Hamburg

Drogen, Tiere, falsches Viagra – Bilanz des Hamburger Zolls

Zollmitarbeiter auf vier Pfoten: Schäferhündin Ebby, eine sechs Jahre alte Drogen-Spürhündin, erschnüffelte am Mittwoch zu Demonstrationszwecken im Hamburger Zollmuseum verstecktes Rauschgift

Zollmitarbeiter auf vier Pfoten: Schäferhündin Ebby, eine sechs Jahre alte Drogen-Spürhündin, erschnüffelte am Mittwoch zu Demonstrationszwecken im Hamburger Zollmuseum verstecktes Rauschgift

Foto: Christian Charisius / dpa

Auch Artenschutz und Schwarzarbeit sind in Hamburg ein Problem. Plagiate von Spielzeug und Kleidung werden vernichtet.

Hamburg. Auch in Hamburg sind Verstöße gegen das Artenschutzgesetz ein großes Problem, wie der Zoll in seinem offiziellen Rückblick 2018 verkündet. Gerade über den Hamburg Airport in Fuhlsbüttel wird regelmäßig versucht, Tiere oder deren Teile einzuführen, die unter strengem Schutz stehen. Auch Drogen und Plagiate von Markenprodukten wurden vom Zoll erneut in großem Stil sichergestellt. Außerdem stellten Zöllner deutlich mehr Fälle von Schwarzarbeit fest.

„Wir hatten gedacht, dass die jüngere Generation ein größeres Bewusstsein für Artenschutz hat“, sagt Tilman Lewitz, Leiter des Zolls am Hamburger Flughafen. „Das ist nicht so.“ 512 Tiere oder Produkte, durch die gegen das Artenschutzabkommen verstoßen wurde, hat der Zoll im vergangenen Jahr bei Kontrollen am Flughafen entdeckt. 445 weitere Exemplare wurden im Zuständigkeitsbereich des Hauptzollamts Hamburg sichergestellt. Oft sind es Mitbringsel aus dem Urlaub, die mal gedankenlos, mal unbewusst, aber immer wieder auch dreist durch den Zoll geschmuggelt werden sollten.

Zoll zieht Bilanz: Die Zahlen für 2018 im Überblick

  • 2421 Verfahren wegen Schwarzarbeit eingeleitet - Schadenssumme 11,6 Millionen Euro

  • Rund 1,6 Millionen gefälschte Produkte im Wert von etwa 54 Millionen Euro

  • 512 Tiere oder Produkte am Hamburg Airport, die gegen das Artenschutzabkommen verstoßen - 445 weitere Fälle im Zuständigkeitsbereich des Hauptzollamts Hamburg

  • über zwei Tonnen unversteuerter Shisha-Tabak

  • 693 Kilo Kokain

  • 329.000 Schmuggelzigaretten

  • 414 Kilo Haschisch

  • 54 Kilo Marihuana

  • 9,7 Kilo Amphetamine

  • 417 Gramm Psilocybin

Hauptzollamt Hamburg nimmt 30,5 Milliarden Euro ein

„Wir beobachten den Trend, dass zunehmend in Produkten verarbeitete Teile von Tieren der Grund für die Sicherstellung sind“, sagt Lewitz. Mal ist es ein Medikament, in dem Pulver des Horns eines Nashorns ist. Mal ist es eine Salbe, bei deren Herstellung Teile oder das Gift von geschützten Schlangen verarbeitet wurde. Aber auch eine Handtasche aus Tierhaut oder eine kitschige Schnitzerei aus einer Koralle landeten in der Asservatenkammer.

Eine Zunahme gab es auch im Bereich des „Sachgebiets E“, zuständig für die Bekämpfung der Schwarzarbeit. 960 Firmen prüften die Ermittler. 2421 Strafverfahren wurden eingeleitet. „Das sind rund 400 Verfahren mehr als im Vorjahr“, sagt der amtierende Sachgebietsleiter Hansjörg Kallenbach. „Wahrscheinlich ist die Schwarzarbeit nicht mehr geworden. Wir dürften aber die richtigen Betriebe kontrolliert haben.“ Insgesamt wurde eine durch Schwarzarbeit verursachte Schadenssumme von 11,6 Millionen Euro festgestellt. In der Regel handelt es sich um hinterzogene Sozialabgaben.

Besonders oft wurde gefälschtes Spielzeug entdeckt

Auch Produktpiraterie bleibt ein Dauerbrenner. Rund 1,6 Millionen gefälschte Produkte im Wert von knapp 54 Millionen Euro haben die Zöllner im vergangenen Jahr aus dem Verkehr gezogen. Besonders oft wurde gefälschtes Spielzeug entdeckt – rund 466.000 Exemplare im Wert von 4,9 Millionen Euro. „Bei Spielzeug, das von Kindern oft in den Mund genommen wird, ist das Problem, dass man nicht weiß, ob bei Plagiaten gesundheitsschädliche Stoffe verarbeitet wurden“, so ein Zöllner.

Knapp dahinter rangiert Kleidung, von der 444.000 gefälschte Einzelstücke im Wert von mehr als 35 Millionen Euro vom Zoll sichergestellt wurden. Aber auch 1970 gefälschte Arzneimittel, bei denen nicht immer die angegebenen Wirkstoffe enthalten sind, entdeckte der Zoll. Besonders gern wird das Potenzmittel Viagra gefälscht, in dem dann der Wirkstoff Sildenafil nicht enthalten ist. Gefunden werden die Fälschungen nicht nur an Grenzübergängen. Viele werden auch per Post verschickt.

Zoll vernichtet Plagiate auf Antrag der Rechteinhaber

Tabak wird nicht mehr in Form von Zigaretten geschmuggelt, sondern lose. Mehr als zwei Tonnen unversteuerten Shisha-Tabak zog der Hamburger Zoll im vergangenen Jahr aus dem Verkehr. Abnehmer dürften die auch in Hamburg florierenden Shisha-Bars sein. Zugleich wurden knapp 329.000 Schmuggelzigaretten sichergestellt. Weiter auf der Sicherstellungsliste des Hamburger Zolls: 693 Kilo Kokain, 414 Kilo Haschisch, 54 Kilo Marihuana und 9,7 Kilo Amphetamin. Aber auch 417 Gramm Psilocybin, in der Regel berauschende Pilze, zog der Zoll aus dem Verkehr.

Und dann sind da noch die Einnahmen, die vom Hauptzollamt Hamburg erhoben wurden. „30,5 Milliarden Euro konnten wir im vergangenen Jahr für den Bundeshaushalt und die Europäische Union verbuchen“, sagt Christian Schaade, Leiter des Hauptzollamts Hamburg.

Für die deutsche Staatskasse erhebt der Hamburger Zoll fast ein fünftes aller bundesweiten Einnahmen durch den Zoll. „Echte Schwergewichte sind dabei die Einnahmen aus der Energiesteuer durch die in Hamburg ansässigen Mineralölkonzerne mit fast 16 Milliarden Euro, sowie die Einfuhrumsatzsteuer mit rund 12 Milliarden Euro.“