Hamburg

Das wird Eppendorfs erste Flüchtlingsunterkunft

Die Unterkunft mit rund 100 Plätzen liegt direkt unterhalb des Bahndamms der Linie U3

Die Unterkunft mit rund 100 Plätzen liegt direkt unterhalb des Bahndamms der Linie U3

Foto: Michael Rauhe

An der Loogestraße entsteht die erste Unterbringung im Stadtteil. Wer dort wohnen wird und wie die aktuelle Situation in Hamburg ist

Eppendorfs erste Flüchtlingsunterkunft nimmt Gestalt an. Seit Juni entsteht an der Loogestraße eine Folgeeinrichtung mit 102 Plätzen. Das Grundstück liegt direkt am Bahndamm der Linien U 1 und U 3 und erscheint für die Unterbringung so vieler Menschen viel zu eng – doch gerade seine räumliche Begrenzung ist ideal für das, was hier geplant ist: Die Stadt will hier besonders schutzbedürftige Frauen und Mütter mit ihren Kindern unterbringen – und die Wohnunterkunft, als einzige Hamburgs, durch einen deutlich höheren Zaun und Wachpersonal sichern.

„Der Schutzbedarf dieser Menschen kann durch das kleine Grundstück mit zwei Gebäuden und klar definierten Grenzen gut abgebildet werden“, sagt Daniel Posselt vom Zentralen Koordinierungsstab Flüchtlinge (ZKF), der für die Unterbringung verantwortlich ist. Dort unterteilt man die Schutzsuchenden in drei Gruppen: von Gewalt betroffene oder akut bedrohte Frauen und Kinder, Frauen mit psychischen oder physischen Beeinträchtigungen sowie allein reisende Frauen.

Kosten der Einrichtung liegen bei 4,15 Millionen Euro

Derzeit sind die Frauen in einer Erstaufnahmeeinrichtung an der Kaltenkirchener Straße untergebracht. „In der Wohnunterkunft an der Loogestraße werden sie die Chance haben, ein eigenständiges Leben zu führen und sich zum Beispiel auch selbst zu versorgen“, so der Sprecher. Auch auf ihre unterschiedlichen Betreuungsbedarfe wird man in der von „Fördern & Wohnen“ betriebenen Einrichtung eingehen. So sollen den Frauen hier Beratungsangebote zur Verfügung stehen.

Im ersten Quartal 2020, also fast 1,5 Jahre später als ursprünglich geplant, soll die Wohnunterkunft in Betrieb genommen werden. Grund für die Verzögerungen waren neben Sielbauarbeiten vor allem aufwendige Pfahlgründungen. Ihretwegen sind die Gesamtkosten für Bau und Ausstattung der Eppendorfer Flüchtlingsunterkunft mit 4,15 Millionen Euro deutlich höher als geplant.

Solche "besondere Schutzplätze" gibt es in Hamburg nur selten

Posselt schätzt, dass hier am Ende weniger als 102 Flüchtlinge leben könnten. „Durch die besonderen Anforderungen wie beispielsweise Einzelzimmerbedarfe oder Räumlichkeiten für den Wachdienst wird sich die Gesamtkapazität voraussichtlich reduzieren.“

Finden Sie es richtig, dass nun auch in Eppendorf eine Flüchtlingsunterkunft entsteht?

Dennoch sei der Bau der Einrichtung gerechtfertigt – auch angesichts von mittlerweile geschlossenen Folgeunterkünften und leer stehenden Erstaufnahmeeinrichtungen. „Solche besonderen Schutzplätze haben wir in der Qualität und Menge aktuell nur bedingt zur Verfügung“, so der ZKF-Sprecher. Ehemalige Erstunterkünfte hätten als sogenannte Notfallstandorte nicht den benötigten Unterbringungsstandard von Folgeunterkünften – es gebe beispielsweise keine Kochgelegenheiten. Ein Umbau wäre nur mit einem hohen finanziellen Aufwand möglich. Und dieser könne sich nicht amortisieren, da die Unterkünfte nur einen gewissen Zeitraum zur Verfügung stünden.

Wie die Lage für Flüchtlinge insgesamt in Hamburg ist

Derzeit sind in Hamburg noch sechs Erstaufnahmeeinrichtungen sowie das große Ankunftszentrum in Rahlstedt in Betrieb. Dort lebten zum Stichtag 30. Juni insgesamt 1279 Menschen, davon etwa ein Drittel im Ankunftszentrum. In den 122 Hamburger Folgeunterkünften waren zu diesem Zeitpunkt rund 26.000 Flüchtlinge untergebracht.

Im zweiten Quartal wurden in vier Folgeeinrichtungen insgesamt 652 Plätze abgebaut und drei der Unterkünfte aus vertraglichen Gründen geschlossen. Dennoch könne von rückgängigen Flüchtlingszahlen nicht die Rede sein, so Posselt. „Im Gegenteil: Der Trend ist, dass sie nicht sinken.“ Zwischen Januar und Juli kamen laut ZKF-Quartalsbericht monatlich zwischen 608 (Mai) und und 914 Flüchtlinge (Januar) nach Hamburg.

25 unbegleitete Minderjährige kommen pro Monat nach Hamburg

Von den insgesamt 5181 Personen wurden 2256 nach dem „Königsteiner Schlüssel“ in andere Bundesländer verteilt. Von denen, die in Hamburg verblieben, wurde rund die Hälfte auf Kosten von Stadt und Bund in Erstaufnahmen untergebracht; der Rest kam in der jeweiligen Community oder Familie unter.

Auch die Zahlen bei den minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen, die von der Stadt in Obhut genommen wurden, gehen nicht zurück: Sie lagen seit Januar bei durchschnittlich 25 pro Monat. Nach wie vor kommen die meisten Flüchtlinge aus Afghanistan. Bei den Erwachsenen folgen die Länder Irak, Iran und Syrien. Die Jugendlichen stammen neben Afghanistan vor allem aus Afrika und dem Balkan.

Zahl der neu ankommenden Schutzsuchenden in Hamburg sinkt

Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Hamburg kommen, hatte 2015 ihren Höhepunkt erreicht: In dem Jahr suchten mehr als 40.000 Menschen in Hamburg Schutz, 22.315 verblieben in der Stadt, 21.018 wurden in städtischen Unterkünften einquartiert.

Danach sanken die Zahlen zunächst auf 16.167 im Jahr 2016 (davon wurden 9448 Personen untergebracht), um sich bei rund 9000 Flüchtlingen pro Jahr einzupendeln. Wurden 2017 noch 5408 Flüchtlinge von der Stadt untergebracht, waren es ein Jahr später 4780.