Hamburg

Weltfrauentag: Demonstration in der Hamburger Innenstadt

Am Weltfrauentag demonstrierten Frauen in der Hamburger Innenstadt

Am Weltfrauentag demonstrierten Frauen in der Hamburger Innenstadt

Foto: dpa

Zum internationalen Frauentag fand auch ein Senatsempfang mit 400 Gästen statt. Clubs laden zu speziellen Feiern ein. Der Liveblog.

Hamburg. Zum Weltfrauentag sind in Hamburg zu einer Kundgebung für mehr Gleichberechtigung Frauenrechtsorganisationen, Parteien und Gewerkschaften zusammengekommen. Die Polizei ging von 500 Teilnehmern aus. Das "Hamburger Bündnis zum internationalen 8. März Streik" hatte alle "Frauen, Lesben, nicht-binäre, trans und inter Personen" aufgefordert, ihre Arbeit niederzulegen. Unter dem Motto "Ohne uns steht die Welt still" zog der Demonstrationszug durch die Innenstadt.

Der Frauentag war auch Anlass für einen Senatsempfang im Rathaus, zu dem Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) 400 Gäste eingeladen hatte. Festrednerin war die Genderforscherin Stevie Schmiedel, die Gründerin von "Pinkstinks Germany e.V.". Der Internationale Frauentag sei wichtiger denn je, "denn wir erleben in vielen Fragen eine Rolle rückwärts. Zum Beispiel einen wiedererstarkenden Nationalismus und offen propagierte Frauenfeindlichkeit. Dabei ist Gleichstellung auch in Deutschland noch längst nicht erreicht", sagte Fegebank.

Aktivistinnen von Femen stürmen Herbertstraße

Kein Sichtschutz mehr vor der Herbertstraße auf St. Pauli: Mehrere Femen-Aktivistinnen haben am Freitagvormittag auf ihre ganz eigene Art und Weise den Weltfrauentag gefeiert. Mit nackten Oberkörpern, auf denen mit schwarzer Farbe Parolen geschrieben waren, machten sie sich mit Werkzeugen an den Trennwänden vor dem nur Männern vorbehaltenen Straßenabschnitt zu schaffen.

Sie bohrten die Scharniere auf und legten die Tore anschließend auf die Straße. Anschließend flohen die Frauen vom Tatort. Die Folge: Freie Sicht für alle auf die bekannt-berüchtigte Bordellstraße, zu der seit den 1930er Jahren sonst nur Männer Zutritt haben. "Wir zerstören das Patriarchat und reißen Wände nieder", kommentierte das Kollektiv seine Aktion auf Twitter. Auf Facebook schrieb Femen, mit der Aktion die sexuelle Ausbeutung von Frauen, Menschenhandel und sexuelle Gewalt anprangern zu wollen, die sich hinter den Toren und Türen der Sexindustrie verstecke.

Femen: "Keine Mauer zwischen Frauen"

Die Metallwand an der Herbertstraße ist Sichtschutz und Barriere zugleich. Für Frauen und unter 18-Jährige ist der Zutritt der etwa 100 Meter langen Straße verboten. In der Herbertstraße sitzen Prostituierte leicht bekleidet in ihren Fenstern und sprechen vorbeilaufende Männer an.

Die Aktivistinnen kritisierten, dass die öffentliche Straße seit Jahrzehnten für Frauen unzugänglich ist. Eine der Frauen hatte sich mit dicker schwarzer Farbe und auf englisch "Keine Mauern zwischen Frauen" auf den Rücken schreiben lassen.

Die alarmierten Polizisten konnten nur noch den Schaden aufnehmen. "Wir ermitteln jetzt wegen Sachbeschädigung", sagte ein Polizeisprecher dem Abendblatt.

Senatsempfang im Rathaus

Der Frauentag ist auch Anlass für einen Senatsempfang im Rathaus, zu dem Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) eingeladen hat. Festrednerin soll die deutsch-britische Genderforscherin Stevie Schmiedel sein, die zum Thema „Seximus, Stereotype und die nächste Generation“ sprechen will.

FDP: Gegen das Diktat der Scharia!

Die FDP-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft erinnert zum Frauentag daran, dass auch Religion kein Vorwand sein darf, Frauen zu unterdrücken. Fraktionschefin Anna von Treuenfels-Frowein sagte: „Wir begrüßen es in diesem Zusammenhang ausdrücklich, wenn heute Migrantinnen in Hamburg für die Rechte von Frauen demonstrieren, die unter dem Diktat der Scharia leiden. Die Demonstrantinnen sind zum großen Teil selbst muslimischen Glaubens und bestens integriert. Sie sind Vorbild für viele Tausend andere Migrantinnen in unserer Stadt.“

In einer ersten verschickten Version des Statements hatte die Fraktionschefin noch deutlich härtere Worte gewählt, entschärfte diese aber kurz darauf in einer geänderten Fassung.

Doppelte Diskriminierung

Gender Pay Gap? Der Paritätische Wohlfahrtsverband in Hamburg macht sich für mehr Gleichberechtigung am Arbeitsplatz stark. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) habe gezeigt, dass die Lebensrealität von einer echten Gleichberechtigung der Geschlechter noch weit entfernt sei.

„An Wochentagen umfasst die durchschnittliche bezahlte und unbezahlte Arbeitszeit von Frauen und Männern demnach jeweils etwa elf Stunden. Frauen leisten aber weit mehr unbezahlte Haus- oder Erziehungsarbeit, selbst in Beziehungen ohne Kinder verbringen sie doppelt so viel Zeit mit Hausarbeit als ihre Partner“, so der Paritätische. „Dies zeigt, dass wir selbst in den kleinsten Einheiten unserer Gesellschaft von einer echten Gleichberechtigung noch weit entfernt sind“, sagte Kristin Alheit, die Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Hamburg. Frauen erhielten also weniger Gehalt und damit später weniger Rente. Erschwerend komme hinzu, dass Frauengehälter vielfach vor niedriger seien als Gehälter von Männern. „Diese doppelte Diskriminierung führt bei vielen geradewegs in die Altersarmut, einfach nur weil sie Frauen sind.“

Sozialsenatorin Leonhard postet bei Facebook

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) steht der Wissenschaftskollegin Katharina Fegebank von den Grünen nicht nach. Leonhard postete bei Facebook einen einfachen Satz: „Frauen können alles.“

Video zur Streikaktion

In der Antike verweigerten sich die Frauen den Männern durch strenge Sex-Diät, wenn sie unzufrieden waren. Hier können Hamburgerinnen bei einem Streik zum Weltfrauentag mitmachen: Auf der Internetseite https://frauenstreik.org/ gibt es ein Youtube-Video, das an die Streikaktion an diesem Freitag um 5 vor 12 erinnert.

Weitere Aktionen zum Weltfrauentag in Hamburg

Pinkstinks startet am heutigen Weltfrauentag die Online-Plattform „Schule gegen Sexismus“, auf der alle Fragen rund um das Thema gestellt werden können. (Link: http://schule-gegen-sexismus.de). Ebenfalls ab Freitag kann jeder die Aufklärungs-Broschüre „Rosa für Alle?! Gendersensible Erziehung in der Kita“ kostenlos bei Pinkstinks bestellen.

Für Sonnabend lädt Katharina Fegebank zum frauenpolitischen Frühstück (10 Uhr, Stääbchens Café & Bistro, Woldsenweg 1, Anmeldung unter anmeldung@gruene-nord.de.

Eine umfassende Übersicht der Termine gibt es unter www.frauentag-hamburg.de

Partys in Hamburg zum internationalen Frauentag

Der Weltfrauentag ist bietet jedoch nicht nur Anlass zum Demonstrieren und Diskutieren, sondern ist auch ein Grund zum Feiern. Deshalb lädt das Uebel und Gefährlich im Schanzenviertel am Freitagabend zum Mädelsabend ein und verspricht, sich in das Wohnzimmer des Female R’n’B, Hiphop und der 90er zu werden. Versüßt wird die Veranstaltung mit Glitzer, Tattoos und Süßigkeiten.

Auch das Kollektiv POSSY schmeißt anlässlich des Weltfrauentags eine große Party im Frappant in Altona. „ Jeder Tag ist Frauenkampftag! Doch der 8. März ist leider der einzig anerkannte“, schreiben die Veranstalter auf ihrer Einladung. „Auch in der Kunst- und Musikszene ist die Diskriminierung von Frauen, Lesben, inter, non-binary und trans* Personen immer noch stark zu spüren“, heißt es dort. POSSY steht für mehr weibliche, Trans- und nicht-binäre Präsenz in der Clubkultur und will mit dem Kollektiv eine Lücke im Hamburger Nachtleben schließen.

Ebenfalls gefeiert wird im Club Yoko in der Neustadt. Zum Weltfrauentag haben alle weiblichen Gäste dort freien Eintritt.