Verkehrsoffensive

Hamburger Senat knöpft sich Zweite-Reihe-Parker vor

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Daniel Herder
Der Autofahrer im Hamburger Straßenverkehr: Er leidet, er grollt, und vielleicht betet er zuweilen, um störungsfrei von A nach B zu gelangen

Der Autofahrer im Hamburger Straßenverkehr: Er leidet, er grollt, und vielleicht betet er zuweilen, um störungsfrei von A nach B zu gelangen

Im Oktober hatte Bürgermeister Tschentscher 24 Maßnahmen gegen Stau vorgestellt. Doch bisher wurden nicht alle umgesetzt.

Der Autofahrer im Hamburger Straßenverkehr: Er leidet, er grollt, und vielleicht betet er zuweilen, um störungsfrei von A nach B zu gelangen. Etliche städtische Großbaustellen – aktuell sind es 80, bis Jahresende kommen 40 weitere hinzu – bringen den Verkehr mitunter schwer aus dem Takt. Zwar sind viele Baustellen notwendig, um das marode Straßennetz zu sanieren. Nichtsdestotrotz hat Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) Ende Oktober 2018 mit Blick auf die Baustellenkoordination trocken analysiert: „Das nervt ja schon.“

Kurz nach Tschentschers Äußerung hat der Senat 24 Maßnahmen vorgestellt, die den Verkehrsfluss verbessern sollen. Mit deren Umsetzung hat er mehrere städtische Akteure betraut, darunter die Innenbehörde mit der Polizei und die Verkehrsbehörde mit dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) und der HPA. Am Montag haben Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) und Innensenator Andy Grote (SPD) die vorläufigen Ergebnisse der Verkehrs- und Baustellenoffensive vorgestellt. „Wir sind noch nicht überall bei 100 Prozent, aber wir sind auf einem guten Weg“, sagte Westhagemann. Wie es laufe sollte, zeige beispielsweise die Baustelle am Deichtorplatz – dort würden gleichzeitig mehrere Arbeiten erledigt. „Darauf sind wir stolz“, so Westhagemann.

Zweite-Reihe-Parker im Visier

13 der 24 beschlossenen Maßnahmen sind bisher ganz oder teilweise umgesetzt worden. Beispiel Zweite-Reihe-Parker. Die sorgen an belasteten Straßen regelmäßig für stockenden Verkehr oder zwingen zu gefährlichen Ausweichmanövern. Mit 20 zusätzlichen Angestellten im Polizeidienst – die Auswahlverfahren laufen noch – will die Polizei künftig Zweite-Reihe-Parker und Radwegeparker verstärkt ins Visier nehmen.

Das Personal werde im Laufe des Jahres bereitstehen, es solle dem Objektschutz der Bereitschaftspolizei unterstellt werden, sagte Ulf Schröder, Leiter der Hamburger Verkehrsdirektion. Schon jetzt seien die Beamten angehalten, noch konsequenter gegen derartige Falschparker einzuschreiten.

Unfallfahrzeuge schneller von der Straße

Um den „Verkehrsfluss zu optimieren“, will die Polizei außerdem Unfallfahrzeuge schneller von der Fahrbahn holen als bisher, so Schröder. Vor allem aber wollen sich die Hamburger Verkehrs-Akteure besser abstimmen, um durch Baustellen bedingte Staulagen auf den Straßen zu vermeiden. Um die „Informationslage zu verbessern und bei Fehlentwicklungen frühzeitig eingreifen zu können“, tauschen sich einmal im Monat bei einer sogenannten Regionalkonferenz Vertreter der Bezirke, der Polizei, der Leistungsunternehmen (Gas, Strom, Wasser), der HPA und des LSBG aus.

Täglich steht die Polizei zudem telefonisch mit den Verkehrskoordinatoren der Stadt in Kontakt. In jedem der sieben Hamburger Bezirke werden künftig zwei Verkehrskoordinatoren eingesetzt. Sechs der 14 Stellen sind bereits besetzt, im Juli sollen es zwölf sein. Aufgestockt wurde auch das Personal in der für die Baustellen-Koordinierung zuständigen Stelle KOST – sie verfügt nun über 13 Mitarbeiter; vorher waren es nur sechs.

Drei weitere Stellen sollen noch besetzt werden. Um sicherzustellen, dass die Baumaßnahmen so umgesetzt werden wie geplant, sollen Mitarbeiter des LSBG die Baustellen überwachen. Kommt es dort zu Verzögerungen oder wird nicht zeitig zurückgebaut, sollen sie die Fälle melden. Das Personal dafür werde gerade noch geschult, so der Senat.

Keine gleichzeitigen Baustellen an Haupteinfallstraßen mehr

Auch sollen Baustellen in Zukunft nicht an mehreren Haupteinfahrstraßen gleichzeitig eingerichtet werden. Eine derartige Fehlplanung hat in der Vergangenheit die Entstehung von Staus begünstigt. Zudem, so der Senat, wolle man Sorge dafür tragen, dass bei größeren Projekten die Umleitungs- und Ausweichstrecken weitgehend frei von Hindernissen sind.

Wie wichtig gerade dieser Punkt ist, dokumentiert die Lage in Winterhude – dort stellt die gleichzeitige Sperrung der Krugkoppelbrücke und des Mühlenkamps/Hofwegs die Geduld der Autofahrer derzeit auf eine harte Probe.

Besser läuft es hingegen auf der Querung der B5 über die A1 bei Billstedt. Dort sollen zwei Brücken abgerissen und neugebaut werden. Morgens, wenn die Pendler in die Stadt drängen, werden zwei Fahrspuren in Richtung stadteinwärts freigegeben, Richtung Bergedorf steht dann nur eine Spur zur Verfügung. Abends läuft es genau umgekehrt. Das funktioniert sogar vollautomatisch: Mit einem Knopfdruck kann die Verkehrsleitzentrale der Polizei die Ampeln und die Verkehrsführung umstellen. Westhagemann kündigte außerdem an, den dichten LKW-Verkehr im Hafen während der morgendlichen Pendler-Stoßzeiten entzerren zu wollen. Konkrete Vorschläge nannte er nicht.

Baustellenkarte soll Überblick schaffen

Für die Bürger besonders interessant dürfte die Baustellenkarte (hamburg.de/baustellen) sein – hier sind alle aktuellen und für die kommenden sieben Tage geplanten Baustellen verzeichnet. Genauere Informationen zu allen Baumaßnahmen liefert zudem die neue Telefon-Hotline unter der Nummer 040/42828-2020. „Mit unserem Maßnahmen und einem schlagkräftigen Team wollen wir dafür sorgen, dass der Verkehr trotz Baustellen flüssig bleibt und dass schnell und eindeutig kommuniziert wird“, sagt Verkehrssenator Westhagemann.

Baustellen werden aber auch künftig das Antlitz der Stadt prägen. Man müsse nun mal die „gesamte Infrastruktur“ in Schuss bringen. Die Behinderungen wolle man jedoch „so gering wie möglich halten.“ Ähnlich sieht es auch Innensenator Andy Grote (SPD): „Unser Anspruch muss sein, dass wir bei allen notwendigen Investitionen in unsere Infrastruktur immer noch gut durch die Stadt kommen.“ Der Opposition gehen die Bemühungen noch nicht weit genug. Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion, Ewald Aukes, spricht von einer „dünnen Zwischenbilanz“. Spürbare Entlastungen der „staugeplagten Bürger“ ließen weiter auf sich warten.

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