St. Georg

Vergewaltigung auf Verkehrsinsel – "Mein Mädchen für alles"

Eine Gruppe von Menschen steht vor der Kontakt- und Beratungsstelle für Drogenabhängige, dem Drob Inn. In unmittelbarer Nähe soll sich die Vergewaltigung ereignet haben (Archivfoto).

Eine Gruppe von Menschen steht vor der Kontakt- und Beratungsstelle für Drogenabhängige, dem Drob Inn. In unmittelbarer Nähe soll sich die Vergewaltigung ereignet haben (Archivfoto).

Foto: dpa

Evgenij F. soll eine Drogensüchtige mit dem Messer bedroht und dann missbraucht haben. Nun steht er vor dem Landgericht.

Hamburg. Wenn er Sex wollte, zahlte er dafür nach eigenen Angaben mit Heroin und Crack. Am 26. August 2017 soll der drogenabhängige Mann seine elf Jahre ältere Bekannte jedoch brutal vergewaltigt haben – mitten auf einer Verkehrsinsel an der Kurt-Schumacher-Allee. Seit Donnerstag steht Evgenij F., der mutmaßliche Täter, vor dem Landgericht. Der 37-Jährige bestreitet die Tat.

Am Abend des 26. August 2017 hat der Angeklagte nach den Ermittlungen Carmen D., das spätere Opfer und ebenfalls drogenabhängig, am Drob Inn getroffen – die Beratungsstelle mit integriertem Drogenkonsum gilt als Hauptanlaufpunkt der Hamburger Szene. Dort habe er die 48-Jährige gefragt, ob sie mit ihm schlafen wolle. Sodann soll er ihr ein Messer an den Hals gehalten und sie zu der Verkehrsinsel an der Kurt-Schumacher-Allee gezerrt haben. Wenn sie nicht mitkomme, steche er sie ab, soll er der zitternden und weinenden Frau gedroht haben.

Sex für Heroin in der Szene angeblich "üblich"

Auf der Verkehrsinsel verging er sich, erneut unter Einsatz des Messers, auf brutale Weise an ihr, so die Anklage. Nach dem erzwungenen Akt packte er sie am Genick und schleifte sie zurück zum Drob Inn, wo er schließlich von seinem Opfer abließ. Am Folgetag vertraute sich die mutmaßlich vergewaltigte Frau einem Bekannten und dann der Polizei an. Bei ihr und an dem Tat-Messer seien DNA-Spuren gesichert worden, die zu dem jetzt Angeklagten führten, so die Staatsanwaltschaft auf Anfrage.

In einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung wies der Angeklagte am Donnerstag die Vorwürfe zurück. „Es kann gut sein, dass ich an dem Tag Sex mit ihr hatte, aber diese Tat habe ich nicht begangen. Ich habe sie nicht gegen ihren Willen zum Sex gezwungen“, so Evgenij F. Er wisse auch nicht, wo sich die Verkehrsinsel befinde. Er habe regelmäßig Frauen für Sex mit Heroin und Crack bezahlt, das sei im Umfeld des Szenetreffpunktes in St. Georg „ganz üblich“. Für „fünf Euro“ sei er dann mit ihnen auf ein Hotelzimmer gegangen.

"Mädchen für alles"

Kennengelernt habe er Carmen D. vor vier Jahren auf der Veddel. Er sei in der Folge häufig mit ihr intim geworden, „manchmal zwei Mal im Monat, manchmal gar nicht“. Dafür habe er ihr Crack gegeben. Die 48-Jährige habe gesagt, im Tausch gegen die Drogen könne er „alles mit ihr machen“. Sie sei praktisch sein „Mädchen für alles“ gewesen, so der Angeklagte. „Vor meiner Inhaftierung wusste ich gar nicht, wie sie mit richtigem Vor- und Nachnamen heißt“, so der Angeklagte. Ende November 2018 nahm die Polizei ihn fest. Kurz darauf kam er in U-Haft.

Carmen D., das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer, ist zurzeit nicht auffindbar. Ihre Wohnung in einem Therapiezentrum für drogenabhängige Frauen sei abgemeldet worden. Milieufahnder sollen jetzt nach der Zeugin suchen – zuletzt soll die 48-Jährige am 1. Mai im Bereich des Hauptbahnhofes gesichtet worden sein.