Zwischenruf

Dringende Fragen auf dem Weg in die Ehe

Marlies Fischer

Marlies Fischer

Foto: HA

Morgens in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit kann man sich vielfältig beschäftigen: lesen, Musik hören, auf dem Smartphone Mails beantworten oder Likes verteilen, aus dem Fenster gucken, einfach sinnieren. Und ja, manchmal lässt es sich nicht vermeiden, den Gesprächen der Mitreisenden zuzuhören.

Zum Beispiel bei drei jungen Frauen, etwa Mitte 20. Alle sind groß, blond und haben viel Make-up im Gesicht. Es geht um Hochzeitsvorbereitungen, die eine ist die Braut. Wer bringt den Sekt mit zum Standesamt? Reichen Plastikbecher oder müssen Gläser her? Wollen die Männer vielleicht lieber Schnaps? Den Brautstrauß in Rosa- oder Blautönen? Und die Haare locker hochgesteckt oder streng nach hinten gekämmt? Mamas Collier mit den Swarovski-Steinen oder Omas alte Perlenkette? Fragen, die das Leben stellt.

Gut, dass das Buffet schon bestellt ist. Und auf keinen Fall Tomatensuppe oder Ketchup, da ist die Klecker-Gefahr einfach zu groß. Das Kleid ist glücklicherweise auch gekauft. Aber es muss noch etwas gekürzt werden, und die Braut will für den perfekten Sitz mindestens zwei Kilo abnehmen. „Mädels, ich sage euch“, seufzt sie laut, „ich bin so froh, wenn ich verheiratet bin.“ Und älteren Umsitzenden ist sofort auf die Stirn geschrieben: „Mal sehen, ob Du in zehn, 15, 20 Jahren auch noch so denkst.“

Am Hauptbahnhof steigt das Kleeblatt aus. Und eine Gruppe junger Männer ein. Einer trägt ein albernes Hühnchen-Kostüm. Aha, Junggesellen-Abschied. Die Jungs sind laut und haben nur eine Frage: „Haben wir genug Bier dabei?“ Eben völlig verschiedene Schwerpunkte bei der Hochzeitsvorbereitung.