Hamburg

E-Scooter: Einmal durch Deutschland für 3,88 Euro

Training für E-Scooter in Hamburg: Ein Fahrer übt das Kurvenfahren.

Training für E-Scooter in Hamburg: Ein Fahrer übt das Kurvenfahren.

Foto: Andreas Laible/HA

Die Ökostrom-Lobby trommelt für den Umstieg. Eine neue Tour für E-Scooter kommt nach Hamburg. Polizei mit neuer Großkontrolle.

Hamburg. Die E-Scooter sind in Hamburg ein Ärgernis? Sie sind für schwere Unfälle mitverantwortlich und verschandeln, einmal benutzt, das Stadtbild? Die E-Scooter werden von prekär beschäftigten Hilfskräften, sogenannten „Juicern“, abends und nachts mit einem Diesel-Lieferwagen eingesammelt und aufgeladen? Ein E-Scooter hält im Dauerbetrieb bei einem der üblichen Vermieter im Schnitt nur 28 Tage?

Alles richtig. Die negativen Auswirkungen des neuen globalen City-Trends E-Scooter haben sich aber auch zu hartnäckigen Vorurteilen zusammengepuzzelt. Nach wenigen Wochen der Zulassung von „Elektrokleinstfahrzeugen“ ist die Debatte um ihr Verbot oder zumindest eine enge Kontrolle voll entbrannt. Dem wollen nun die Fans des neuen Mobilitätstrends das Positive entgegensetzen – mit Unterstützung von Stromanbietern, die die Roller am Laufen halten.

Ökostrom-Anbieter trommeln für E-Scooter

In einer „Greenscooterchallenge“, also einer Herausforderung und Deutschland-Tour für E-Scooterfahrer mit Ökostrom-Antrieb, sollen die Befürworter auf die Piste von Süd nach Nord rollen. Am 1. August starten E-Scooter-Fahrer ihre Roll-Reise von Weil am Rhein nach Kiel. Auch in Hamburg (27. August) machen die Roller-Lobbyisten Station, wie es in einer Mitteilung der Veranstalter heißt.

Im Video: E-Scooter-Test

E-Scooter: Reporterin testet Elektro-Roller

1200 Kilometer ist ihre Strecke lang, 60 Kilometer sollen jeden Tag gerollt werden, alles vorgeblich CO2-neutral, weil Ökostrom genutzt werde. Dazu brauche man nur 13 Kilowattstunden, was 3,88 Euro koste. Das entspricht in etwa dem durchschnittlichen Kilowattstundenpreis in Deutschland.

Gesponsert wird die Tour von einem Ökostromanbieter (eprimo), der sich früher Stromdiscounter nannte. Im Strommix hatte die Tochter des RWE-Konzerns zuletzt auch Atomstrom, wie die Stiftung Warentest bemängelte, immerhin weniger als im Bundesdurchschnitt genutzt wurde. Aber es ist wie bei den Diesel-Stinkern, die die E-Scooter in Hamburg einsammeln – etwas Schwund ist immer. Laut Mitteilung speist sich der Grünstrom des Sponsors zu 100 Prozent aus Wasserkraft.

E-Scooter: Zahl der Unfälle wirklich hoch?

Protagonist der Tour mit dem E-Scooter durch Deutschland ist ein Igor (23), der laut Mitteilung „ein Macher“ ist, der „schon während seines Studiums in Karlsruhe sich in innovative Projekte“ einbrachte. Natürlich wird die Reise begleitet von einem jungen Filmteam. „Ziel ist es, zu zeigen, dass E-Mobilität und Ökostrom maßgeblich für eine nachhaltige Zukunft sind.“

Die Scooter-Promoter wollen auch mit „Mythen“ aufräumen. So sei die Zahl der Unfälle gemessen an der Zahl der Fahrten mit E-Scootern gering. Das habe eine Studie aus der US-Stadt Portland gezeigt. Nicht klar ist, ob Portland in Maine oder Portland in Oregon gemeint ist. Erst in einer Fußnote mit einem Link wird deutlich, dass es um die Großstadt im Bundesstaat Oregon geht.

Sie wurde mehrfach für ihre Fahrradfreundlichkeit ausgezeichnet, es gibt eine Straßenbahn, die lange kostenlos fuhr, reichlich Gratis-Parkplätze in der City für E-Autos und kostenlosen Strom zum Aufladen. Davon ist eine in der Innenstadt und in beliebten Vierteln dicht bebaute Metropole wie Hamburg weit entfernt.

Hamburger Polizei kontrolliert E-Scooter

Hier warnen Ärzte vor schwerwiegenden Folgen der ungeübten Roller-Kurverei. Hier gibt es ein Amüsierviertel (St. Pauli und Sternschanze), in dem promillegestählte Touristen mit ihren Apps die E-Scooter scannen und losschwanken. Und hier kontrolliert die Hamburger Polizei mit großem Erfolg.

Erst am Montag waren 25 Beamte im Einsatz, die von 11 bis 17 Uhr in der Neustadt, in Ottensen und Alsterdorf die Radfahrer, Autofahrer und E-Scooter überwachten. Es habe 232 Verkehrsverstöße gegeben, davon 184 durch Radfahrer, teilte die Polizei am Dienstag mit. 134-mal sei der Gehweg oder eine Fußgängerzone befahren worden, 30-mal wurde demnach das Rotlicht ignoriert. „Nur“ drei Radfahrer hatten ein Handy am Ohr, einer fuhr mit 2,44 Promille.

Bei den E-Scootern sah es laut Polizei so aus: 15 Verstöße, achtmal den Gehweg befahren, dreimal Rot missachtet, zweimal die falsche Radwegseite genommen, zweimal ohne ordentliches Kennzeichen gefahren. Die Autofahrer (33 Verstöße) fielen vor allem durch Wenden (22-mal) auf, wo sie es nicht durften. Die aus Beobachtersicht überraschendste Erkenntnis der Polizisten: „Die Betroffenen zeigten sich überwiegend einsichtig."