Hamburg

Trotz Führerscheinrekords: Mehr Prüflinge fallen durch

| Lesedauer: 4 Minuten
Eine Frau fährt mit ihrem Auto durch den Elbtunnel (Archivbild).

Eine Frau fährt mit ihrem Auto durch den Elbtunnel (Archivbild).

Foto: Christin Klose / dpa

Gut 12.000 Pkw-Fahrerlaubnisse wurden 2017 in Hamburg erteilt. Die Zahl nicht bestandener Prüfungen ist ungewöhnlich hoch.

Hamburg. Anders als gelegentlich behauptet, scheint das Interesse der Jugend am Autofahren keinesfalls geringer zu werden. Neue Daten des Senates zu den Führerscheinprüfungen in Hamburg zeigen jedenfalls eine andere Tendenz. Demnach wurde im zuletzt vollständig erhobenen Jahr 2017 ein neuer Höchststand bei den erfolgreich abgelegten praktischen Fahrprüfungen für den PKW-Führerschein (Klasse B) erreicht.

Insgesamt 12.022 Hamburger erlangten im vorvergangenen Jahr diese Fahrerlaubnis. In den Vorjahren waren es stets deutlich weniger gewesen, im Jahr 2016 lediglich 11.180. Rechnet man alle Klassen (auch LKW, Motorräder etc.) zusammen, bestanden 2017 insgesamt 20.658 Hamburger die praktische Prüfung, 21.839 die theoretische.

Hamburger machen später den Führerschein

Nach den vom CDU-Verkehrspolitiker Dennis Thering erfragten Zahlen legen dabei auch immer mehr Minderjährige erfolgreich die Fahrprüfung ab, um bereits mit 17 Jahren die Erlaubnis zu erlangen, für ein Jahr unter Begleitung von eingetragenen Erwachsenen zu fahren.

17-Jährige dürfen mit dieser Erlaubnis bis zum 18. Geburtstag unter Begleitung eines Erwachsenen Auto fahren. Die Begleiter müssen dafür eingetragen werden, sie müssen mindestens 30 Jahre alt sein, fünf Jahre am Stück die Fahrerlaubnis besessen und höchstens einen Punkt im Flensburger Fahreignungsregister haben.

Die praktische Prüfung kann dabei bereits einen Monat vor dem 17. Geburtstag abgelegt werden. Allerdings lassen sich offenbar auch immer mehr junge Hamburger etwas länger Zeit mit der Fahrschule. Denn auch die Zahl derjenigen, die ihre Prüfungen erst mit 21 Jahren oder später ablegen, ist im Jahr 2017 mit 7786 auf den höchsten Stand des Jahrzehnts gestiegen.

37 Prozent fallen durch theoretische Prüfung

Auffällig an den neuen Daten des Senates ist auch ein anderer Punkt: Nicht nur in absoluten Zahlen fallen immer mehr Führerschein-Anwärter bei den theoretischen und praktischen Prüfungen durch. Auch der Anteil der Durchfaller an allen Prüflingen hat einen neuen Höchststand erreicht. 37 Prozent der Führerschein-Aspiranten fielen 2017 durch die theoretische Prüfung – in den Vorjahren lag diese Quote immer deutlich niedriger, 2011 rasselten noch 30,3 Prozent durch die Theorieprüfung.

Noch schlechter sieht es bei den praktischen Fahrprüfungen aus. Satte 41,6 Prozent fielen dabei im Jahr 2017 durch. Das ist der höchste Stand des Jahrzehnts. In absoluten Zahlen fielen in allen Klassen im vorvergangenen Jahr 12.830 Führerschein-Aspiranten durch die theoretische und 14.713 durch die praktische Prüfung.

Hohe Durchfallerquote wegen Baustellenchaos?

„Immer mehr Hamburgerinnen und Hamburger machen einen Führerschein. Das zeigt, dass das Auto als Fortbewegungsmittel ungebrochen beliebt ist“, sagte CDU-Verkehrspolitiker Thering zu den Zahlen. „Erfreulich ist, dass immer mehr 17-Jährige die Möglichkeit nutzen und ein Jahr eher die Fahrerlaubnis erwerben. Durch das begleitete Fahren, werden früh Erfahrungen gesammelt, damit man ab 18 Jahren dann deutlich sicherer im Straßenverkehr ist.“

Dass die Quote der nicht bestandenen praktischen Prüfungen einen neuen Höchststand erreicht habe, wundere ihn allerdings nicht, so Thering. „Die Hamburger Verkehrszustände mit immer mehr abenteuerlichen Verkehrsführungen, immer undurchschaubareren Fahrbahnmarkierungen und dem täglichen Baustellenchaos machen es den Fahrschülern immer schwerer.“ Deswegen liege die Durchfallerquote in Hamburg auch „rund 5,5 Prozentpunkte über in Berlin“, so Thering.

Zahl der registrierten Fahrzeuge steigt in Hamburg

Die Innenbehörde wies diese Deutung zurück. Im Großen und Ganzen sei die Durchfallerquote zuletzt konstant. Sie habe auch zu CDU-Regierungszeiten 2008 schon einmal bei 41 Prozent gelegen – und damit fast so hoch wie 2017.

Die steigenden Führerscheinzahlen passen zu der seit Jahren wachsenden Zahl von in Hamburg registrierten Kraftfahrzeugen. Allerdings haben Studien zuletzt auch ergeben, dass vor allem im Innenstadtbereich immer weniger Wege mit dem (eigenen) Pkw zurückgelegt werden.

Offenbar ziehen immer mehr Hamburger es vor, sich in der Stadt mit Bahn, Bus oder Fahrrad fortzubewegen. Denn das geht oft schneller, ist meist günstiger und spart die mühsame Parkplatzsuche.

Das Zutrauen, alle nötigen Fahrten (auch zum Einkaufen, ins Umland oder in schlecht durch den HVV erschlossene Stadtteile) ohne Auto erledigen zu können, scheint bisher noch nicht sehr ausgeprägt zu sein. So haben viele Hamburger wohl gerne noch einen eigene Pkw in Reserve – und dementsprechend auch einen Führerschein.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg