Fischereihafen

Kowalke: „Führen das Restaurant in Papas Sinn weiter“

Sie leiten das Fischereihafen Restaurant nach Rüdiger Kowalkes Tod: Susanne Kowalke, Witwe des Verstorbenen, und Sohn Dirk.

Sie leiten das Fischereihafen Restaurant nach Rüdiger Kowalkes Tod: Susanne Kowalke, Witwe des Verstorbenen, und Sohn Dirk.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Drei Monate nach dem Tod von Gründer Rüdiger Kowalke ist im Fischereihafen Restaurant der Alltag zurückgekehrt. Fast.

Hamburg.  Susanne Kowalke hat ein neues Ritual. „Jeden Freitag kaufe ich auf dem Blankeneser Wochenmarkt zwei Rosensträuße der Sorte „Pink Floyd“. „Das ist unsere Lieblingsblume. Ein Bund kommt zu mir in die Wohnung, den anderen Strauß bringe ich Rüdiger.“ Und zwar auf sein Grab auf dem Friedhof in Nienstedten.

Drei Monate ist es nun her, dass Rüdiger Kowalke, Gründer und langjähriger Betreiber des Fischereihafen Restaurants an der Großen Elbstraße, in den frühen Morgenstunden nach langer schwerer Krankheit gestorben ist. Am 16. Februar war das, Rüdiger Kowalke wurde 71 Jahre alt.

„Wir führen den Betrieb in seinem Sinne weiter“, sagt Dirk Kowalke. Er ist der Sohn und schon seit mehr als 20 Jahren Geschäftsführer im Lokal. „Operativ gibt es keine Veränderungen. Aber Papa fehlt als Ratgeber und große Persönlichkeit.“ Und auch wenn der 48-Jährige den Betrieb bereits lange führt, ist trotzdem seit drei Monaten alles anders. „In die neue Situation muss ich doch erst hineinwachsen“, sagt er.

Wohnzimmeratmosphäre und Elbblick

Rüdiger Kowalke hatte das Fischereihafen Restaurant Anfang 1981 übernommen und zu einem der besten Lokale mit Fischspezialitäten in Deutschland gemacht. Der gebürtige Lübecker trug stolz den Titel „Fischpapst“, bewirtete Prominenz und No Names gleichermaßen herzlich in den klassisch eingerichteten Räumen mit Wohnzimmeratmosphäre und Elbblick.

„Jetzt sind wir mit Dirk und mir sowie meinem Sohn Benni nur noch drei Gastgeber“, sagt Susanne Kowalke. „In Gedanken ist Rüdiger immer mit dabei.“ Kurz nach seinem Tod stand für einige Wochen ein großes Foto des Gastronomen neben dem Kondolenzbuch am Eingang. „Aber wir wollen keinen Schrein. Und es gibt so viele Bilder meines Mannes mit Prominenten aus all den Jahren hier in der Bar.“

Trauerfeier für Rüdiger Kowalke:

Dirk Kowalke hat den Eindruck, dass das Personal im Lokal seit dem Tod des Seniors noch enger zusammengerückt ist. „Mein Vater war streng, aber ein Menschenfreund und ist mit seinem Team anständig umgegangen.“ Dafür spricht, dass viele Beschäftigte dem Betrieb seit Jahren treu sind.

Vater war immer ein Vorbild

Für den Sohn war der Vater immer ein Vorbild. Die letzten Gespräche bei alkoholfreiem Bier und Ingwersüppchen aus dem Restaurant sind für den 48-Jährigen ein wertvoller Schatz. „Es ging um meine Kindheit in Kaltenkirchen und andere Familien-Erinnerungen. Jetzt ist da niemand mehr, den ich fragen kann.“

Dirk Kowalke war froh, dass er am Tag nach dem Tod seines Vaters wieder Dienst im Lokal hatte. Ein bedrückendes Gespräch musste er jedoch schon am Todestag führen. „Ich habe am Abend als ersten Freund Uwe Seeler angerufen. Der hatte nämlich für den 17. Februar für ein Familienessen reserviert. Anlass war der 60. Hochzeitstag von Uwe und seiner Frau Ilka. Und ich wollte nicht, dass sie erst im Restaurant von Papas Tod erfahren.“

Der Betrieb war weder am Todestag noch am Tag der Trauerfeier geschlossen. „Das Leben geht weiter, Rüdiger hätte es so gewollt“, sagt Kowalkes Witwe. Die 63-Jährige bezeichnet ihren Mann noch immer als „Stehaufmännchen“. Aber zum Schluss habe er der Krankheit nichts mehr entgegenzusetzen gehabt. „Wir waren fast 30 Jahre lang ein gutes Team. Ringsum eins. Privat und geschäftlich.“

Letzte Urlaube auf Mallorca und in Venedig

Jeden Tag besucht sie ihn auf dem Friedhof, auf dem auch ihre Mutter begraben ist. „Da finde ich Ruhe“, sagt Susanne Kowalke. Das Restaurant, die Familie, die Enkel Fiona und Konstantin (beide 19) sowie Henri (2) und Hund Franzi geben ihr Halt. Freunde rufen an, wollen mit ihr verreisen und Golfrunden vereinbaren. „Das freut mich, aber ich brauche auch Zeit für mich.“

Susanne Kowalke denkt gern an die letzten Urlaube mit ihrem Mann zurück, Mallorca im vergangenen Juni und fünf Tage Venedig im September. „Das wollte Rüdiger unbedingt noch erleben. Wir haben im Hotel Cipriani gewohnt, er hat uns ein privates Boot gemietet, und wir haben in Harry’s Bar einen Drink genommen.“ Danach sei es dann doch bergab gegangen. Die 63-Jährige sagt, sie hätte sich gerne noch die nächsten 20 Jahre um ihren Mann Rüdiger gekümmert. „Aber es ist mir auch sehr nahe gegangen, dass er so leiden musste.“

So denkt auch Sohn Dirk. „Und es ist doch wichtig, dass man sich im Leben mit dem Tod auseinandersetzt, dass Sterben unausweichlich ist. Im Herzen ist Rüdiger immer bei uns.“