St. Georg

Warum Hamburgs Hotelzimmer günstiger werden

Ein neues Hotel mit 277 Zimmern für St. Georg: Das Courtyard by Marriott eröffnet demnächst an der Adenauerallee nahe dem Hauptbahnhof.

Ein neues Hotel mit 277 Zimmern für St. Georg: Das Courtyard by Marriott eröffnet demnächst an der Adenauerallee nahe dem Hauptbahnhof.

Foto: Michael Rauhe / HA

Ein neues Hotel mit 277 Zimmern: Das Courtyard by Marriott eröffnet demnächst an der Adenauerallee nahe dem Hauptbahnhof.

Hamburg. Die Zahl der Neueröffnungen in der Hotellerie reißt nicht ab. Demnächst wird das Courtyard by Marriott Hamburg City an der Adenauerallee in St. Georg mit 277 Zimmern eröffnen. Im September wird das Pier 3 in der HafenCity die ersten Gäste in seinen 212 Zimmern beherbergen.

Bis zum Jahr 2022 sollen noch einmal mehr als 5200 Zimmer in mehr als 20 neuen Häusern entstehen. Das geht aus dem „Hotelmarktbericht Hamburg 2019“ des Investmenthauses Dr. Lübke & Kelber GmbH hervor, der dem Abendblatt vorab vorliegt. In Hamburg gibt es zurzeit mehr als 410 Hotels, Pensionen und Gästehäuser.

Die Tourismusbranche boomt, im vergangenen Jahr konnten mehr als 14,5 Millionen Übernachtungen verzeichnet werden. In diesem Jahr soll die 15-Millionen-Marke geknackt werden. Im Zeitraum von Januar bis Ende April wurden insgesamt rund 4,3 Millionen Übernachtungen gezählt. Das entspricht einem Plus von 3,9 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Doch auch das reicht offensichtlich nicht aus.

Zimmerauslastung ist zurückgegangen

Der Erlös pro Zimmer in der Kettenhotellerie ging 2018 laut der Untersuchung von Dr. Lübke & Kelber um 4,10 Euro auf 78,80 Euro gegenüber dem Vorjahr zurück. Damit landet Hamburg aber bundesweit immer noch auf dem zweiten Platz unter den Top-zehn-Hotelstandorten. Die Nummer eins ist München, mit einem Erlös von 87,10 Euro pro Zimmer.

Auf welcher Grundlage basieren die Zahlen für die Hansestadt? „Ausgewertet werden die Daten von mehr als 50 Kettenhotels in Hamburg. Da ist von der Eins- bis Fünfsternekategorie alles vertreten“, sagte Stefan Behrendt, Marktanalyst bei Dr . Lübke & Kelber. Aber nicht nur die Erlöse sind im vergangenen Jahr zurückgegangen, sondern auch die Zimmerauslastung in der Kettenhotellerie: Diese lag bei durchschnittlich 79,8 Prozent, und damit rund zwei Prozentpunkte unter dem Vorjahr. Damit bleibt Hamburg aber trotzdem auf dem ersten Platz vor Berlin und München.

Unterdurchschnittliches Preisniveau

In diesem Jahr wird es nicht besser: Das Statistische Landesamt Nord hat die Zimmerauslastung in den 244 Hamburger Hotels – Privat- und Kettenhotels – mit jeweils mehr als 25 Zimmern für den Zeitraum von Januar bis April 2019 ausgewertet. Demnach waren sie im Schnitt nur noch zu 70,5 Prozent ausgelastet.

Klartext spricht Logistikunternehmer und HSV-Investor Klaus-Michael Kühne, dem das Luxushotel The Fontenay an der Außenalster gehört: „Der Hamburger Hotelmarkt gibt in der Tat Anlass zur Sorge. Abgesehen von erheblichen Überkapazitäten war das Preisniveau schon immer weit unterdurchschnittlich.“ Kühne sagte dem Abendblatt weiter: „Verglichen mit ausländischen Metropolen, ist Hamburg, was Hotelpreise betrifft, ein Zwerg. Das gilt auch für die Bereiche Tourismus, Teile des Kulturangebots und den Fußball.“

Mit Sorge verfolgt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) die Entwicklung: „Dieser Marktbericht bestätigt unsere verbandsinterne Analyse, dass das Bettenangebot der Hamburger Hotellerie nach vielen Jahren einer parallelen Entwicklung schneller wächst als die Nachfrage. Das wirkt sich negativ auf die Auslastung aus und wird den Druck auf den eh sehr angespannten Arbeitsmarkt für Fachkräfte im Gastgewerbe weiter erhöhen“, sagte Präsident Franz Klein dem Abendblatt. Klein fordert: „Diese Entwicklung verlangt auch seitens der Stadt eine größere Sensibilität bei der Ansiedlung neuer Hotels.“

Konkurrenzdruck steigt

Auch Daniela Bense, Projektmanagerin Hotel von Dr. Lübke & Kelber, weiß: „Wenn immer mehr Hotels eröffnen, steigt natürlich der Konkurrenzdruck in der Branche. Das kann unter Umständen für familiengeführte Häuser, die nicht regelmäßig in ihre Ausstattung investieren, das Aus bedeuten.“ Denn die Gäste könnten aus einem größeren Angebot zu attraktiven Preisen in Hamburg wählen.“

Eine Abendblatt-Recherche hat ergeben, wie günstig die Preise in Hamburg sind. Auch in der Fünfsternehotellerie. Im Steigenberger an der Heiligengeistbrücke kostet ein Doppelzimmer für zwei Nächte am ersten Augustwochenende 313 Euro. Im Grand Elysée an der Rothenbaumchaussee sind es 320 Euro. Direktor André Vedovelli sagt: „Das Grand Elysée Hamburg verfolgt erfolgreich eine saisonale Festpreispolitik, ein aggressives Ertragsmanagement lehnen wir ab. Unsere Rate ist stabil,und der Erlös pro Zimmer entspricht 2018.“

Aber Vedovelli sagt auch: „Generell ist festzustellen, dass durch die zahlreichen neuen Hotels ein Preiskampf stattfindet, an dem wir uns nicht beteiligen.“ Konkurrenz belebt das Geschäft, findet Franco Esposito, Direktor des Hotels Atlantic Kempinski: „Der zunehmende Wettbewerb sorgt für eine höhere Attraktivität in der Hansestadt, von der auch zukünftig alle Hotels profitieren werden.“