Hamburg

E-Scooter gibt es auch von Hochbahn und Voi zu mieten

Christopher Kaindl, Claus Unterkircher (Voi) u. Sebastian Hofer.

Christopher Kaindl, Claus Unterkircher (Voi) u. Sebastian Hofer.

Foto: Michael Rauhe

Eigene Abstellanlagen an Haltestellen in Berne und Poppenbüttel geplant. Der Anbieter will aber auch in der Innenstadt aktiv werden.

Hamburg. Busse und U-Bahnen, das verbinden die Hamburger mit der Hochbahn. Doch das Verkehrsunternehmen geht mit der Zeit und entdeckt immer neue Geschäftsfelder für sich: Nun kooperiert die Hochbahn mit Voi. Das ist ein Start-up aus Schweden. Der Sharinganbieter hat sich auf die Vermietung von E-Scootern spezialisiert. In 24 Städten, darunter Stockholm, Oslo und Kopenhagen, ist das Unternehmen schon aktiv. „Wenn die Betriebserlaubnis vom Kraftfahrtbundesamt vorliegt, werden wir voraussichtlich von Juli an auch in Hamburg aktiv sein“, kündigte Deutschlandchef Claus Unterkircher dem Abendblatt gegenüber exklusiv an.

Hochbahn und Voi werden zunächst ein auf sechs Monate angelegtes Pilotprojekt starten: „Die E-Scooter von Voi können an der U-Bahn-Haltestelle Berne und der S-Bahn-Haltestelle Poppenbüttel angemietet werden. Es werden dafür spezielle Abstellmöglichkeiten an den P+R Anlagen der beiden Stationen aufgestellt“, sagte Hochbahn-Projektleiter Sebastian Hofer. Das Gebiet, in dem die E-Roller abgestellt werden dürfen, verläuft zwischen diesen Standorten und ist etwa fünf Quadratkilometer groß.

Zunächst 60 E-Scooter

Wer einen der pinkfarbenen Elektro-Tretroller ausleihen möchte, muss sich zuvor die Voi-App herunterladen und kann den E-Scooter per Mobiltelefon freischalten. „Der E-Scooter kann dann in dem Gebiet des Pilotprojekts für die letzte Meile von der Haltestelle nach Hause genutzt und auf dem Fußweg abgestellt werden. Dort kann es sich der nächste Kunde abholen und es zum Beispiel für den Weg zur U-Bahn-Station benutzen“, sagt Sebastian Hofer. Dem Verkehrsunternehmen sei es wichtig, verschiedene Mobilitätsangebote so zu kombinieren, dass sie eine Alternative zum privaten Pkw bieten können – deshalb nun die Zusammenarbeit mit Voi.

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Im Zuge der Kooperation werden zunächst 60 E-Scooter eingesetzt. „Wir sehen aber durchaus Potenzial dafür, dass wir das Projekt nach einer erfolgreichen Pilotphase ausweiten und auch weitere Haltestellen in anderen Gebieten mit dieser Zubringerlösung erschließen“, sagte Hofer.

Die Elektroroller fahren maximal 20 Stundenkilometer und haben eine Reichweite von etwa 35 Kilometern. „Zum Aufladen und für Reparaturen werden die E-Scooter an einen zentralen Standort in Hamburg gebracht. Der Mietvertrag für die Fläche wird in Kürze unterzeichnet“, sagt Unterkircher.

Europaweit mehr als drei Millionen Fahrten

Aber es könnte durchaus sein, dass schon bald Hunderte der Voi-Elektroroller in Hamburg unterwegs sind. „Wir werden unser Produkt auch in der Innenstadt und in Stadtteilen wie Eppendorf oder Winterhude anbieten. Dort stehen diese dann auf breiten Fußwegen oder zentralen Plätzen und können angemietet werden. Wir wollen aber Hamburg nicht mit unseren E-Scootern überschwemmen, sondern als Bereicherung wahrgenommen werden“, sagt Unter­kircher. Wie viele Voi-Fahrzeuge es in Hamburg geben wird, kann Unterkircher noch nicht sagen: „Die Flotte wird nach und nach ausgebaut werden, und natürlich ist die Anzahl von der Nachfrage abhängig.“ Bleibt die Frage nach den Kosten. Für eine Fahrt werden etwa 10 bis 20 Cent pro Minute berechnet. Die meisten Nutzer würden die E-Scooter nach zehn bis 20 Minuten wieder abstellen, berichtet Unterkircher.

Seit der Gründung im August 2018 habe es europaweit schon mehr als drei Millionen Fahrten mit den Voi-E-Scootern gegeben, so der Deutschlandchef. Allein in der schwedischen Hauptstadt Stockholm sind rund 2000 Elektro-Tretroller im Einsatz. Aber das junge Unternehmen hat nicht nur Hamburg im Auge, sondern will auch in anderen deutschen Städten demnächst vertreten sein. Dazu sollen nach Abendblatt-Informationen auch Berlin und Köln gehören.