Digitaler Campus

Hammerbrooklyn – Stadt steht vor dem Einstieg

So könnte Hammerbrooklyn am Stadtdeich bald aussehen – der Campus soll in den ehemaligen US-Pavillon der Mailänder Expo ziehen.

So könnte Hammerbrooklyn am Stadtdeich bald aussehen – der Campus soll in den ehemaligen US-Pavillon der Mailänder Expo ziehen.

Foto: Interpol-Studios.com

Senat treibt Einigung bei digitalem Vorzeigeprojekt voran. Wirtschaftsbehörde hat zerstrittene Initiatoren zusammen gebracht.

Hamburg.  Der digitale Campus mit dem ambitionierten Namen „Hammerbrooklyn“ kommt voran. Am Stadtdeich entsteht derzeit ein temporäres Gebäude in einem grünen Container, die sogenannte „Hammerbrooklyn.Box“. Im kommenden Jahr soll an der gleichen Stelle dann ein spektakuläres Gebäude eröffnet werden – der amerikanische Pavillon der Mailänder Expo von 2015.

Gesamtinvestition von 150 Millionen Euro vorgesehen

Noch spektakulärer aber ist, was sich hinter den Kulissen abzeichnet: Denn offenbar ist es der Wirtschaftsbehörde um Senator Michael Westhagemann gelungen, die zerstrittenen Partner des digitalen Vorzeigeprojekts wieder zusammen zu bringen. Wie berichtet, hatte sich das Initiatoren-Trio um den Kreativen Mathias Müller-Using, den HWWI-Chef Henning Vöpel und den Digitalexperten Björn Bloching, Senior Partner bei Roland Berger, in der Umsetzung zerstritten. Zuletzt setzten Müller-Using und der Immobilienentwickler Art Invest das Vorhaben alleine um.

Die Ziele sind ambitioniert: Langfristig soll am Stadtdeich gegenüber vom „Spiegel“-Gebäude ein großer digitaler Campus mit rund 50.000 Quadratmetern Nutzfläche entstehen. Vorgesehen sind bis zum Jahr 2027 Gesamt-Investition von mehr als 150 Millionen Euro, die das „Areal am Großmarkt zu einem Ort der urbanen Innovation“ machen und Hammerbrook in Hammerbrooklyn verwandeln sollen. Zu diesem Zweck hatte die Stadt das Grundstück im Erbbaurecht vergeben. Der Streit aber bremste das ganze Vorhaben aus. Ursprünglich sollte der Expo-Pavillon schon im ersten Quartal 2019 eröffnet werden.

Nur noch wenige Restfragen ungeklärt

Doch nun könnte es schnell gehen – wenngleich sich alle Beteiligten in Schweigen hüllen und sich gegenüber dem Abendblatt nicht äußern wollen. Auch in der Wirtschaftsbehörde gibt man sich wortkarg, bestätigt nur: „Wir sind auf der Zielgeraden und sehr zuversichtlich, eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden.“ Nach Informationen des Hamburger Abendblatts gibt es aber schon eine schriftliche Absichtserklärung, einen so genannten „Letter of Intent“. Offenbar sind nur noch wenige Restfragen ungeklärt. Schon in Kürze könnte die Einigung offiziell verkündet werden.

Eine Einigung lässt sich auch aus den Antworten des Senats auf eine Kleinen Anfrage herauslesen, die der FDP-Politiker Michael Kruse gestellt hat. Vertreter der Freien und Hansestadt Hamburg hätten in den letzten Monaten „zahlreiche Gespräche mit allen Beteiligten einschließlich des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) geführt, um eine gemeinsame Lösung zu finden“, heißt es darin. Dabei ging es um ein Stiftungsmodell für den Betrieb des Projektes, um das HWWI wieder ins Boot zu holen. In der Antwort des Senats heißt es: „Eine solche Lösung wird für den Betrieb des Pavillons beziehungsweise vor dessen Inbetriebnahme der ,Hammerbrooklyn Box’ weiter verfolgt.“ Demnach seien im Ergebnis der Gespräche „Änderungen in der Beteiligungsstruktur zu erwarten“, die aber noch nicht abschließend vereinbart sind.

Die Hansestadt könnte ein Träger der Stiftung werden

Nach Informationen des Hamburger Abendblatts wollen die Stadt und der Immobilienentwickler Art Invest die Stiftung gründen. Die Stiftung soll den rund 7500 Quadratmeter großen Pavillon bespielen und untervermieten. In das Stiftungspräsidium, so der Plan, könnten neben Senator Michael Westhagemann und Art-Invest-CEO Markus Wiedenmann die drei Initiatoren Müller-Using, Bloching und Vöpel einziehen.

„Es ist gut, dass die Beteiligten bei Hammerbrooklyn wieder zusammenfinden, um gemeinsam ein erfolgreiches Projekt zu begründen. Der Schlüssel dazu liegt in dem Stiftungsmodell, das Initiatoren und Investoren faire Chancen einräumt“, sagt FDP-Fraktionschef Kruse zur Senatsantwort. „Wichtig ist nun, dass die Details bald geklärt sind, damit sich der Start nicht verzögert. Wenn etwas Druck aus der Opposition zum erfolgreichen Zusammenführen der Akteure geführt hat, hat sich die Mühe jedenfalls gelohnt.“

Betrieb in der „Hammerbrooklyn.Box“ soll bald aufgenommen werden

Die Einigung könnte schon in den kommenden Tagen offiziell werden. Unterdessen gehen die Arbeiten für die Errichtung des Digital Pavillons nach Auskunft der Hammerbrooklyn Immobilien GmbH voran; in der Anfrage ist von der Fertigstellung und Eröffnung für Anfang 2020 die Rede. In Kürze soll der Betrieb des Digital-Campus in der „Hammerbrooklyn.Box“ aufgenommen werden. Die Errichtung des Solution-Buildings in Holzstapelbauweise ist demnach für 2020/2021 vorgesehen.

Schon in einer Antwort auf eine kleine Anfrage im Dezember 2019 hatte der Senat betont: „Ziel des Senats ist es, technische Innovationen für die Entwicklung als digitale Stadt nutzbar zu machen. Zur Erreichung dieses Ziels ist der Senat dabei an Kooperationen mit privaten Partnern interessiert, die Beiträge hierzu leisten können. Diese Möglichkeit bietet das Projekt Hammerbrooklyn, dem für den Digitalisierungsprozess der verschiedensten Themenfelder eine große Bedeutung zukommt.“

Es ist gut, dass die Beteiligten bei Hammerbrooklyn wieder zusammenfinden