Forschung

UKE geht auf Gegner von Tierversuchen zu

Petra Arck, Prodekanin für Forschung, und Boris Jerchow.

Petra Arck, Prodekanin für Forschung, und Boris Jerchow.

Foto: Michael Rauhe / HA

Mehr als 40.000 Mäuse sowie Kaninchen, Meerschweinchen oder Schafe dienen dem Klinikum als Versuchstiere. Neubau startet.

Eppendorf. 40.000 Mäuse leben auf dem Gelände des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), außerdem Ratten, Frösche, Kaninchen, Meerschweinchen, Frettchen, Schafe und rund 30 Schweine. Als Versuchstiere dienen sie einzig der humanmedizinischen Forschung. Zum heutigen „Internationalen Tag des Versuchstiers“ stellen an diesem Mittwoch Wissenschaftler ihre Arbeit vor (18 Uhr, Ian-Karan-Hörsaal, Campus Lehre, Gebäude N 55, UKE). Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist kostenlos.

„Damit wollen wir die Öffentlichkeit informieren und das Thema nicht allein den Gegnern der Tierversuche überlassen. Wir gehen verantwortungsvoll mit den uns anvertrauten Tieren um und nutzen Alternativen“, sagte Boris Jerchow, Leiter der Forschungstierhaltung, am Dienstag dem Abendblatt. Am UKE gebe es im Übrigen keine Versuche an Primaten, auch an Hunden und Katzen nicht.

Jährlich rund 100 Anträge für Tierversuche

Die Besucher der Informationsveranstaltung erfahren zum Beispiel mehr darüber, wie Untersuchungen an Tieren helfen können, Stoffwechselerkrankungen besser zu behandeln. Professorin Petra Arck, Prodekanin für Forschung am UKE, sagte: „Wir machen hier Grundlagenforschung. Jährlich werden rund 100 Anträge für Tierversuche gestellt. Sie müssen von der Behörde genehmigt werden.“ Mit Mäusen erforschen die UKE-Mediziner unter anderem die Immunabwehr bei Infektionen. Dabei setzen sie häufig die Genschere ein. Tierversuche seien auch in der Neurowissenschaft und der Onkologie noch immer unverzichtbar. „Ich selbst bin für ein Projekt auf experimentelle Versuchen mit Mäusen angewiesen. Dabei geht es darum, wie Neugeborene mit Immunzellen der Mutter gegen Infektionen besser geschützt werden können“, sagte Petra Arck, die im Zentrum für Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin arbeitet.

Neubau für Versuchstiere noch in 2019

Um die räumliche Unterbringung der Tiere und die Arbeitsbedingungen der rund 70 Mitarbeiter der Forschungstierhaltung zu verbessern, entsteht demnächst ein Neubau. Start der Bauarbeiten ist die zweite Jahreshälfte 2019. Das Gebäude soll bis 2023 fertiggestellt werden und ersetzt den Altbau. Zusätzliche Kapazitäten für Tierversuche würden nicht geschaffen, hieß es. Die Kosten betragen 32 Millionen Euro. Die neue Forschungstierhaltung wird über eine Nutzfläche von 3000 Quadratmeter verfügen.

Mäuse sind die am häufigsten eingesetzte Tierart, weil durch die technisch einfache Manipulation ihres Genoms Einblicke in die genetischen Grundlagen gewonnen werden können. Mitarbeiter der Forschungstierhaltung am UKE standen unlängst den Abgeordneten der Bürgerschaft Rede und Antwort. Anlass war der geplante Neubau. Die Experten verweisen zudem auf Alternativen zu Tierversuchen. Dabei werden zum Beispiel Zellen aus dem menschlichen Gewebe und Blut genommen und in einer Laborkultur weitergezüchtet.