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Mariahilf-Krise belastet in ganz Hamburg Geburtenstationen

Die Mariahilf Klinik

Die Mariahilf Klinik

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Deutlicher Rückgang der Entbindungen in der Harburger Klinik. Immer mehr Mütter aus dem Süden bekommen Kinder im Norden.

Hamburg.  Die Diskussion um die Geburtenstation in der Mariahilf Klinik in Harburg scheint Auswirkungen auf die anderen Kliniken zu haben. Immer mehr Frauen aus dem Süden der Stadt wollen in den Kliniken nördlich der Elbe entbinden. In der Mariahilf Klinik hatten zuletzt die Chefärztin und vier Oberärzte gekündigt und in einem Brief die Zustände in der Geburtenstation kritisiert. Die Folge: Im ersten Quartal gab es dort nur 385 Geburten – im Vergleichszeitraum 2018 waren es noch 486.

„Nach der Schließung unserer Station in Harburg und der Situation in Mariahilf verzeichnen wir einen wachsenden Zustrom von Frauen aus der Region südlich der Elbe“, sagt Professor Volker Ragosch, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Frauenklinik an der Asklepios Klinik Altona. Beim jüngsten Infoabend habe er die Teilnehmer gefragt, wer aus dem Süden der Stadt komme. „Sofort gingen mindestens ein Drittel der Hände in die Höhe.“ So sei gerade bei der Neonatologie der Klinik, der Station für zu früh geborene Babys, die Versorgungssituation hin und wieder angespannter.

Im UKE war die Mutter abgelehnt worden

Den erfahrenen Geburtshelfer ärgert das. Schließlich musste er erst vor gut zwei Jahren seine Geburtshilfe in der Asklepios Klinik Harburg auf Anweisung der Gesundheitsbehörde schließen. „Und nun haben wir ein echtes Problem“, sagt Ragosch. So wie vor wenigen Tagen, als eine junge Frau ihre Zwillingsmädchen zur Welt bringen wollte. Im UKE musste die Mutter abgelehnt werden, obwohl sie dort zur Entbindung angemeldet war. Die Frühgeborenenstation war überfüllt. Also bemühte sich die Klinik, die werdende Mutter in anderen Kreißsälen unterzubringen. Auch Altona und Barmbek konnten sie zunächst nicht aufnehmen. In der Asklepios Klinik Nord wurden die beiden kleinen Mädchen dann schließlich gesund auf die Welt geholt. „Diesen Andrang erleben wir im Moment gar nicht so selten“, so Ragosch.

Auch im katholischen Marienkrankenhaus ist aufgefallen, dass mehr Mütter aus dem Süden hier ihr Kind zur Welt bringen wollen. „Die Nachfrage nimmt ganz klar zu“, sagt Dr. Oliver Heine, Chefarzt der Geburtshilfe, die mit 3505 Geburten im vergangenen Jahr in Hamburg führend ist. Auch er habe zuletzt bei Infoabenden gefragt, woher die werdenden Mütter denn kämen. „Und viele von denen kamen aus dem Süden.“ Gerade erst, so Heine, habe er ein Gespräch mit einer jungen Mutter gehabt, die sich zur Geburt ihres zweiten Kindes anmelden wollte. „Sie kam aus Harburg. Und hat gesagt, dass sie nach der Berichterstattung lieber auf Nummer sicher gehen will und zu uns kommt.“ Er könne die Mütter durchaus verstehen.

Geburten-Plus von fünf Prozent

Im März verzeichnete die Klinik ein Geburten-Plus von fünf Prozent, so Heine. „Wobei das sicherlich nicht alles Frauen aus dem Süden waren.“ Für 2019 plane er mit seinem Team etwa 3700 Geburten. „Wir sind glücklicherweise so ausgestattet, dass wir den Zuwachs locker abfedern können“, so Heine.

Der Chef der Geburtshilfe in den Asklepios Kliniken Barmbek, Wandsbek und Nord-Heidberg, Privatdozent Holger Maul, spricht ebenfalls von einer großen Verunsicherung der werdenden Eltern im Süden der Stadt. „Das ist doch ganz verständlich“, sagt er. Der Imageschaden für die Mariahilf Klinik sei massiv. „Und wir werden sicherlich erleben, dass, solange das nicht wirklich behoben ist, so einige der Geburten bei uns in die Kliniken drängen.“

Die aktuellen Zahlen der Mariahilf Klinik bestätigen den Eindruck der Chefärzte. „Wir erleben aktuell einen Rückgang der Geburten“, sagt Torge Koop, Klinikgeschäftsführer. Im ersten Quartal 2018 gab es 486 Geburten dort. „Momentan haben wir im Schnitt ein bis zwei Geburten pro Tag weniger als im Vorjahr.“

Vertrauen soll zurückgewonnen werden

Das sei, so Koop, mit Sicherheit auch der Berichterstattung über die Geburtshilfe und der damit einhergehenden Verunsicherung der werdenden Familien geschuldet. „Unser Kreißsaal ist rund um die Uhr personell gut besetzt, und wir sind uns sicher, dass zukünftig wieder mehr Frauen dem Kreißsaal-Team ihr Vertrauen schenken“, so der Geschäftsführer weiter. „Das ist unser oberstes Ziel.“