Schüler-Petition

Linke fordert "Realitätscheck" für zentrale Abituraufgaben

In mehreren Bundesländern haben Schüler Online-Petitionen verfasst.

In mehreren Bundesländern haben Schüler Online-Petitionen verfasst.

Foto: Armin Weigel / dpa

Schüler beklagen zu hohe Anforderungen in Mathe-Abituraufgaben. Lehrerverband sieht "keine Anzeichen" für erschwerte Prüfung.

Hamburg. War das Mathe-Abi zu schwer? Hamburger Schüler haben nach der Mathematik-Abiturprüfung am Freitag eine Online-Petition gestartet, die sich an die Behörde für Schule und Berufsbildung richtet. Darin heißt es, die Anforderungen seien nicht erfüllbar gewesen. Bis zum Montagmittag hatten mehr als 3000 Menschen die Initiative auf der Plattform OpenPetition unterstützt. Der Sprecher der Schulbehörde, Peter Albrecht, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Abiturprüfung sei erst am Freitag gewesen. Die Behörde habe noch keine Rückmeldung erhalten.

In der Petition wird „eine sofortige Stellungnahme und eine gerechte Lösung“ gefordert. Kritisiert wird nicht nur, dass die Klausur zu schwer gewesen sei. Auch seien die Aufgaben derart umfangreich gewesen, dass viele Schüler diese in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht komplett hätten bearbeiten können.

„Die vorgegebenen Aufgaben besaßen im Gegensatz zu denen der letzten Jahren sehr hohe Anforderungen, die in Anbetracht unseres Lernniveaus und Lernstoffes nicht angemessen waren. Es wurde eine hohe Anzahl an Aufgaben gestellt, die so in ihrer Ausfertigung nur schwer lösbar und nicht schülergerecht konzipiert wurden“, heißt es.

Petition gegen Mathe-Abi auch in Niedersachsen

Auch niedersächsische Abiturienten üben Kritik am (zu) hohen Niveau der aktuellen Mathe-Abiturprüfung. Eine Schülerin aus Hannover startete am Freitag eine mit dem Wortlaut des Hamburger Begehrens identische Petition. Adressat ist das niedersächsische Kultusministerium. Bis Sonntagnachmittag (Stand: 16 Uhr) hatte ihre Initiative rund 8700 Unterstützer gefunden. Bayrische Abiturienten erbitten in einer ähnlichen Petition die Anpassung des Notenschlüssels.

Lehrerverband: keine Anzeichen für erschwerte Prüfung

Trotz der Schülerproteste sieht der Präsident des Deutschen Lehrerverbands bisher keine Anzeichen dafür, dass die Aufgaben zu schwierig waren. "Im Internet lässt sich Erregung sehr schnell mobilisieren. Deshalb sollten wir abwarten", sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der "Rhein-Neckar-Zeitung" (Online).

Meidinger leitet ein Gymnasium im bayerischen Deggendorf und sagte: "Ohne dem endgültigen Bewertungsergebnis vorwegzugreifen: Die Tendenz zeigt für Bayern, die Notenresultate bewegen sich im durchschnittlichen Bereich der Abi-Prüfungen in Mathematik." Wenn es Anzeichen für eine erschwerte Prüfung gebe, müsse man über eine Neubewertung nachdenken. "Aber derzeit gibt es dafür keine Anzeichen."

Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE). spricht sich für eine Überprüfung der Aufgaben aus: "Man muss die Kritik ernst nehmen", sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann am Montag in Berlin. Wenn es sich herausstelle, dass die Kritik berechtigt sei, könne der Schlüssel bei den Bewertungen angepasst, die Prüfungen also weniger streng bewertet werden. Es könne aber auch Abhilfe geschaffen werden, indem Prüfungen neu abgelegt werden.

Linke will "Realitätscheck für zentral gestellte Aufgaben"

Die schulpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, Sabine Boeddinghaus, forderte am Montag ebenfalls eine Überprüfung der Klausur und äußerte Verständnis für die Petitionen der Schüler: In Zukunft müsse es einen "Realitätscheck der zentral gestellten Aufgaben durch die Lehrkräfte vor Ort" geben.

Bereits Anfang 2017 musste die Hamburger Schulbehörde die Zensuren einer Mathe-Probeklausur um eine ganze Notenstufe heraufsetzen. Es handelte sich dabei um die erste Klausur unter den „Echtheitsbedingungen“ des bundesweiten Zentralabiturs. Der Notenschnitt lag bei sehr schlechten 4,1. Die Opposition sprach damals von „Noten-Manipulation“ und einem „Offenbarungs-Eid“ des Schulsenators.