Gesundheit

Schwangerschaftsabbrüche: 26 Hamburger Ärzte auf der Liste

Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft (Archivbild).

Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft (Archivbild).

Foto: Picture Alliance / Andreas Frank

Bundesärztekammer stellt Praxen ins Internet. Debatte um Werbung für Abbrüche geht weiter. Was Hamburger Ärzte sagen.

Hamburg. Soll man für Abtreibungen werben? So plakativ formulierten es Kritiker einer neuen Regelung, die es Frauenärzten erlauben soll, ihre medizinischen Beratungen und Leistungen auch im Internet darzustellen. Nach aufgeheizten Diskussionen und einer leichten Gesetzesänderung am Paragrafen 219a können nun Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch anstreben, eine Liste der Bundesärztekammer im Internet einsehen.

Der Bundestag hatte im Februar einen Kompromiss der Großen Koalition zum sogenannten Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche beschlossen. Ärzte dürfen jetzt öffentlich machen, dass sie Abbrüche vornehmen, weitere Informationen zum Beispiel über Methoden sind aber nicht erlaubt. Die Bundesärztekammer führt nun die Liste mit bislang 87 Einträgen, auf der auch 26 Hamburger Praxen vertreten sind. Rund 1200 Ärzte bundesweit sind befähigt, Schwangerschaftsabbrüche vorzunehmen.

Liste über Ärzte für Schwangerschaftsabbrüche im Aufbau

Wie der Geschäftsführer der Bundesärztekammer, Alexander Dückers, dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte, befinde sich die Liste noch im Aufbau. „Wir nehmen die Verantwortung sehr ernst.“ Ärzte können sich selbst entscheiden, ob sie in die Liste aufgenommen werden wollen. Die Ärztin Kristina Hänel, die 2017 eine Debatte über den Paragrafen 219a angestoßen hatte, ist bisher nicht gefragt worden, ob sie in die Liste aufgenommen werden will. Selbst, wenn die Bundesärztekammer auf sie zugegangen wäre, hätte sie nicht auf die Liste gewollt, sagte sie der „tageszeitung".

In der Gesetzesreform steht, dass Werbung für Schwangerschaftsabbrüche aus wirtschaftlichen Interessen oder in „grob anstößiger Weise“ verboten sind.

In der Vergangenheit hatte der Paragraf zu einer Verurteilung von Ärzten geführt. Aufgrund des Paragrafen musste sich auch die Ärztin Kristina Hänel im November 2017 vor Gericht verantworten. Ihre Verurteilung zu einer Geldstrafe löste bundesweit Proteste aus.

Die Delegiertenversammlung der Hamburger Ärztekammer hatte sich für die komplette Streichung des Paragrafen ausgesprochen. Dr. Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg, sagte: „Wir sprechen an allen Ecken und Enden davon, Menschen mit Kompetenzen auszustatten, um eigenverantwortlich handeln zu können. Den Frauen, die sich in einer absoluten Notlage befinden und dringend Informationen und Hilfe benötigen, sprechen wir dieses Recht auf Information jedoch ab. Wie passt das in der heutigen Zeit zusammen?“