Verkehrsstreit

Autofahrer soll Radler mit Absicht angefahren haben

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Bettina Mittelacher
Ein Autofahrer steht am 24.4.2019 vor Gericht, weil er einen Fahrradfahrer willentlich angefahren hat

Ein Autofahrer steht am 24.4.2019 vor Gericht, weil er einen Fahrradfahrer willentlich angefahren hat

Foto: Bettina Mittelacher (FMG) / Bettina Mittelacher

57-Jähriger fühlte sich provoziert. Nun muss er sich vor Gericht verantworten. Aber das sind nicht die einzigen Vorwürfe.

Hamburg. Normalerweise, sagt Johannes S., sei er „ein ruhiger Typ“. Aber es gebe auch Situationen, in denen er wütend werden könne – „wenn ich mich provoziert fühle“. Es war eine Konfrontation im Straßenverkehr, die den Mann so extrem aus der Haut fahren ließ, dass er offenbar in Rowdy-Manier gleich drei Menschen aufs Korn genommen haben soll. Oder, um im Bild zu bleiben, auf die Motorhaube seines Wagens.

Das jedenfalls ist es, was den 57-Jährigen als Angeklagten vor das Amtsgericht gebracht hat. Dem Hamburger wird vorgeworfen, im Oktober 2016 an der Lübecker Straße einen Fahrradfahrer, den er aus Unachtsamkeit mit seinem Wagen touchiert hatte und der ihn deshalb zur Rede stellen wollte, erneut und diesmal absichtlich angefahren zu haben. Als der Mann ihm auf die Motorhaube stürzte, habe sich der Radfahrer am Knie verletzt, heißt es. Danach sei Johannes S. auf zwei weitere Männer, die dem Radfahrer helfen wollten, ebenfalls zugefahren und habe sie verletzt, so die Anklage.

Radfahrer soll Rotlicht missachtet haben

Alles fing an, als ein Radfahrer ein Rotlicht missachtet habe und einfach auf die Kreuzung gefahren sei, verteidigt sich Johannes S., ein kräftiger Brillenträger, der seine Worte mit Bedacht wählt. Als er den Radler angehupt habe, sei dieser absichtlich in Schlangenlinien gefahren und habe plötzlich gebremst. „Da kam es offenbar mit meinem Auto zu einer Berührung“, schildert der Angeklagte. „Dann ließ er sich fallen. Ich habe ihn nicht umgefahren.“ Nach einem verbalen Disput habe er sein Auto nur auf einen etwas entfernten Parkstreifen steuern wollen, um den Streit in Ruhe zu klären. Doch der Radfahrer habe sich ihm in den Weg gestellt.

Bild eines aufgebrachten Wüterichs

„Ich war schon ein bisschen erbost über sein Verhalten“, räumt der 57-Jährige ein. Schließlich sei er ein wenig dichter an den Mann heran gerollt. „Ich wollte ihm klarmachen, dass ich jetzt fahre – auch gegen seinen Willen. Da sprang er auf die Motorhaube. Das war kinoreif“, so der Angeklagte. Auch ein zweiter Radfahrer, der hinzu kam, sei „sehr aggressiv“ gewesen, ebenso wie ein Bauarbeiter, der sich in den Streit einschaltete. Aber diese beiden Männer habe er nicht berührt, beteuert Johannes S. Er habe eine Lehre aus dem Vorfall gezogen, sagt der Angeklagte. „Auf keinen Fall lasse ich mich je wieder so weit hinreißen.“

Der Radfahrer, mit dem er in Streit geriet, zeichnet von dem Angeklagten das Bild eines aufgebrachten Wüterichs. „Hinter mir wurde gehupt, so richtig in Rage“, erzählt der 51-Jährige. Er sei vom Auto angefahren worden und gestürzt. Er habe sich aber zügig wieder aufgerappelt. Der Golffahrer sei immer wieder angefahren, „der wollte da weg. Als ich nicht mehr ausweichen konnte, ließ ich mich auf die Motorhaube fallen.“ Sein Eindruck sei gewesen, dass Johannes S. auch absichtlich die anderen beiden Männer angefahren habe. „Und besonders unangenehm war die Situation, bewusst vom Rad geholt zu werden und hilflos vor dem Auto zu liegen.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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