Hamburger Pianist

Die Akte Justus Frantz: Was bedeutet diese Insolvenz?

Justus Frantz in Lübeck (Archivbild).

Justus Frantz in Lübeck (Archivbild).

Foto: Imago / Olaf Malzahn

Erfolglose Sponsorensuche: Die Trägerfirma der Philharmonie der Nationen hat Insolvenz angemeldet. Was Justus Frantz sagt.

Hamburg. Der Hamburger Pianist und Dirigent Justus Frantz steht offenbar vor den Trümmern seines Lebenswerks. Die World Peace Philharmonia of the Nations GmbH, die Trägerfirma seines Orchesters Philharmonie der Nationen, hat Insolvenz angemeldet. Frantz selbst ist nicht mehr Geschäftsführer der GmbH, stattdessen Holger Langer. Der Mann gilt als Konkursspezialist. Die World Peace Philharmonia residiert nun in der thüringischen Kleinstadt Stadtilm und nicht mehr an der Magdalenenstraße in Pöseldorf. Justus Frantz, so ist zu hören, sei „tieftraurig“ über diese Entwicklung.

Verantwortlich dafür sei, so heißt es in einem Schreiben von Frantz ans Abendblatt, ein ehemaliger Geschäftspartner. Uwe B., Kaufmann aus Halle an der Saale, war im November 2017 in die Firma „Sponsor Gesellschaft der Philharmonie der Nationen“ eingestiegen. Frantz sagt, B. habe ihm angeboten, Hauptsponsoren für sein Orchester zu akquirieren. „Ziel war es, der Philharmonie der Nationen durch die Schaffung neuer Strukturen einen gesicherten wirtschaftlichen Unterbau zu geben“, sagt Frantz.

Justus Frantz fürchtete nach Unfall um sein Klavierspiel

Der Einstieg von B. fand in einer schwierigen gesundheitlichen Phase des Pianisten statt. In eben jenem November hatte er sich mit einer Brotschneidemaschine die Kuppe des rechten Zeige­fingers abgesägt. Frantz fürchtete, nie wieder Klavier spielen zu können. Um die Sponsorensuche hat er sich in dieser Zeit wenig Gedanken machen können – zumal er sie ja auch in guten Händen wähnte.

Denn B. legte noch in November einen ersten Sponsorenvertrag vor. Vertragspartner: die russische Macte Group. 1,7 Millionen Euro wollte das Unternehmen zahlen. Insgesamt, so Frantz, hatte der Hallenser „drei Großsponsoren akquiriert, die pro Jahr eine Summe von 7,7 Millionen Euro zur Verfügung stellen wollten“.

Keine Gage: "Privatmittel vorgestreckt"

Doch das Geld kam dann nicht. Stattdessen wuchsen die Probleme. Für eine Neujahrstournee war bereits der Kaunas-Chor aus Litauen verpflichtet worden. Der bestand darauf, seine Gage zu bekommen. „Da auch die Mitglieder des Orchesters kein Geld erhalten hatten und sich an mich wandten, habe ich wiederum Privatmittel vorgestreckt, mit denen die Musikerhonorare bezahlt wurden“, so der Pianist.

B. erklärte die ausbleibenden Gelder laut Frantz mit Bankproblemen. Die gesamten Sponsorengelder würden von russischen Banken überwiesen. Aufgrund der Sanktionen gegen Russland führe die österreichische Zentralbank umfangreiche Prüfungen durch. Doch schon bald meldeten sich Gerichtsvollzieher bei Frantz – „unter anderem wegen des ausbleibenden Honorars des Kaunas-Chors“. Frantz befragte seinen Mitgeschäftsführer B. Der, so Frantz, habe behauptet, mit dem Gerichtsvollzieher gesprochen und mit dem Chor Ratenzahlung vereinbart zu haben.

Der Haftbefehl ist mittlerweile gegenstandslos

Das alles entsprach eventuell nicht der Wahrheit. Laut Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ erwirkte die Staatsanwaltschaft Hamburg sogar einen Erzwingungshaftbefehl gegen Frantz. Ziel: Er sollte dem Gericht Auskunft über seine finanzielle Lage geben. Der Haftbefehl ist mittlerweile wegen des Insolvenzantrags der World Peace Philharmonia gegenstandslos geworden. B. selbst sagte dem „Spiegel“, er habe viel Geld in das Projekt gesteckt, sei also selbst Opfer.

Ein wenig rätselhaft bleibt, warum russische Firmen derart viel Geld in das Orchester von Frantz hätten stecken sollen. Der dem Abendblatt vorliegende Sponsorenvertrag mit der Macte Group in Moskau liefert da nur wenige Hinweise. In der „Präambel“ des Vertrags heißt es: „Der Initiator, Pianist und Dirigent Justus Frantz ist in besonderer Weise den Völkern und Nationen Osteuropas verbunden und arbeitet daher überwiegend mit Musikern aus Osteuropa zusammen.“

Frantz verpflichtete sich in dem Vertrag, eine internationale Musikakademie „zur Begegnung jüngerer Musikerinnen und Musiker insbesondere aus Deutschland und Russland“ zu entwickeln. Zudem solle ein neuer internationaler Musikwettbewerb „mit internationaler Ausstrahlung“ positioniert werden. Und eine „Kooperation mit einem bestehenden oder Gründung eines neuen Musikfestivals mit internationalem Profil“ sollte es auch noch geben.

Die Logos des Sponsors sollten bei Pressekonferenzen und anderen öffentlich Auftritten stets präsent sein. Zudem sollte bei Konzerten und Veranstaltungen der Philharmonie der Nationen „die Teilnahme von Vertretern des Sponsors sichergestellt werden (VIP-Tickets)“. Pressemitteilungen seien vor Veröffentlichung abzustimmen. Halbjährlich sollte es einen Bericht über die gesponserten Aktivitäten geben – „insbesondere auch mit entsprechenden Presseberichten und Berichten über die Erfolge der Öffentlichkeiten“.