zweite Stelle ist nicht besetzt. In der gesamten Verkehrsdirektion beträgt die Fehlquote etwas über 25 Prozent.

"Prekäre Situation"

In seinem Schreiben weist Winter auf die „unbefriedigende und belastende Personalsituation“ hin. Ihm sei es nicht gelungen, die „prekäre Situation zum Besseren zu wenden“.

Auch die Polizeiführung ist alarmiert. „Die zeitweise auch angespannte Personalsituation in Teilen der Verkehrsdirektion ist hier bekannt“, sagt Polizeisprecher Ulf Wundrack. „Wir werden durch die Auswirkungen der Einstellungsoffensive sowie durch Einstellungen weiterer Kräfte für lokale Präsenz und Verkehrsflussoptimierung schon in Kürze eine spürbare Entlastung der Personalsituation auch gerade im Bereich der Verkehrsdirektion erreichen.“

Viele Stellen vakant

Die Verkehrsdirektion wird besonders viel Nachwuchs brauchen. Dort sind nicht nur viele Stellen vakant. Die Altersstruktur ist überdurchschnittlich hoch. In den kommenden Jahren werden aus dem Bereich besonders viele Beamte pensioniert. Insgesamt steht ein großer Generationswechsel bei der Hamburger Polizei bevor.

„Wir werden nicht darum herum- kommen, die Arbeit in der Verkehrsdirektion deutlich attraktiver zu gestalten“, sagt der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lenders. Bislang sei Verkehrsüberwachung, abgesehen von einigen herausragenden Bereichen wie der Dienststelle „Autoposer“, nicht gerade die Traumaufgabe für viele junge Polizisten. „Es bringt aber nichts, junge Kollegen zwangsweise zur Verkehrsdirektion zu versetzen, um so Lücken zu füllen“, sagt Lenders. Es müsse stattdessen deutlich mehr Fortbildung für Beamte der Verkehrsdirektion geben. Das würde den Bereich der Polizei auch für jüngere Beamte interessant machen. „Bekommen wir das nicht hin, wird es bei allen Einstellungsoffensiven in Zukunft Probleme beim Personal geben“, so Lenders.

CDU spricht von Bankrotterklärung

„Die Funktionsfähigkeit der Verkehrsdirektion war und ist zu keinem Zeitpunkt gefährdet“, sagte der Polizeisprecher Wundrack. „Der Leiter der Verkehrsdirektion 2 hat in der vergangenen Woche aus persönlichen Gründen um seine Umsetzung gebeten. Wir werden diese Funktion unverzüglich nachbesetzen.“ Der innenpolitische Sprecher der CDU in der Bürgerschaft, Dennis Gladiator, nannte den Vorgang eine „Bankrotterklärung“ und einen Hilferuf, den auch der Innensenator Andy Grote (SPD) nicht ignorieren dürfe.

( zv/crh )

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