Hamburger Wahrzeichen

Tim Mälzer und der Krimi um den Hamburger Fernsehturm

Tim Mälzer, Koch und Fernsehmoderator, neuerdings auch Podcaster, hat Pläne Hamburgs Wahrzeichen, den Fernsehturm – und sucht einen Investor.

Tim Mälzer, Koch und Fernsehmoderator, neuerdings auch Podcaster, hat Pläne Hamburgs Wahrzeichen, den Fernsehturm – und sucht einen Investor.

Foto: Markus Scholz / dpa

Suche nach Betreiber für den Hamburger Fernsehturm hat sich zum Krimi entwickelt. Eine Rolle darin spielt Kultkoch Tim Mälzer.

Hamburg.  Die Suche nach einem Betreiber für den Hamburger Fernsehturm hat sich zu einem Krimi entwickelt. Die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) muss wohl eine neue Ausschreibung starten. Denn die beiden verbliebenen Bewerber sind nach Abendblatt-Informationen aus dem Verfahren ausgestiegen. Dabei handelt es sich um die Betreiber des Berliner Fernsehturms. Der andere Bieter war die Supermarktkette Edeka. Am Freitag hatte die „Bild“-Zeitung geschrieben, die Verhandlungen mit Deutschlands größtem Lebensmittelhändler stünden kurz vor dem Abschluss. Daraufhin erklärte Edeka-Konzernsprecher Rolf Lange dem Abendblatt, wie berichtet, dass sich das Unternehmen aufgrund „unzumutbarer vertraglicher Rahmenbedingungen“ vor Wochen aus dem Ausschreibungsprozess verabschiedet habe.

Was bislang noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen ist: Nach Abendblatt-Informationen hatte sich Edeka gemeinsam mit zwei prominenten Hamburger Gastronomen an der Ausschreibung für den Fernsehturm beteiligt. Dabei handelt es sich um die Bullerei-Betreiber Patrick Rüther und Tim Mälzer, dem Kultkoch aus verschiedenen TV-Formaten. Auf Anfrage sagten Patrick Rüther und Tim Mälzer: „Wir hatten gemeinsam mit Edeka ein wirklich ansprechendes Konzept eingereicht. Es ist sehr schade, dass wir dieses nun nicht mehr mit diesem Partner an unserer Seite realisieren können. In dieses Projekt haben wir sehr viel Zeit und Geld investiert.“

Ein Konzept von Hamburgern für Hamburger

Das Gastronomenduo sagte weiter: „Unser Konzept war von Hamburgern für Hamburger. Wir wollten daraus keine Touristenattraktion machen, sondern einen Ort, an dem sich vor allen Dingen die Einheimischen wohlfühlen.“ Die Pläne hätten vorgesehen, viele Akteure aus der Stadt mit einzubeziehen, und sich durch viel Kreativität ausgezeichnet. Aber es gibt noch eine letzte Hoffnung: „Wenn wir einen neuen finanzkräftigen Partner finden, dann würden wir uns wieder zu Gesprächen mit der DFMG zusammensetzen – mit dem Ziel, den Fernsehturm zu betreiben. Das ist ein Herzensanliegen von uns“, so Mälzer und Rüther.

Eigentlich hatte DFMG-Sprecher Benedikt Albers angekündigt, der Betreiber für den Fernsehturm, der für die Gastronomie und die Aussichtsplattform verantwortlich sei, werde bereits Anfang Januar präsentiert. Doch dann passierte lange nichts. Bis sich am vergangenen Freitag herausstellte, dass es offensichtlich keine Kandidaten mehr gibt.

Verhandlungen zogen sich über Monate hin

Die Verhandlungen mit den möglichen Betreibern hatten sich über Monate hingezogen. Hinter den Kulissen gibt es heftige Auseinandersetzungen mit der Hamburg Messe und Congress GmbH (HMC). Dabei geht es auch um den Standort des Eingangskomplexes. Der Haupteingang der Messe liegt direkt am Fernsehturm, und die HMC möchte keine Einschränkungen für ihre Besucher.

Vor allem aber geht es ums Geld: Die Messe verlangt dem Vernehmen nach von der DFMG, dass nach der Wiedereröffnung während Messen nur Firmen den Fernsehturm als Fläche anmieten können, wenn diese auch gleichzeitig einen Stand als Aussteller auf dem Messegelände buchen.

Eröffnung im Jahr 2023 wird wohl nichts

Einst hatte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) angekündigt, dass das Hamburger Wahrzeichen nach einer aufwendigen Sanierung im Jahre 2023 wiedereröffnet werden soll. Aber dieser Zeitplan kann wohl nicht eingehalten werden. Denn eine neue Ausschreibung dürfte mehr als ein Jahr in Anspruch nehmen. Ein mögliches Szenario wäre allerdings, dass sich Bürgermeister Tschentscher einschaltet und Edeka doch noch überzeugt, künftig den Fernsehturm zu betreiben. Dann wären auch Mälzer und Rüther wieder mit an Bord.

Für den rot-grünen Senat ist es ein wichtiges Prestigeprojekt. Für die Sanierung des Turms stehen insgesamt 37 Millionen Euro zur Verfügung, die sich der Bund und die Stadt teilen. Mit dieser Summe werden ausschließlich die öffentlichen Bereiche renoviert und ein neuer Eingangskomplex am Fuß des Bauwerks geschaffen. Die Stadt ist in die Entscheidung über einen Betreiber nicht eingebunden. Aber ein Mitarbeiter der Senatskanzlei ist mit dem Thema betraut und wurde über den Stand des Ausschreibungsverfahrens informiert.

Senat strebt Lösung für den Fernsehturm an

Über die aktuelle Situation dürfte Bürgermeister Tschentscher sehr unglücklich sein. Auf Abendblatt-Anfrage sagte allerdings Senatssprecher Marcel Schweitzer lediglich: „Der Stadt ist daran gelegen, dass eine Lösung für die Wiedereröffnung des Fernsehturms gefunden wird.“

Kritik kommt von der FDP: „Die geplante Wiedereröffnung des Fernsehturms entwickelt sich für den rot-grünen Senat zu einem Desaster. Das nun offensichtlich gar kein Betreiber mehr zur Verfügung steht, ist peinlich, und es wird wohl wieder der Zeitplan nicht eingehalten werden können. Und das, obwohl die Bundesmittel für die teure Sanierung des Wahrzeichens bereitstehen“, sagte Fraktionschef Michael Kruse. Dass die Stadt trotz vorhandener finanzieller Mittel nicht in der Lage sei, wichtige Projekte zu realisieren, zeigt sich zum Beispiel auch beim Deutschen Hafenmuseum, für das es noch immer keinen Standort gibt.

Es muss zügig eine Lösung gefunden werden

Einen maßgeblichen Anteil beim Eintreiben der Bundesmittel für den Heinrich-Hertz-Turm (so die offizielle Bezeichnung) hatte der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs. Eigentlich ist der prominente Sozialdemokrat sehr gesprächig, doch am Freitag lehnte er eine Stellungnahme ab. Dafür äußerte sich der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Markus Schreiber, der sich seit Langem für eine Wiedereröffnung des Fernsehturms einsetzt. „Wenn die DFMG jetzt wieder mit der Suche nach einem Betreiber beginnen müsste, dann wäre das ein herber Rückschlag für dieses für Hamburg so wichtige Vorhaben. Die Politik hat alles getan, damit der Telemichel wieder für die Öffentlichkeit zugänglich werden kann, jetzt ist die DFMG am Zug.“ Es müsse zügig eine Lösung gefunden werden, so Schreiber.

Von der DFMG hieß es: „Wir führen intensive und konstruktive Gespräche mit den an einer Wiedereröffnung des Heinrich-Hertz-Turms beteiligten Akteuren. Sobald wir gemeinsam ein Ergebnis erzielt haben, werden wir dieses an die Öffentlichkeit kommunizieren.“