Unfallstatistik 2018

CDU: „Hamburgs Straßen bleiben ein gefährliches Pflaster"

Am Freitag wurde die Unfallstatistik vorgestellt.

Am Freitag wurde die Unfallstatistik vorgestellt.

Foto: André Zand-Vakili

Laut Unfallstatistik für das Jahr 2018 kamen 29 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Die Zahl der Unfälle ist jedoch gesunken.

Hamburg. In Hamburg wurden im vergangenen Jahr 29 Menschen bei 28 Verkehrsunfällen tödlich verletzt. 2017 waren es 28 Personen. Auffallend ist in diesem Jahr die hohe Anzahl von Fußgängern – 14 Menschen, die zu Fuß unterwegs waren, kamen im Verkehr ums Leben. Zudem waren unter den Verkehrstoten sechs Autoinsassen, vier Motorradfahrer, zwei Lkw-Fahrer, zwei Radfahrer und eine Mitfahrerin einer Kutsche. Das geht aus der Unfallstatistik für das Jahr 2018 hervor, die am Freitag von Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), Polizeivizepräsident Wolfgang Brandt, dem Leiter der Verkehrsdirektion, Ulf Schröder, und dem Leiter des Verkehrs-Managements im Landesbetrieb Verkehr, Thomas Adrian, vorgestellt wurde.

Gestiegen ist die Zahl der Kinder (bis 14 Jahre), die 2018 bei Verkehrsunfällen verletzt worden sind. 591 Kinder kamen zu Schaden – das sind 23 Jungen Mädchen mehr als 2017. "Aufgrund einer Zunahme bei den verunglückten mitfahrenden Kindern um 58, erhöhte sich die Zahl nach dem historischen Tiefststand des Vorjahres auf 724 verunglückte Kinder insgesamt", teilten Innenbehörde und Polizei mit. 28 von ihnen wurden allein bei zwei Verkehrsunfällen mit Bussen leicht verletzt. Als besonders "tragisch" wird der Tod eines Kleinkindes beschrieben, das auf dem Gelände einer Unterkunft für Geflüchtete von einem anfahrenden Eiswagen erfasst wurde.

Jedoch wurde bei der Präsentation im Polizeimuseum darauf hingewiesen, dass in Hamburg inzwischen knapp 30.000 Kinder mehr leben als noch 2012. „Mit 164 verunglückten Kindern je 100.000 Einwohner ist das Risiko für ein Kind, bei einem Verkehrsunfall in Hamburg verletzt zu werden, so gering wie nie“, heißt es in der aktuellen Mitteilung.

Weniger Verkehrsunfälle als im Vorjahr

Nach einem Rückgang im Vorjahr stieg zudem die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden um 102 Fälle (+ 1,3 Prozent) leicht an. "In Relation zur Bevölkerung jedoch ist das Risiko, bei einem Verkehrsunfall verletzt zu werden, abgesehen vom Ausnahmejahr 2010 derzeit so niedrig wie nie zuvor", hoben Innenbehörde und Polizei hervor.

Es verunglückten 9717 Personen – das entspricht einem Anstieg um 1,1 Prozent. Nach Angaben der Polizei ist der Anstieg vor allem auf die Entwicklung der Leichtverletztenzahlen zurückzuführen – hier gab es ein Plus von 102 Personen. Schwer verletzt wurden 857 Menschen (+ 0,8 Prozent). Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 67.537 Verkehrsunfälle registriert (2017: 67.888). Das sind 351 Verkehrsunfälle weniger als im Vorjahr.

Grote: Tempokontrollen weiter ausbauen

„Dass bei immer mehr Verkehrsteilnehmern die Zahl der Unfälle zurückgeht, ist eine gute Nachricht und ein Erfolg der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit", sagte Innensenator Andy Grote. Dass bei diesen Unfällen mehr Personen verunglücken, sei Anlass, die Anstrengungen weiter zu verstärken. "Da viele – gerade schwerwiegendere – Unfälle durch überhöhte Geschwindigkeit und Rücksichtslosigkeit zumindest mitverursacht werden, wollen wir die Tempokontrollen weiter ausbauen“, so Grote.

Eine Steigerung um acht Prozent verzeichnet die Polizei bei den Unfällen mit Radfahrern: Demnach gab es 3393 Verkehrsunfälle mit Radlern. Im Vorjahr waren es 3143. Laut Polizeiführung spiegele sich das langanhaltende Sommerwetter in der Statistik wieder. Gleichzeitig sei jedoch auch der Radpegel um 23 Prozent gestiegen. Zwei Radfahrer verunglückten 2018 tödlich, wobei ein Verunglückter ohne Fremdeinwirkung unglücklich gestürzt war.

Das über Monate andauernde schöne Wetter könnte ebenfalls ein Grund dafür sein, dass es einen Anstieg der Verkehrsunfälle mit Motorrädern (über 50 Kubikzentimeter) um 7,4 Prozent gegeben hat. Bei 881 Verkehrsunfällen verunglückten 459 Motorradfahrer und 14 Mitfahrende. Vier Motorradfahrer kamen dabei ums Leben.

Mehr Unfälle mit Senioren

Deutlich weniger Unfälle hat es hingegen mit jungen Erwachsenen gegeben: Mit 10.720 lag die Anzahl um 437 (-3,9 Prozent) niedriger als 2017. Auch sank die Zahl von verunglückten jungen Erwachsenen um 2,7 Prozent. Überhöhte Geschwindigkeit und zu geringer Sicherheitsabstand sind bei diesen weiterhin häufiger als in anderen Altersgruppen als Unfallursachen festzustellen, heißt es in der Mitteilung. Vor allem das begleitete Fahren beim „Führerschein mit 17“ wirke sich weiterhin positiv aus. „Wir haben außerdem den Eindruck, dass sich junge Menschen verstärkt mit anderen Verkehrsmitteln in der Stadt bewegen“, twitterte die Polizei.

Die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Senioren beteiligt waren, ist leicht gestiegen, aber mit einem Plus von 1,2 Prozent weitgehend stabil. Die Polizei registrierte 12.333 solcher Verkehrsunfälle, das sind 149 mehr als im Vorjahr. „Ein wesentlicher Grund dafür ist weiterhin die demographische Entwicklung, wonach immer mehr Senioren auch im hohen Alter am Verkehr teilnehmen“, heißt es vonseiten der Polizei.

Polizeivizepräsident Wolfgang Brand zur Verkehrssicherheit in Hamburg:

CDU fordert Bündnis für Schulwegsicherheit

Massive Kritik übte die CDU-Bürgerschaftsfraktion. „Hamburgs Straßen bleiben ein gefährliches Pflaster", sagte Dennis Thering, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Der Anstieg bei den verunglückten Personen im Hamburger Straßenverkehr auf 9700 zwinge den Senat jetzt endlich zum Handeln. "Hamburg ist damit von der Umsetzung der viel beschworenen Verkehrsfiktion ‚Vision Zero‘ nach wie vor meilenweit entfernt", sagte Thering.

Der Anstieg bei den verunglückten Kindern sei traurig. "Wir fordern für jeden Bezirk ein Bündnis für Schulwegsicherheit", sagte der CDU-Politiker. "Gemeinsam mit Schülern, Lehrern, Eltern, Polizei und der Politik muss dieses zeitnah entwickelt und umgesetzt werden." Auch der starke Anstieg bei verunglückten Fahrradfahrern und 14 tödlich verunglückte Fußgänger zeigten, dass die Verkehrssicherheit oberste Priorität in Hamburg haben muüsse. Thering: "Wir gehen voran und wollen die Verkehrslehrerstellen bei der Polizei deutlich erhöhen und somit jedem Kindergarten- und Schulkind eine regelmäßige Verkehrserziehung zugutekommen lassen."

Zudem müsse auch die Zahl der mobilen Geschwindigkeitsmessungen vor Kindergärten, Schulen, Altenheimen und an Unfallschwerpunkten deutlich ausgeweitet werden. Thering: "Wir wollen Hamburgs Straßen zu den sichersten aller Großstädte in Deutschland machen.“