Tierschutzkampagne

„Wut, eher Hass“: Streit um Miniatur Wunderland dauert an

Die Motive zeigen nackte Menschen in Tierställen.

Die Motive zeigen nackte Menschen in Tierställen.

Foto: Miniatur Wunderland

Gründer wehren sich mit deutlichen Worten gegen Kritik des Bauernverbands. Besuchern fallen provokante Plakate dagegen kaum auf.

Hamburg.  Es ist nicht das erste Mal, dass die Modellbauer im Miniatur Wunderland auch politische Haltung zeigen: Die Gründer Gerrit und Frederik Braun haben bereits eine Miniatur von Greta Thunberg auf einer dahinschmelzenden Eisscholle platziert oder eine Mauer um die nachgestellten USA während des US-Präsidentschaftswahlkampfs installiert. Doch nichts hat eine vergleichbare Kon­troverse ausgelöst wie die Plakate der aktuellen Tierschutzkampagne, die seit einigen Tagen in der fiktiven Miniaturstadt „Knuffingen“ zu sehen sind.

Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte das Miniatur Wunderland auf ihrer Facebook-Seite die Motive, die unter anderem Babys abbilden, die auf einem Förderband Richtung Schredder transportiert werden, oder nackte Frauen an einer Melkstation (das Abendblatt berichtete). Binnen 72 Stunden wurde der Post bereits tausendfach geteilt und tausendfach kommentiert. Die Kontroverse in den sozialen Netzwerken ebbte auch am Wochenende nicht ab.

Eine Befragung des Abendblatts im Miniatur Wunderland ergab dagegen, dass viele Besucher die Plakate erst gar nicht bemerken. Denn sie sind, wie die gesamte Miniaturwelt auch, in einem Maßstab von 1:87 modelliert. Das heißt, sie haben etwa die Größe einer Kreditkarte. Neben großen Feuerwehreinsatz-Szenerien, vorbeirauschenden Zügen und Autos fallen sie in der hügeligen Landschaft kaum auf.

Besucher begrüßen die Aktion

Nur drei von 27 Befragten hatten die Schilder von allein bemerkt. Auf die Schilder aufmerksam gemacht, war die Reaktion so gut wie einhellig: Gerade durch die Obszönität der Motive regte sie zum Nachdenken an. Die Aktion sei deshalb zu begrüßen. „Wir finden die provokante Art der Darstellung gut, weil es schockiert, wenn Menschen so behandelt werden würden wie manche Tiere in der Massentierhaltung“, sagen zum Beispiel zwei Besucherinnen, die nach eigenen Angaben selbst in der Landwirtschaft tätig sind.

Der Bauernverband Schleswig-Holstein hatte schnell und scharf auf die Provokation der Wunderland-Macher reagiert. In mehreren Beiträgen bei Facebook nannte er die Aktion „abartig“. Mit der Inszenierung von Menschen in der Rolle der Tiere folgten die Modellbauer der „Täterideologie der Tierrechtler“. In den sozialen Medien feindeten sich beide Lager in den vergangenen Tagen mit teils heftigen Beiträgen offen an.

Einer der Macher des Museums, Gerrit Braun, griff in einem Beitrag bei Facebook den Bauernverband Schleswig-Holstein an. Er rief seine Unterstützer dazu auf, ihm gegen die „verbalen Entgleisungen“ der Gegenseite zu helfen. Er sprach auch davon, dass bewusst „Wut, eher Hass“ erzeugt werde, offenbar eine „Hetzkampagne“. Mehrere Facebook-Nutzer drückten daraufhin erneut ihre Unterstützung aus und lobten die Modellbauer für ihren Mut zur Provokation.

Das Ziel der Bauern und des Wunderlands ist eigentlich das gleiche

Frederik Braun sagte dem Abendblatt, dass es ihm leidtue, dass der schleswig-holsteinische Landesverband der Bauern sich angegriffen fühle – er wolle sich aber nicht entschuldigen. „Der Landesverband der Bauern und das Wunderland haben eigentlich das gleiche Ziel: Wir wollen in den Köpfen der Verbraucher ein Bewusstsein schaffen, dass diese bereit sind, für besseres Fleisch mehr Geld auszugeben. Im Umkehrschluss sollten die Konzerne die Bauern finanziell mehr unterstützen.“

Unter den Besuchern im Miniatur Wunderland waren bei dem Besuch des Abendblatts vereinzelt jedoch auch Stimmen, denen die Aktion zu weit ging. „Politische Einstellungen oder Debatten haben in einem politisch freien Ort wie die Miniaturwelt nichts zu suchen“, so ein Besucher. Für eine 43 Jahre alte Besucherin aus Frankreich sind die Plakatmotive dagegen nicht ausreichend. „Es ist gut zu schockieren, aber man muss auch in der Politik etwas ändern.“