Hamburg

Chef der Wohnhalle verlässt das Hotel Vier Jahreszeiten

Andreas Winkels, Chef in der Wohnhalle, hat mehr als 30 Jahren im Vier Jahreszeiten gearbeitet.

Andreas Winkels, Chef in der Wohnhalle, hat mehr als 30 Jahren im Vier Jahreszeiten gearbeitet.

Foto: Andreas Laible / HA

Andreas Winkels geht nach 30 Jahren. Er ist zu einer Institution geworden. Gesundheitliche Beschwerden zwingen ihn zum Rückzug.

Hamburg. Eine Ära geht zu Ende. Dreißig Jahre und zehn Monate hat An­dreas Winkels im Vier Jahreszeiten gearbeitet, davon mehr als 25 Jahre als Chef der Wohnhalle. Nun hat Winkels seine letzten Gäste beim „Afternoon Tea“ mit Blick auf die Binnenalster bedient. 200 Besucher am Tag, 60.000 im Jahr. Mit den Jahren ist Winkels zu einer Institution geworden, die natürlich viele Gäste und deren Lebensgeschichte kennt. Auch zahlreiche Prominente wurden von ihm umsorgt.

Winkels erinnert sich schmunzelnd daran, wie er Schauspieler Kevin Costner durch die Katakomben des Hotels, an den Menschenmassen vorbei, zur Parkgarage begleitete. Oder wie ihn Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, der seinen Stammplatz am Ecktisch hatte, bat, ein paar belegte Brote zu schmieren. „Dann muss Loki das nicht immer machen“, sagte Schmidt damals.

Ursprünglich wollte er Koch werden

Den Weg in das Luxushotel am Neuen Jungfernstieg hat Andreas Winkels eher zufällig gefunden. Ursprünglich wollte der gebürtige Niedersachse aus Lotte bei Osnabrück Koch werden, merkte aber schnell, dass der Kontakt mit Menschen ihm viel mehr lag. Nach Stationen im ostfriesischen Bad Zwischenahn und Triberg im Schwarzwald kam Winkels schließlich nach Hamburg, wo er zunächst eine mündliche Zusage vom Hotel Atlantic erhielt. Als von dort dann doch die Absage kam, wurde der heute 56-Jährige im Vier Jahreszeiten vorstellig und prompt eingestellt.

Hinter den Kulissen des Vier Jahreszeiten:

Die Wohnhalle sieht Winkels als das Herzstück des Hotels. Besonders in der schnelllebigen Hansestadt sei dieser Ort ein Garant für Entschleunigung und Ruhe. Winkels sagt: „Mein wichtigstes Anliegen war es, dass der Gast den Raum glücklich und zufrieden verlässt.“ Dafür sorgte er mit einem eingespielten Team, das zusammen mehr als 100 Jahre Betriebszugehörigkeit vorweisen kann.

Tipp für die Mitarbeiter

Seinen Mitarbeitern gab er einen wichtigen Tipp mit auf den Weg: „Es kann jeden Moment sein, dass ein König durch die Tür kommt.“ Mit blaublütigen Gästen kennt Winkels sich aus. Mitglieder der dänischen und schwedischen Königshäuser waren schon oft Gäste. Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihm der König des polynesischen Inselstaats Tonga, der „das schönste Englisch sprach, das ich je gehört habe“, so Winkels. Bei aller Prominenz – Bud Spencer, Peter Ustinov und Heidi Kabel sind nur einige der Namen, die er nennt – legte er doch Wert darauf, jedem Gast einen perfekten Service zu bieten.

Tee ist sein Spezialgebiet. Winkels Expertise ist sogar zertifiziert: Als einer von 13 Teilnehmern absolvierte er 2003 das erste „Teamaster“-Programm inklusive einer Reise nach Sri Lanka, wo er Teesorten von der Ernte bis zur Verarbeitung kennenlernte. Zwar hatte Andreas Winkels eigene Favoriten im Sortiment, er tastete sich aber an den Geschmack jedes Gasts heran: „Wer schwarzen Tee trinken wollte, dem drängte ich keinen weißen Tee auf, aber wer ganz offen für meine Empfehlungen war, dem reichte ich meine Lieblinge. Und die trafen auch meistens den Geschmack.“

Viele Räume sind modernisiert worden

Rund zwei Stunden bleiben die Gäste üblicherweise für den Teegenuss am Nachmittag. Diese Zeit müsse man sich nehmen, um wirklich zu entspannen, meint Winkels. „Natürlich servieren wir auch den schnellen Espresso zwischendurch.“ In den vergangenen Jahren sind viele Räumlichkeiten des Hotels, darunter die Zimmer und die Festsäle, behutsam modernisiert worden. Als die Bauarbeiter direkt über der Wohnhalle werkelten, war Winkels schon mal mit der Bürste unterwegs, um die Gäste vom rieselnden Staub zu befreien.

Für ein anderes Hotel zu arbeiten kann Winkels sich nicht vorstellen. Ein schöneres Haus mit vergleichbarer Atmosphäre sei nicht zu finden. Die Wohnhalle sei das Wohnzimmer vieler Hanseaten: „Der Hamburger ist ein ganz toller Gast, er bringt eine solche Ruhe und Gelassenheit mit.“

Gesundheitliche Beschwerden

Zahlreiche Stammgäste statteten der Wohnhalle noch einen Besuch ab, um sich persönlich vom langjährigen Chef zu verabschieden. Gesundheitliche Beschwerden zwingen ihn zum Rückzug. Zwar sei der Abschied schwer, dennoch sagt Winkels, er sei stolz auf die Entwicklung des Hauses und das Vertrauen, mit dem ihm die Gäste seit Jahren begegneten. Sein Fazit: „Wenn es am schönsten ist, soll man gehen.“

Nach dreißig Jahren in der Großstadt zieht sich Andreas Winkels jetzt erst einmal aufs Land zurück. Auf dem Gut eines Freundes im Sauerland wolle er aushelfen, bevor Reisen durch Italien und die Schweiz auf dem Programm stehen. Sollte das Vier Jahreszeiten spontan Hilfe benötigen, etwa für ein Bankett, kann sich Winkels aber eine einmalige Rückkehr vorstellen: „Dazu wäre ich sofort bereit.“