Neue Elektromobilität

Hamburger empfinden E-Scooter meist als Störer

Abendblatt-Reporterin Berit Rasche auf einem E-Tretroller.

Abendblatt-Reporterin Berit Rasche auf einem E-Tretroller.

Foto: Sebastian Becht / Sebastian Becht / FUNKE Foto Services

Abendblatt-Tester über das Verhältnis zu anderen Verkehrsteilnehmern: Hupende Busse, erschreckte Fußgänger.

Hamburg. Einfach die App herunterladen und ab geht der Spaß. Die E-Scooter sollen einen schnell und umweltschonend zum Ziel bringen. Seit knapp drei Wochen stehen die Elektro-Kleinfahrzeuge auch in Teilen Hamburgs zum Verleih bereit. 2160 Roller sind es nach Angaben der Verkehrsbehörde mittlerweile schon – nur in Berlin und Köln gibt es mehr Leihroller. In Hamburg sind bislang vier Firmen aktiv: Lime, Tier, Voi und Circ. Zwei weitere Anbieter stehen nach Informationen der Verkehrsbehörde in den Startlöchern: der US-Riese Bird und das Hamburger Start-up Floatility.

Wir haben die Roller der Marke Tier getestet. An den Rollern selbst ist bei kurzzeitigem Gebrauch nicht viel zu bemängeln, das weitaus größere Problem stellen die teilweise schlechten Radwege dar.

Scooter sind leicht zu bedienen

Die Scooter selbst sind leicht zu bedienen. Vom Installieren der App bis zum Fahrtende wird einem jeder Handgriff gut verständlich gemacht. Das breite Trittbrett lässt einen während der Fahrt sicher stehen und ein kleiner Hebel die Geschwindigkeit leicht dosieren. Mit dem ersten Antritt ist der anstrengende Teil dieser Fortbewegungsart auch schon vorüber.

Besonders entspannt kann man sich den Wind allerdings nicht um die Ohren wehen lassen. Wo kein Fahrradweg vorhanden ist, sollen die Roller auf die Straße ausweichen. Bei höherem Verkehrsaufkommen fühlen wir zwei Testfahrer uns zwischen den anderen, weitaus größeren und schnelleren Fahrbahnbenutzern allerdings nicht sonderlich sicher.

In einer engen Straße werden wir außerdem angehupt, weil uns ein Bus nicht überholen kann und sich offenbar durch uns in seinem Tempo eingeschränkt fühlt. Der schwere Roller lässt sich aber auch nicht einfach von der Straße auf den Gehweg heben, wo er allerdings sowieso nichts zu suchen hätte.

Gehwege dürfen nicht genutzt werden

Ob mit ausgeschaltetem Motor oder bei voller Fahrt: Mit E-Rollern dürfen Gehwege ausdrücklich nicht genutzt werden. So mancher Passant zeigt bei unseren Test trotz vorsichtiger Fahrweise deutlich Verunsicherung und springt erschrocken zur Seite. Bei einer fünfstündigen Kontrolle durch die Fahrradstaffel der Polizei im Bereich Altona und Innenstadt am vergangenen Freitag hatten die Beamten sieben Rollerfahrer auf dem Gehweg gesichtet, drei Roller waren auf der falschen Radwegseite unterwegs.

Fazit: Schon bevor die E-Scooter in die Stadt kamen, waren es voll auf den Radwegen in der City. Da nun zusätzlich die E-Roller darauf unterwegs sind, wird es noch einmal deutlich schwieriger, dass alle zu ihrem Recht kommen. Je mehr sich die Scooter verbreiten, desto schwieriger dürfte es werden.