Verpackungsmüll

83 Prozent leere Packung – Unilever schießt den Vogel ab

Hamburger Verbraucherzentrale entlarvt Supermarkt-Produkte via Röntgenaufnahmen. Ein Experte fordert klare Vorgaben.

Hamburg. Alle reden über die Müllflut im Supermarkt, trotzdem produzieren Hersteller von Fertiglebensmitteln und Drogerieartikeln immer noch viel zu viel unnötigen Verpackungsmüll. Mit Röntgenbildern hat die Verbraucherzentrale Hamburg jetzt 14 Produkte untersucht, über die sich Hamburger beschwert haben. Das Ergebnis: Im Schnitt lag der Verpackungsanteil ohne Inhalt bei 59 Prozent, der tatsächlich gefüllte Teil der Packungen betrug gerade mal 41 Prozent.

"In den Supermarktregalen stehen nach wie vor viele Produkte, deren Inhalt sich in einer übermäßig großen Packung verliert. Dabei ließe sich viel Verpackungsmaterial einfach einsparen, wenn die Verpackungen vollgefüllt wären“, sagte Armin Valet, der bei der Verbraucherzentrale für den Bereich Lebensmittel zuständig ist und auch regelmäßig über Mogelpackungen informiert.

Grießbrei, Risotto und Geschirrspültabs an der Spitze

Bei der stichprobenartigen Untersuchung zum Verpackungsmüll belegte „Mondamin Lieblingsgrießbrei Klassische Art“ von Unilever den „Spitzenplatz“. Nach der Analyse der Verbraucherschützer sind bei einer Tütenhöhe von 18 Zentimetern fast 15 Zentimeter der Packung ohne Inhalt. Das entspricht 83 Prozent.

Das „Risotto Milanese“ von Riso Scotti landete mit einem zu 81 Prozent leeren Beutel auf Platz 2. Gefolgt von den „Finish Powerball All In 1 Citrus Tabs“ von Reckitt Benckiser, bei denen sich 27 Geschirrspültabs in einer überdimensionalen Plastikverpackung verlieren. Die ermittelte Höhe des Luftanteils beträgt 74 Prozent.

Procter & Gamble erklärt niedrigen Füllstand

Auch das Lenor-Vollwaschmittel Weiße Wasserlilie stieß auf Kritik. Der Hersteller Procter & Gamble könnte nach den Berechnungen von Verbraucherschützer Valet auf 20 Tonnen Plastik verzichten, wenn er die gleiche Menge des Waschmittels in 800.000 vollen Plastikflaschen verkaufen würde statt wie jetzt in einer Million Flaschen mit niedrigerem Füllstand.

Procter & Gamble teilte auf Anfrage des Abendblatts mit, dass die Lenor-Flaschen wegen der schaumbildenden Substanzen in dem Waschmittel während des Abfüllprozesses nicht komplett gefüllt werden könnten. Inhaltsmenge und Anzahl der Waschladungen würden aber korrekt ausgezeichnet. Unilever reagierte nicht auf die Anfrage.

Verbraucherschützer: Zu viel Freiraum für Hersteller

Rein rechtlich sind Luftpackungen laut Valet kaum zu belangen. Fehlende Vorgaben im Eich- und Verpackungsrecht geben Herstellern viel Freiraum bei der Gestaltung ihrer Produkte. In Deutschland fällt so viel Verpackungsmüll an wie nirgends sonst in Europa. 220,5 Kilogramm Abfälle produziert jeder Bundesbürger laut Umweltbundesamt pro Jahr. Das sind über 50 Kilogramm mehr als im EU-Durchschnitt. Am 1. Januar 2019 tritt ein neues Verpackungsgesetz in Kraft, das Herstellern von verpackter Ware vorschreibt, sich in ein Register einzutragen und Recycling-Abgaben zu zahlen.

Aus Sicht von Verbraucherschützer Valet reicht das nicht. Er fordert, dass grundsätzlich jede Packung bis zum Rand oder zur Naht befüllt werden muss und ein Freiraum von maximal 30 Prozent nur dann erlaubt ist, wenn es sich technisch nicht anders umsetzen lässt.

Procter & Gamble teilte auf Anfrage des Abendblatts mit, dass die Lenor-Flaschen wegen der schaumbildenden Substanzen in dem Waschmittel während des Abfüllprozesses nicht komplett gefüllt werden könnten. Inhaltsmenge und Anzahl der Waschladungen würden aber korrekt ausgezeichnet. Unilever reagierte nicht auf die Anfrage.