Öffentlicher Nahverkehr

Erster autonom fahrender Bus kommt in Nordfriesland an

Ein autonom fahrender Bus fährt über ein Testgelände

Ein autonom fahrender Bus fährt über ein Testgelände

Foto: Carsten Rehder / dpa

Die selbstfahrenden Busse sollen eine bessere Verkehrsanbindung für Menschen auf dem Land bieten. Feste Routen gibt es nicht.

Enge-Sande. Die nächste Bushaltestelle ist weit weg, ein Auto nicht vorhanden und der Arzt im nächst größeren Ort: Auf dem Land ist so ein Szenario keine Seltenheit. Der ländliche Raum sei der mobilitätssensibelste Raum, sagte Florian Dünckmann, Professor für Kulturgeografie an der Kieler Universität, am Mittwoch in Enge-Sande. Er ist einer der Partner, die in den kommenden Jahren im Projekt „Nachfragegesteuerter Autonom-Fahrender“-Bus - kurz „NAF-Bus“ - ein Mobilitätskonzept „ÖPNV-on-Demand“ auf Basis autonomer, elektrisch angetriebener Kleinbusse entwickeln wollen.

Das vom Bundesverkehrsministerium mit rund 2,3 Millionen Euro geförderte Projekt ist im vergangenen Jahr gestartet und läuft noch bis Sommer 2020. An diesem Mittwoch trat es in eine neue Phase: Der erste von drei selbstfahrenden Minibussen ist in Enge-Sande (Kreis Nordfriesland) eingetroffen. Zunächst soll der fahrerlose Bus mit Elektroantrieb auf dem Gelände des GreenTEC Campus getestet werden. In einigen Monaten soll ein weiterer Bus in Keitum auf Sylt auf einer ausgewählten Strecke im realen ÖPNV eingesetzt werden. Auch in Dithmarschen soll eines der Fahrzeuge erprobt werden. Wo genau, steht noch nicht fest. Langfristig erhoffen sich die Macher durch die selbstfahrenden Busse eine bessere Verkehrsanbindung für Menschen auf dem Land.

Autonom fahrende Busse sollen abseits liegende Orte anbinden

Dünckmann glaubt nicht, dass demnächst nur autonome Busse über die Straßen der ländlichen Regionen an der Westküste rollen. Und dies sei auch nicht das Ziel. Individualverkehr werde immer wichtig sein und auch den normalen ÖPNV werden und sollen die selbstfahrenden Busse nicht ersetzen, wie Dünckmann betonte. Sie seien eher als Ergänzung zu sehen, etwa um Ortschaften anzubinden, die nur wenige Kilometer abseits der Linienbusrouten liegen. Durch Einbeziehung von ÖPNV-Unternehmen in die drei unterschiedlichen Anwendungsszenarien und die Betrachtung von rechtlichen Aspekten soll mit den erzielten Ergebnissen eine hohe Anwendungsrelevanz und Umsetzbarkeit nach Projektende erreicht werden.

Zu den Projektpartnern gehören neben Dünckmann und seinem Team unter anderem die Verkehrsbetriebe Sylter Verkehrsgesellschaft und DB Autokraft Ingenieure, Softwaresystem-Experten und Rechtswissenschaftler von Unternehmen und der Kieler Universität. Neben technischen und juristischen Fragen ist zudem von Interesse, wie das neuartige ÖPNV-Angebot von der Bevölkerung angenommen wird. Dies ist Dünckmanns Gebiet. Er und seine Mitarbeiter der AG Kulturgeographie der Kieler Uni erarbeiten unter anderem eine Akzeptanzstudie und organisieren Bürgerbeteiligungsverfahren.