Tödlicher Unfall auf Elbe

Wegen Dolmetscherin: Prozess gegen Kapitän unterbrochen

Übersetzerin gibt zu, nicht qualifiziert zu sein – es musste Ersatz her. Tschechischer Kapitän wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Hamburg. Wegen einer tödlichen Kollision auf der Elbe muss sich seit Montag ein Binnenschiffer vor dem Amtsgericht Hamburg verantworten. Der 46-jährige Tscheche soll am 3. November 2016 mit seinem Schubverband "Elbe 1" ein Sportboot überholt haben, ohne die vorgeschriebenen fünf Pfeifsignale abgegeben zu haben.

Bei der Kollision in abendlicher Dunkelheit drückte der rund 100 Meter lange Schubverband das Sportboot unter Wasser. Ein 53-Jähriger konnte sich nicht mehr aus dem Boot retten und starb. Sein damals 50 Jahre alter Begleiter wurde von der Besatzung des Binnenschiffs aus dem Wasser gezogen und erlitt eine Unterkühlung.

Polizist springt als Dolmetscher ein

Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und Gefährdung des Schiffsverkehrs. Nach kurzer Zeit wurde der Prozess unterbrochen, weil der Dolmetscherin mitgeteilt wurde, dass sie nicht qualifiziert ist.

Der Vorsitzende Richter: „Sie haben Probleme mit der Übersetzung dieser Materie, wir haben hier unisono das Gefühl, dass die Sache von ihnen nicht so exakt übertragen werden kann, wie es erforderlich ist“. Die Dolmetscherin gab zu, die Fachausdrücke nicht zu kennen.

Nach anderthalb Stunden Suche teilte der Richter mit, dass ein neuer Dolmetscher gefunden sei: „Ein Mitarbeiter der Wasserschutzpolizei, ein Deutsch-Tscheche.“ Nach dessen Vereidigung soll der Prozess fortgesetzt werden, ein Urteil wird für Montag nicht erwartet.