Umwelt- und Gesundheitsschutz

Hamburger Hygiene-Institut soll in Neubau ziehen

Mitarbeiterin Heidi Kocken bei der Laborarbeit.

Mitarbeiterin Heidi Kocken bei der Laborarbeit.

Foto: Bertold Fabricius

Das gemietete Gebäude in Rothenburgsort – ein ehemaliges Kinderkrankenhaus – ist stark sanierungsbedürftig.

Hamburg.  Das traditionsreiche Institut für Hygiene und Umwelt (HU) soll in einen Neubau umziehen. Da das bisherige Gebäude, das 1914 errichtete ehemalige Kinderkrankenhauses Rothenburgsort an der Marckmannstraße, stark sanierungsbedürftig ist, haben die beteiligten Behörden „auf Basis wirtschaftlicher wie funktioneller Erwägungen“ beschlossen, „die Neubauvariante mit Priorität weiterzuverfolgen“, antwortet der Senat auf eine Kleine Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Thilo Kleibauer.

Ein neuer Standort für die 300 Mitarbeiter wird demnach noch gesucht, auch über die Kosten macht der Senat noch keine konkreten Angaben. Sie dürften aber im deutlich zweistelligen Millionenbereich liegen. Der Sanierungsbedarf am Altbau war schon vor Jahren mit rund 15 Millionen Euro beziffert worden.

Das Hygieneinstitut ist eng mit der Geschichte Hamburgs verbunden. Seine Gründung war eine unmittelbare Reaktion der Stadt auf die Cholera-Epidemie im Sommer 1892. Ausgelöst durch verschmutztes Trinkwasser und katastrophale hygienische Zustände vor allem in den ärmeren Quartieren hatte die Cholera seinerzeit 8605 Todesopfer gefordert.

Institut nach Cholera-Epedimie gegründet

Der Hamburger Senat hatte daraus weitreichende Konsequenzen gezogen, unter anderem wurde die Filtrationsanlage der Stadtwasserwerke auf der Elbinsel Kalte­hofe in aller Eile fertiggestellt. „Auch die Zuständigkeiten in der Hamburger Gesundheitspflege wurden auf solide Füße gestellt“, heißt es im Bericht zum 125-jährigen Bestehen des HU: „Eine zentrale Einrichtung sollte sich fortan um das Trink- und Abwasser, die Seuchenprävention, Lebensmittelkontrollen und die hygienischen Zustände in Hamburg kümmern – das Hygienische Institut war geboren.“

Seine Geschichte verlief äußerst wechselhaft: Mehrfach wurden die Aufgabenbereiche erweitert, die Organisationsform geändert und der Standort gewechselt. 1899 wurde ein repräsentativer Neubau an der Jungiusstraße bezogen, und bereits 1925 galt das damalige HI als größtes Hygiene-Institut in Deutschland. Nachdem das Gebäude an der Jungiusstraße im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, folgten weitere Umzüge, bis schließlich Mitte der 1980er-Jahre das ehemalige Kinderkrankenhaus zum Laborgebäude umgebaut wurde. Das Gebäude hatte der Architekt Henry Grell entworfen, von dem auch die Pläne für den Bahnhof Ohlsdorf und etliche Kontorhäuser in der City stammten.

Pro Jahr mehr als 250.000 Proben

Seit die Stadt im Rahmen einer großen Privatisierungswelle Anfang der 2000er-Jahre diverse Immobilien verkauft hat, ist sie auch in Rothenburgsort nur noch Mieterin. Doch stelle die Neubauvariante „die wirtschaftlichste Variante dar und kann die technischen Anforderungen an ein modernes Laborgebäude am besten realisieren“.

Das Institut für Hygiene und Umwelt (HU), wie es seit rund 15 Jahren heißt, ist heute quasi das „Landeslabor“. Pro Jahr werden mehr als 250.000 Proben aus Lebensmitteln, Medizin und Umwelt analysiert und mehr als eine Million weitere Leistungen erbracht. Unter anderem betreibt das HU auch die Umweltmessnetze, führt Impfungen durch und überwacht die hygienischen Zustände in Krankenhäusern. Auch der Hafen- und Flughafenärztliche Dienst ist Teil des HU. Dieser sowie das Impfzen­trum, die bislang noch in Außenstellen untergebracht sind, könnten im Zuge des Neubaus auch baulich integriert werden.

Fest steht laut Senat aber bislang nur, dass der Neubau im Mieter-Vermieter-Modell umgesetzt werden soll. Dabei soll die städtische Immobilienfirma Sprinkenhof GmbH als Bauherr und Vermieter auftreten und das HU als Mieter. Der CDU-Finanzexperte Kleibauer sieht das mit gemischten Gefühlen. „Die Planungen für einen Neubau sind grundsätzlich sinnvoll.“ Auf der anderen Seite erinnert er den Senat an dessen Versprechen, das Mieter-Vermieter-Modell zu evaluieren – also zu untersuchen, ob diese Organisationsform wirklich die wirtschaftlichste und sinnvollste ist.