Kreativszene

Der Streit um Wilhelmsburger Zinnwerke spitzt sich zu

Die Zinnwerker wollen nun ein eigenes Konzept vorlegen.

Die Zinnwerker wollen nun ein eigenes Konzept vorlegen.

Foto: Marcelo Hernandez

Konzept für Kreativquartier in Wilhelmsburg ist umstritten. Flohmarkt gestrichen. Gibt es eine Einigung?

Hamburg.  Kritik, Streit, Verbot: Im Ringen um ein neues Kreativquartier in den alten Zinnwerken am Wilhelmsburger Veringkanal fahren die bisherigen Nutzer und die städtische Hamburg Kreativ Gesellschaft nach wie vor Konfrontationskurs. Bekanntlich soll in einem offenen Verfahren ein tragfähiges Nutzungskonzept für die Indus­triebrache gefunden werden. Künstler und Kreative sollen einziehen, die Hallen saniert werden. Der Bezirk Mitte hat 60.000 Euro für die Konzeptsuche zur Verfügung gestellt.

Aber kurz vor der Präsentation der Ergebnisse am morgigen Mittwoch herrscht immer noch Unfrieden – sowohl was das künftige Konzept, als auch was die Zusammensetzung der Nutzer betrifft. Nun wollen sich die Zinnwerker immerhin mit einem eigenen Vorschlag einbringen, auch wenn die Kreativen, die die Fabrikhallen vor dem Abriss retteten, nach wie vor Verfahrenskritik üben. Als langjährige Nutzer, die inzwischen 80 Arbeitsplätze in Ateliers und Büros unter dem Dach der Zinnwerke versammeln, fühlen sie sich übergangen. Am Konzept für die Zukunft ihrer Heimstätte dürften sie zwar mitschreiben, ein Bleiberecht werde ihnen aber nicht gewährt.

Flohzinn-Flohmarkt verboten

Zudem wurde den Nutzern nun von Amts wegen ihre bekannteste Veranstaltung verboten: der Kunstflohmarkt „Flohzinn“. Fehlender Brandschutz, keine Notausgänge und offene Statikfragen in der bisher genutzten Halle waren dem Bezirksamt Mitte zu riskant. Immerhin stehe man dort vor einer Übergangslösung. Im April geht es möglicherweise unter freiem Himmel weiter.

Nachdem Egbert Rühl, Geschäftsführer der Kreativ Gesellschaft, mangelnde inhaltliche Beteiligung der bisherigen Nutzer bemängelt hatte, wollen die Zinnwerker nun ein eigenes Konzept präsentieren. Das Konzept soll dem Ort, dem Stadtteil und der bisherigen Nutzung gerecht werden. Das heißt, eher kleinteilige Angebote statt nur ein Nutzer, viele kreative Gewerke sollen sich befruchten. Neue Kreative sollen neben alteingesessenen zur Entfaltung kommen. Für diesen Plan haben die Zinnwerker nun einen Verein gegründet. Ihre Hoffnung und die der Kreativ Gesellschaft sei, den Streit damit beizulegen.

Konzepte für die Zinnwerke werden am Mittwoch, 20. Februar, von 17.30 Uhr an im Bürgerhaus Wilhelmsburg vorgestellt und diskutiert.