Verbraucherschutz-Pegel

Hamburger genervt von Zucker und Plastikverpackungen

Viele Verbraucher in Hamburg nervte erneut unnötige Umverpackungen etwa bei Orangen oder Bananen (Symbolbild).

Viele Verbraucher in Hamburg nervte erneut unnötige Umverpackungen etwa bei Orangen oder Bananen (Symbolbild).

Foto: Benjamin Nolte / picture alliance / dpa Themendienst

Behörde befragt Verbraucher nach den größten Ärgernissen in ihrem Alltag. Das sind die Ergebnisse des „Verbraucherschutz-Pegels“.

Hamburg. Er versteckt sich in vielen Fertignahrungsmitteln und ist für Käufer nur im Kleingedruckten auf der Verpackung zu erkennen: Zucker. Für viele Hamburger ist das ein großes Ärgernis – sie wünschen sich weniger von der süßen Zutat in Lebensmitteln. Auch unnötige Plastikverpackungen, Wartezeiten beim Arzt, Werbemails und Mogelpackungen im Supermarkt zählen zu den größten Aufregern im Konsumalltag der Bürger in der Hansestadt. Das geht aus den Ergebnissen des sogenannten „Verbraucherschutz-Pegels“ hervor.

Die Behörde für Gesundheit- und Verbraucherschutz hat gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Hamburg zum vierten Mal die Online-Umfrage initiiert. Vom 1. November 2018 bis zum 31. Januar 2019 haben sich 2614 Bürger an der Aktion beteiligt – im Vorjahr waren 2040 Personen. Fast 100 Prozent der Befragten nannten aktuell jeweils zumindest eine Beschwerde in den Bereichen Lebensmittel und Verpackungen.

Verbraucher fordern Ampel auf Verpackungen

„Ich freue mich, dass die Online-Umfrage wieder von vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern genutzt wurde“, sagte Verbraucherschutzsenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). „Fast zwei Drittel der Umfrage-Teilnehmer spricht sich für weniger Zucker in Fertignahrungsmitteln aus.“ Damit eine überlegte und bewusste Kaufentscheidung möglich sei, müsse für Verbraucher schnell und einfach erkennbar sein, wo versteckter Zucker, aber auch Fette und Salze im Produkt lauern. „Deshalb setze ich mich für eine einheitliche, farbliche Kennzeichnung als Ampel auf den Verpackungen ein, die ein wichtiger Schritt zu mehr Transparenz bei der Kaufentscheidung ist“, kündigte Prüfer-Storcks an. „Hier ist die Bundesregierung aufgefordert, ein einheitliches Kennzeichnungssystem einzuführen.“

Den Hamburger Konsumenten sind generell Ernährungsthemen sehr wichtig. Viele Beschwerden drehen sich um Preiserhöhungen durch veränderte Füllmengen (61,1 Prozent). Zudem fordern knapp 50 Prozent der Befragten eine Nährwertkennzeichnung in Form einer Ampel, um hohe Zucker- oder Fettgehalte auf den ersten Blick erkennen zu können. Die ungenügende Kennzeichnung betrifft nicht nur den Einkauf im Supermarkt, sondern bezieht sich auch auf Speisekarten im Restaurant. Vor allem von Vegetariern oder Veganern hagelt es Kritik wegen mangelnder Transparenz.

Viele Ärgernisse der Hamburger sind Dauerbrenner

Auch die Umwelt liegt den Hamburgern weiterhin sehr am Herzen. Rund 85 Prozent der Befragten bemängelten zu viel und unnötige Verpackung, 81,2 Prozent den exzessiven Einsatz von Plastik – diese beiden Ärgernisse belegen auf der Liste der drängendsten Probleme somit Platz eins und zwei. Zudem nannten fast 49 Prozent überdimensionierte Mogelpackungen als Ärgernis und 37 Prozent äußerten den Wunsch nach besser ausgebauten Mehrwegsystemen.

Die größten Ärgernisse der Hamburger im Konsumalltag:

  1. Zu viele unnötige Umverpackungen: 84,7 Prozent
  2. Zu viele Plastikverpackungen anstelle bioverträglicher Materialien: 81,2 Prozent
  3. Zu viel Zucker in Lebensmitteln: 62,7 Prozent
  4. Zu lange Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt: 62,3 Prozent
  5. Versteckte Preiserhöhungen durch veränderte Füllmengen: 61,1 Prozent
  6. Werbemails: 60,3 Prozent
  7. Unerwünschte Werbeanrufe: 57,5 Prozent
  8. Niedrige Sparzinsen: 57 Prozent
  9. Kein Durchblick beim Kleingedruckten (AGB): 55 Prozent
  10. Energiepreise: 51,6 Prozent

„Viele der abgefragten Themen sind Dauerbrenner“, sagte Michael Knobloch, Vorstand der Verbraucherzentrale Hamburg. Für die Verbraucherzentrale hieße das, am Ball zu bleiben, für Transparenz zu sorgen und so Veränderungen bei den Anbietern, beim Gesetzgeber und im Bewusstsein der Verbraucher anzustoßen. „Einige Ergebnisse sollten den Unternehmen die Angst vor einer Umkehr nehmen“, sagte Knobloch. „Wenn sich mehr als drei Viertel der Teilnehmer für ressourcenschonende Verpackungen aussprechen, lohnen sich Veränderungen auch aus Anbietersicht.“

Hamburger genervt von Werbemails

Das Thema Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt rangiert ganz vorne auf der Liste der Gesundheitsbeschwerden und liegt bei allen Beschwerden mit 62,3 Prozent auf dem vierten Platz. Bei den Finanzdienstleistungen sind niedrige Sparzinsen 57 Prozent ein Dorn im Auge. Überhöhte Dispozinsen nerven 35,3 Prozent. Knapp 20 Prozent regen sich über Kürzungen von Überschussanteilen bei Lebens- und Rentenversicherungen auf.

Kritisch beäugt wird auch der Bereich Telefon und Internet. Werbemails sind für 60,3 Prozent der Befragten ein Aufreger, unerwünschte Werbeanrufe ärgern 57,5 Prozent. Probleme mit Urlauben und Reisen geben 45,1 Prozent der Befragten an. Zudem hatten sechs von zehn Teilnehmern Ärger mit Energieanbietern – dabei drehte es sich in rund 52 Prozent der Fälle um Preise, 15,2 Prozent hatten Schwierigkeiten beim Anbieterwechsel.