HafenCity

Start für ersten fahrerlosen Bus in Hamburg – der Zeitplan

Freuen sich auf den autonomen Shuttlebus: Markus Schlitt (Siemens Mobility, v.l.), Matthias Kratzsch (IAV), Senator Michael Westhagemann, Hochbahn-Chef Henrik Falk.

Freuen sich auf den autonomen Shuttlebus: Markus Schlitt (Siemens Mobility, v.l.), Matthias Kratzsch (IAV), Senator Michael Westhagemann, Hochbahn-Chef Henrik Falk.

Foto: Hochbahn

Wirtschaftssenator und Hochbahn stellten Probebetrieb in der HafenCity vor. Zunächst soll noch eine Begleitperson an Bord sein.

Hamburg. Der neueste Bus der Hochbahn ist nur fünf Meter lang und kann gerade einmal zehn Personen befördern, dafür hat er aber einen Elektroantrieb – und er braucht keinen Fahrer mehr. Im August soll der Probebetrieb des Projekts Heat (Hamburg Electric Autonomous Transportation) in der HafenCity starten, zunächst allerdings noch ohne Fahrgäste und mit einem „professionellen Fahrzeugbegleiter“, der im Notfall eingreifen kann.

Von Mitte 2020 an soll der gedrungen wirkende Shuttlebus erstmals Gäste mitnehmen, bis spätestens Oktober 2021, rechtzeitig zum Weltkongress für Intelligente Verkehrssysteme (ITS) in der Hansestadt, wird er ohne Begleitpersonal auf der 1,8 Kilometer langen Strecke unterwegs sein un mehrere Haltestellen ansteuern. Am Mittwoch stellten Hamburgs Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos), Hochbahn-Chef Henrik Falk und weitere Projekt-Vertreter den emissionsfreien fahrerlosen Elektro-Kleinbus in der Hamburger Hafencity vor.

Bus soll bis zu 50 Kilometer pro Stunde fahren

Ein solches Projekt sei „ziemlich einzigartig auf Welt“, sagte Wirtschafts- und Verkehrssenator Westhagemann. Versuche mit autonomen Fahrzeugen gebe es viele, neu sei aber, dass der Kleinbus vollständig in den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) eingebunden wird. Der Bus soll zudem bis zu 50 Kilometer pro Stunde fahren, während die Fahrzeuge in anderen Modellversuchen nur mit bis zu 15 km/h unterwegs seien, sagte Matthias Kratzsch, Geschäftsführer der Berliner Firma IAV, die den Kleinbus entwickelt hat.

In der ersten Phase bis Mitte 2020 wird der weißrote Minibus allerdings ebenfalls nur mit niedriger Geschwindigkeit auf der Strecke Großer Grasbrook – Am Dalmannkai – Am Sandtorpark – Am Sandtorkai fahren. In Shuttlebussen dieser Größenordnung sieht Hochbahn-Chef Henrik Falk auch eine mögliche ÖPNV-Lösung für Regionen am Stadtrand mit eher wenigen Fahrgästen: „Dort, wo es keinen Sinn macht, große Busse einzusetzen, kann so ein Shuttle eine vernünftige Alternative sein.“

Westhagemann: Akzeptanz bei den Menschen ein wesentlicher Faktor

Mit dem rund fünf Millionen Euro teuren Projekt Heat will Hamburg einen weiteren Meilenstein in städtischer Mobilität setzen will. "Es soll erforscht und im Erfolgsfall nachgewiesen werden, dass selbständig fahrende Kleinbusse vollständig in den Straßenverkehr und den ÖPNV einer Metropole integriert werden können", heißt es in der aktuellen Mitteilung der Hochbahn.

"Die Akzeptanz bei den Menschen ist ein wesentlicher Faktor für den künftigen Einsatz von autonomen Fahrzeugen", sagte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann am Mittwoch. "Mit der herstelleroffenen Teststrecke für vernetztes und automatisiertes Fahren und mit dem Projekt Heat machen wir deutlich, dass wir neue Mobilitätsangebote in Hamburg ausprobieren wollen und der Industrie und Wissenschaft dafür optimale Bedingungen bieten."

Kleinbus navigiert selbstständig mit Hilfe von Kameras, Sensoren und Radar

Auch Hochbahn-Chef Henrik Falk sieht Vorzüge im autonomen Fahren. "Autonomes Fahren bietet uns eine Perspektive, noch attraktivere Angebote zu schaffen", sagte er. Gerade zu Tageszeiten oder für Gebiete, in denen konventionelle ÖPNV-Lösungen heute wirtschaftlich an ihre Grenzen stießen und deshalb nicht attraktiv genug seien, um die Menschen zum Umsteigen vom privaten Pkw zu motivieren.

Das Fahrzeug navigiert selbstständig mit Hilfe von Kameras, Sensoren, Radar und digitaler Kommunikation und wird von der Leitstelle der Hochbahn aus überwacht. An der Fahrstrecke waren Aufrüstungen mit Sensorikelementen erforderlich. Die Technik muss alle Aufgaben eines Fahrers übernehmen und die Verkehrsregeln einhalten.

Der Zeitplan:

  • 2019 – Phase 1: Erprobung des Fahrzeugs auf einem ausgewählten Abschnitt der Teststrecke; mit Fahrzeugbegleiter; ohne Fahrgäste; angestrebte Geschwindigkeit: 15 km/h
  • 2020 – Phase 2 Erweiterung des Testabschnittes und Erweiterung um feste Haltestellen; mit Fahrzeugbegleiter und zuvor eingewiesenen Fahrgästen; angestrebte Geschwindigkeit: 25 km/h
  • 2021 – Phase 3 Finale Erprobung auf der gesamten Teststrecke mit festen Haltestellen; mit Fahrgästen; ohne Fahrzeugbegleiter; angestrebte Maximalgeschwindigkeit: 50 km/h