Hamburg

Mariahilf-Debatte: Wie es um andere Geburtskliniken steht

Die Helios Mariahilf-Klinik in Harburg.

Die Helios Mariahilf-Klinik in Harburg.

Foto: Imago/Chris Emil Janßen

Das Krankenhaus in Harburg sorgt seit Wochen für Schlagzeilen. Doch auch andere Kliniken mussten schon ihre Kreißsäle schließen.

Hamburg.  Wer in Hamburg ein Kind zur Welt bringen will, hat die Qual der Wahl. Elf Geburtskliniken stehen werdenden Müttern zur Verfügung. Angesichts der steigenden Geburtenzahlen und der vielen Schwangeren aus dem Umland ist das große Angebot gerechtfertigt: Lag die Zahl der Geburten im Jahr 2008 noch bei 19.871, waren es im letzten Jahr mit 25.077 bereits deutlich mehr – ein Trend, der seit Jahren anhält.

Geburtenstärkstes Krankenhaus ist seit mittlerweile fünf Jahren das Katholische Marienkrankenhaus in Hohenfelde. 2018 kamen dort 3505 Kinder zur Welt. Auf den Plätzen zwei und drei befinden sich die Asklepios Klinik Altona (2018: 3295 Geburten) und das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), in dem 3250 Frauen entbanden – so viele wie seit 30 Jahren nicht mehr. Mit 820 Geburten meldete im letzten Jahr das Bethesda Krankenhaus Bergedorf die wenigsten Neugeborenen aller Geburtskliniken. Für die steigenden Zahlen sind allerdings nicht nur die Einwohner der Hansestadt verantwortlich, immer mehr Frauen aus dem Umland zieht es ebenfalls zur Geburt nach Hamburg.

Geburtenzahl für Kliniken ein wichtiger Imagefaktor

Die Zahl der Geburten bleibt für die Krankenhäuser ein wichtiger Imagefaktor. Wer in einer Klinik sein Kind sicher auf die Welt bringt, wird sich auch in anderen Fällen auf sie verlassen. Vertreter von UKE und Marienkrankenhaus betonten das Vertrauen, das man bei werdenden Müttern aufbauen wolle, um ein angenehmes Geburtserlebnis sicherstellen zu können.

Über die meisten Kreißsäle in der Stadt verfügt keines der drei geburtenstärksten Krankenhäuser, sondern die Asklepios Klinik Barmbek. Acht Geburtsräume stehen dort zur Verfügung. UKE und Helios Mariahilf haben jeweils fünf, das Katholische Marienkrankenhaus und das Albertinen-Krankenhaus sechs Kreißsäle.

Doch so zahlreich die Optionen für Schwangere auch scheinen, es kann plötzlich eng werden. So musste der Kreißsaal der Helios Mariahilf-Klinik am ersten Februarwochenende gleich zweimal von der Notrufzentrale abgemeldet werden – wegen Personalmangels. Da sich gleich zwei Oberärzte krankgemeldet hätten und auch der kurzfristig beauftragte Honorararzt erkrankt sei, habe man sich zur vorübergehenden Schließung entschieden, so Sprecherin Lisa Klauke-Kerstan.

Mariahilf in Harburg von Personalproblemen geplagt

Man habe den fachlichen Standard nicht mehr gewährleisten können und daher von Freitag auf Sonnabend sowie von Sonntag auf Montag für mehrere Stunden nur „Kinder entbunden, die es ganz eilig hatten“. Alle anderen Mütter seien gebeten worden, andere Kreißsäle anzusteuern. Die Klinik war zuletzt von grundlegenden Personalproblemen geplagt: die Chefärztin der Geburtsklinik, Dr. Maike Manz, hatte nach weniger als zwei Jahren im Amt bereits gekündigt, ebenso drei Oberärzte.

Laut Mathias Eberenz, Sprecher der Hamburger Asklepios-Kliniken, ist eine solche Abmeldung grundsätzlich nicht unüblich, wenn die Kapazitäten einer Klinik ausgereizt sind. „Das ist ein ganz normaler Vorgang und auch im Sinne der Patienten.“ Eine vorübergehende Sperrung komme des Öfteren vor. Auf diese Weise sei gewährleistet, dass Rettungswagen mit Schwangeren rechtzeitig andere Krankenhäuser ansteuern könnten.

Aus einer statistischen Erhebung der Bürgerschaft aus dem letzten Jahr geht hervor, dass allein das UKE zwischen Juni 2017 und Juni 2018 knapp 130-mal seinen Kreißsaal schließen musste. Auch die Asklepios Klinik in Altona verzeichnete im selben Zeitraum rund 90 solcher Vorfälle. Diese Abmeldungen können teils nur eine Stunde dauern, jedoch finden sich in der Statistik auch häufig Schließungen von mehr als zwölf Stunden.

Auslastung der verfügbaren Räumlichkeiten

Die Abmeldungen ihrer Klinik, so UKE-Sprecherin Anja Brandt, seien ebenfalls auf eine Auslastung der verfügbaren Räumlichkeiten zurückzuführen. Akuter Personalmangel sei dort jedoch nie der Grund gewesen. Ähnliches vermeldet auch das Marienkrankenhaus, das trotz der hohen Geburtenzahl im untersuchten Zeitraum lediglich 31-mal seinen Kreißsaal schließen musste.

Insgesamt acht der elf Geburtskliniken – alle vier Asklepios-Kliniken, das UKE, Mariahilf, das Katholische Marienkrankenhaus sowie das Albertinen-Krankenhaus – haben auch Intensivstationen für Neugeborene, im Evangelischen Amalie-Sieveking-Krankenhaus ist dauerhaft ein Kinderarzt anwesend.

Dass eine Mutter bei der Geburt ihres Kindes stirbt, wie vor kurzem im Mariahilf geschehen, ist übrigens sehr selten. Vor dem Todesfall in Heimfeld überlebten nach Angaben aus dem Hamburger Krankenhausspiegel seit 2010 insgesamt neun Frauen die Geburt nicht. Fünf solcher Fälle gab es in dieser Zeit im UKE. Jede der verstorbenen Mütter habe sich jedoch bereits beim Eintreffen im Krankenhaus in einer lebensbedrohlichen Gesundheitslage befunden, heißt es dazu im Krankenhausspiegel.