Extremismus

Keine Entwarnung: Hohe Zahl an Salafisten in Hamburg

Torsten Voß, Leiter des Hamburger Verfassungsschutzamtes.

Torsten Voß, Leiter des Hamburger Verfassungsschutzamtes.

Foto: Axel Heimken/dpa

Hamburger Verfassungsschutz rechnet in der Stadt 648 Männer und 123 Frauen der Szene zu. Woher die Salafisten kommen.

Hamburg.  Die Zahl der Salafisten in Hamburg stagniert auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Derzeit werden 771 Personen dieser ultrakonservativen Strömung innerhalb des Islam zugerechnet – 648 Männer und 123 Frauen. Das teilte der Verfassungsschutz auf Anfrage des Abendblatts mit. 410 von ihnen (376 Männer und 34 Frauen) gelten als Unterstützer des militanten Dschihad.

Zum Vergleich: Vor knapp einem Jahr wurden nach einem anhaltenden Zulauf in die Szene noch 798 Männer und Frauen dem Salafismus zugerechnet, von denen 434 den militanten Dschihad unterstützten.

Kein Grund zur Entwarnung

Trotz des leichten Rückgangs sieht der Hamburger Verfassungsschutz keinen Grund zur Entwarnung. Dass die Zahlen, anders als in den Vorjahren, jetzt nicht weitersteigen, könne daran liegen, dass das „Dunkelfeld“ erfolgreich aufgehellt wurde. Die Einblickstiefe in die Szene sei jedenfalls deutlich gestiegen. Die Beobachtung des Islamismus und speziell des Salafismus werde – neben dem Rechts- und dem Linksextremismus – auch künftig eine zentrale Aufgabe bleiben.

Bei den Salafisten handelt es sich meist um Männer zwischen 18 und 34 Jahren. 437 Salafisten haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Bei den Dschihadisten ist der Anteil der Deutschen mit gut 43 Prozent deutlich niedriger. Die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe stellen jeweils die Afghanen mit 65 Salafisten, davon 55 Dschihadisten.

Auffallend: Aus der Türkei stammen 50 Salafisten, von denen aber nur 24 als militante Dschihadisten gelten. Dagegen werden alle 43 Salafisten aus Somalia auch dem Dschihad zugerechnet.